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Kinderarmut wächst - Bündnis fordert Umverteilung

Familienreport 2017 der Bundesregierung: 2,8 Millionen Heranwachsende armutsgefährdet / Oxfam fordert Taten gegen »aktuelle Ungleichheitskrise«

Berlin. Während im Wahlkampf vor allem die Union ständig kritisiert, die soziale Lage im Land werde von linken Parteien schlechtgeredet, zeigt nun ein Bericht der Regierung, dass die Zahl der Familien steigt, in denen Kinder von Armut und Bildungsdefiziten bedroht sind. Wie die »Süddeutsche Zeitung« vorab unter Berufung auf den Familienreport 2017 meldet, galten 2015 etwa 2,8 Millionen Kinder als armutsgefährdet – das sind 1,5 Prozent mehr als im Vergleichsjahr 2010. Als Grund nennt der Bericht unter anderem den Zuzug von Kindern aus Migrantenfamilien.

Bundesfamilienministerin Katharina Barley von der SPD sagte laut dem Bericht, man habe zwar in der Großen Koalition viel vorangebracht. Dennoch würden zu viele Kinder von staatlichen Angeboten nicht erreicht. Das beste Mittel, um bestehende Ungerechtigkeiten zu beseitigen, sei eine gute und kostenfreie Kinderbetreuung.

Unterdessen appelliert das Bündnis »Reichtum umverteilen« vor den Wahlen noch einmal zu deutlich mehr Anstrengungen gegen soziale Ungleichheit und für eine gerechtere Vermögensverteilung. Der Zusammenschluss von über 30 bundesweit aktiven zivilgesellschaftlichen Organisationen, Sozialverbänden und Gewerkschaften fordert nach eigenen Angaben »einen rigorosen steuer- und finanzpolitischen Kurswechsel. Zur Bekämpfung von Armut und der Finanzierung notwendiger Renten- und Sozialreformen sowie dringend benötigter Investitionen in das Gemeinwesen seien die stärkere Besteuerung sehr hoher Einkommen, Vermögen und Erbschaften sowie der konsequente Kampf gegen Steuerbetrug und Steuerschlupflöcher alternativlos«, heißt es bei dem Bündnis.

»Eine gerechte und solidarische Steuerpolitik ist aus unserer Sicht die Nagelprobe, ist der Glaubwürdigkeitstest für alle, die eine bessere Bildungs-, Sozial- oder Arbeitsmarktpolitik oder gar ein gerechteres Deutschland versprechen«, sagte Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbands. Nach einer unlängst vorgestellten Umfrage würden drei Viertel der Bevölkerung die aktuelle Vermögensverteilung als ungerecht empfinden, die Zustimmung zu einer stärkeren Besteuerung hoher Einkommen und großer Vermögen ist weit verbreitet.

Jörn Kalinski von der Organisation Oxfam sprach von einer »aktuellen Ungleichheitskrise«, die aber »keine Naturkatastrophe« sei, sondern von Menschen gemacht »und zwar im Interesse einer Minderheit von Großkonzernen und Superreichen«. Schuld an der wachsenden Ungleichheit habe zudem »eine Politik, die annimmt, der Markt brauche möglichst wenig Regulierung«. Dies habe dazu geführt, dass sich vor allem internationale Konzerne »auf vielfältige Art davor drücken, ihren fairen Beitrag zum Allgemeinwohl zu leisten«. Das Bündnis will am Freitag auf seine Ziele vor dem Berliner Reichstag aufmerksam machen. Weitere dezentrale Aktionen und Veranstaltungen sind für Samstag geplant. nd

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