Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Der Mann vom Imagefilm wirft hin

Schleswig-Holstein: Neuer Ärger bei Polizeiausbildung

Die Landespolizei Schleswig-Holstein sieht sich neuerlichen Vorwürfen ausgesetzt, dass es im Rahmen der Ausbildung von Polizeischülern zu rassistischen Äußerungen gekommen sei. Das Innenministerium bestätigte, dass in mehreren Fällen die Staatsanwaltschaft eingeschaltet wurde.

Vor wenigen Tagen war bekannt geworden, dass im August in der Landespolizeischule Eutin ein Ausbilder auf die Störung des Verkehrsrechtsunterrichts durch einen Polizeianwärter mit offenbar türkischen Wurzeln mit den Worten »Hau dem Türken doch mal aufs Maul« reagiert haben soll. Nun prüft die Staatsanwaltschaft in Lübeck, ob die rassistische Entgleisung sich tatsächlich so zugetragen hat. Gegen den Ausbilder läuft in diesem Zusammenhang auch ein Disziplinarverfahren.

Und inzwischen kam auch der Fall des in Kamerun geborenen Ewane Makia an die Öffentlichkeit. Der Mann warf seine 2016 begonnene Polizeiausbildung im Juli überraschend hin, weil er sich offenbar einem rassistischen Mobbing-Druck ausgesetzt sah. So soll in einem Gespräch unter Ausbildern der 29-Jährige als »Quotenneger« bezeichnet worden sein. Die Ermittlungen haben bisher keinen Urheber für besagte Titulierung ergeben.

Makia hat in der Angelegenheit dem Vernehmen nach auf eine Strafanzeige verzichtet, aus Angst sich seine berufliche Zukunft zu verbauen. Aus Polizeikreisen ist indessen zu hören, dass Vorgesetzte sich an Makia gewandt haben sollen, um ihm darzulegen, dass man ihn für ungeeignet halte und er die falsche Berufswahl getroffen habe.

Der gebürtige Westafrikaner war im Vorjahr einer von 15 Polizeianwärtern mit ausländischen Wurzeln. Die Landespolizei hatte sogar einen Imagefilm mit ihm gedreht, denn der Ruf der Ausbildungsstätte hatte massiv gelitten, als im Frühjahr 2016 bekannt wurde, dass es - zurückreichend ins Jahr 2014 - gegenüber Polizei-Anwärterinnen zu sexistischen Bemerkungen und Anzüglichkeiten gekommen war. Viele davon geschahen im Rahmen einer WhatsApp-Chatgruppe. Bis heute sind die genauen Vorgänge dazu nicht öffentlich aufgeklärt worden. Patrick Breyer von der Piratenpartei bemängelt, dass die Verantwortlichen das Thema immer noch unter der Decke halten.

Am Montag bedauerte die Polizeiführung in einer Pressekonferenz, dass es möglicherweise zu neuerlichen Verfehlungen gekommen sei. Es handele sich um Einzelfälle, doch jeder Einzelfall sei bereits einer zu viel, sagte der leitende Polizeidirektor Michael Wilksen. In der Ausbildungsordnung soll nun künftig dem Thema Migration eine größere Rolle beigemessen werden. Dies wolle man laut Wilksen vornehmlich in anschaulichen Rollenspielen mit den angehenden Polizeibediensteten bewältigen. Seitens der Polizeigewerkschaften ist unterdessen zu hören, dass sich in der Ausbildung auch nach der WhatsApp-Affäre bisher nichts Bahnbrechendes verändert habe.

Der Berufswunsch Polizeibeamter ist dabei durchaus populär. Zuletzt hatten sich auf 350 Stellen 3766 Bewerber gemeldet. Am Sonntag leistete der aktuell gestartete Ausbildungsjahrgang in Eutin vor rund 2000 Besuchern seinen öffentlichen Diensteid. Dabei kam es zu einem unliebsamen Zwischenfall: Als die Nationalhymne abgespielt wurde, zeigten nach Zeugenaussagen zwei Männer aus dem Publikum den Hitlergruß. Die Polizei nahm die Personalien auf und erteilte einen Platzverweis. Beide müssen nun mit einer Strafanzeige rechnen.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung
  • Lastschrift

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln