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Magisches Geheimnis

  • Von Andreas Gläser
  • Lesedauer: 3 Min.

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Bestes Kinowetter, zumindest abends. Eva und ich werden in den schönsten Multiplexbau der Stadt gehen, um einen der sechs Filme zu sehen, die sie am Start haben: »Magical Mystery oder Die Rückkehr des Karl Schmidt«. Klingt vom Untertitel her nicht nach schwülstigem Kostümstreifen, sondern nach zeitgenössischem Heimatfilm. Einige Techno-DJs rollen darin im Kleinbus von München über Köln nach Hamburg und bitten zum Tanz. Ein flotter Film, genau richtig für uns, die wir früh um sechs aufstehen, uns abends um sechs kurz hinlegen und danach noch mal raus wollen, über den Spätverkauf ins Kino.

Charly Hübner spielt den Karl Schmidt, Detlev Buck den Ferdi, Regie: Arne Feldhusen. Alles basiert auf einem Buch von Sven Regener. Hui, das riecht nach Korn. Regner ist seit zwei, drei Jahrzehnten einer der Besten, als Poet auf den Konzertbühnen. Die Platten halten ein Leben lang, die kann ich immer wieder hören. Aber was in seinen Büchern steht, lasse ich mir lieber in 90 Minuten als Verfilmung vermitteln. Freak-Dialoge habe ich im Alltag ausreichend. Die Filmmusik dürfte nach Hirn im Zwirn klingen, voll stressig, aber den Film gibt es eben nicht ohne Bumbum. Die Dialoge von Karl & Co. werden Eva und ich auch bei einem oder zwei Bier verstehen.

In den 90ern schlingerte ich um dieses Techno-Tamtam ganz gut herum, obwohl ich im besten Alter war, um da mitzuspinnen. Doch einige vermeintlich aufrechte Arbeitslose aus dem Bekanntenkreis galten mir als schlechte Beispiele. Plötzlich wollten sie in den Bunker, in den Tresor, was weiß ich wohin. Sie besorgten sich Arbeitsklamotten, die als szenetypisch galten; Warnwesten, Maleranzug etc. Für die Türsteher waren ihre Fressen zu prollig, sie kamen nicht rein. Einen Job gab es auch nirgends. Vielleicht verabschiedete sich deshalb ein Gast bei einer der Wohnzimmerpartys kurz unter dem Dach durch das schmale Toilettenfenster. Blöde Drogen. Bei dieser Fraktion schienen auch die Beißerchen schneller morsch zu werden. Da half die frische Luft während der Loveparade auf der Straße des 17. Juni nicht viel.

Damals, Ende der 90er, kam unter Punks und Skins auch die Tradition auf, am Techno-Tag eine Bootsfahrt zu absolvieren, bei der man von Kreuzberg über Mitte nach sonst wo schipperte und wieder zurück. Dreieinhalb Stunden sollte die Tour dauern, doch da wir fortlaufend die quietschbunten Raver an den Ufern und auf den Brücken mit leeren Bierbüchsen und Ähnlichem bewarfen, wurde die Sause nach einer Stunde von der Polizei beendet. Im Jahr darauf führte die Fahrt über den Müggelsee, da fehlten die Feinde, die Opfer. Irgendwann fand die Loveparade nicht mehr in Berlin statt, wir hatten gewonnen. Unter den 111 Passagieren der Bootsfahrt fanden sich viele APPD-Prominente. Heute sind sie tot oder in der Partei Die Partei.

Eva und mir geht es gut genug, um uns »Magical Mystery« reinzuziehen. Wir erwarten einen kurzweiligen Film, in den wir uns nicht sonderlich hineinträumen werden.

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