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Der Born muss warten - wieder einmal

In Hamburgs erster Plattenbau-Großsiedlung feiert man deren 50-jähriges Jubiläum - und sieht sich vom Senat der Hansestadt erneut abgehängt

  • Von Folke Havekost, Hamburg
  • Lesedauer: 3 Min.

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Im Spätsommer ist der Osdorfer Born grün und bunt. Auf einem Wiesenareal stehen kleine Häuschen in rot, gelb und blau. Es sind Anlaufstellen für die 12 500 Einwohner des Stadtteils im Hamburger Westen - und zugleich eine farbige Ergänzung zum grauen Born-Center auf der anderen Straßenseite, mit Handyladen und einem Kiosk, der auch als Post dient.

20 Einrichtungen liegen im Schatten von Hochhäusern auf der grünen Wiese - vom Bürgerhaus Bornreihe über das Bistro OsBorn (Schweineroulade oder Gnocchi in Spinat-Gorgonzola-Soße) und ein Sozialkaufhaus bis hin zum Domizil der Borner Runde, einer Versammlung von Stadtteilaktivisten.

Eigentlich hätte jene Borner Runde schon genug zu tun mit den Jubiläumsfeiern der 1967 errichteten Plattenbau-Großsiedlung, deren Alleestreifen nun mit großen, goldgelben »50«-Ziffern verziert sind. Doch seit Kurzem ist ein anderes Thema akut: Der Umbau der Geschwister-Scholl-Stadtteilschule ist durch ausbleibende städtische Gelder gefährdet. »Die Bürger des Osdorfer Borns sind empört über die Zurückstellung des Baubeginns«, erklärte die Borner Runde und forderte, am geplanten Fertigstellungstermin 2019 festzuhalten: »Die Sozialdaten der Bevölkerung erfordern sofortiges Handeln und dulden keinerlei Aufschub.«

Der Osdorfer Born ist nicht nur grünes Idyll, sondern auch die erste von drei Großsiedlungen des sozialdemokratisch geprägten Nachkriegs-Hamburg. Im Oktober 1967 wurde der Grundstein für »urbanes Wohnen« im Plattenbau gelegt, die Gesamtfläche des Projektes umfasst nur einen Quadratkilometer. 1971 besuchte die niederländische Königin Juliana das größte Haus am Osdorfer Born - es ist 21 Stockwerke und 77 Meter hoch. Damals bereits wurde die Nase gerümpft über das »seelenlose Betongetto« aus 4854 Wohnungen am Rande der Großstadt, die es eher vier- bis fünfgeschossig liebt. Zumal in den Neubauten zwar Warmwasser floss, das Drumherum aber vernachlässigt wurde. Kindergärten fehlten zunächst, der geplante U-Bahn-Anschluss nach Altona wurde 1974 verworfen und ist bis heute nicht realisiert. Nachrichten über Jugendkriminalität verdrängten die Berichte über damals moderne Siedlungsansätze. 2007 warf eine Mutter ihr Neugeborenes aus dem 10. Stock - fatale Dramen, gegen die das stetige Engagement vieler Bewohner nur schwer ankommt, zumindest was den Ruf betrifft.

»Wenn in einer Siedlung was los ist, nimmt man gerne Bilder vom Osdorfer Born, auch wenn es dort nicht passiert ist«, erklärt Maria Meier-Hjertqvist von der Borner Runde. Umso wichtiger ist die Bildung als Zukunftsperspektive. Die in die Jahre gekommene Geschwister-Scholl-Schule am Böttcherkamp sollte ab diesem Mai für 35 Millionen Euro neu gebaut werden. Die Schule hatte mit ihren Plänen, die ein integriertes Haus der Jugend nach dem Vorbild von »Community Schools« vorsehen, sogar einen bundesweiten Wettbewerb gewonnen. Hamburgs Schulsenator Ties Rabe (SPD) sprach von einer »Aufbruchstimmung« und »Aufstiegschancen durch gute Bildung«, Vertreter des integrierten Entwicklungskonzepts Osdorfer Born/Lurup schwärmten 2014 von einem »Bildungsband«, das sich durch die Region ziehe.

Der Südflügel der Schule wurde im Frühjahr noch pünktlich geräumt, doch mit dem Abriss wurde nicht begonnen. »Bei einem anspruchsvollen Vorhaben mit einem umfangreichen baupädagogischen Konzept kann es zu Änderungen im zeitlichen Ablauf kommen«, erklärt die SPD-Bürgerschaftsabgeordnete Anne Krischok: »Die finanziellen Mittel stehen aber zur Verfügung, der Neubau war zu keinem Zeitpunkt in Frage gestellt.« Allerdings geht auch die Politikerin davon aus, dass der Bezug der neuen Schulbauten erst mit zwei Jahren Verspätung 2021 erfolgen kann.

Für die monatlich tagende Stadtteilkonferenz ist dies eine »gravierende Änderung im zeitlichen Ablauf«, wo doch mit dem Beginn des neuen Schuljahrs erstmals seit Langem wieder vier fünfte Klassen gebildet werden konnten. »Die Stimmung in der Schule hat sich seit der Neubauplanung erheblich verbessert«, heißt es in einer Erklärung der Konferenz: »Die Entwicklung schlägt sich in der positiven Identifizierung der SchülerInnen mit Schule und Stadtteil und in verstärktem Elternengagement nieder. Dieser dynamische Prozess darf nicht gestoppt werden.«

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