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Das sind die 10 spannendsten Wahlkreise

Wieviele Direktmandate bekommt die LINKE und kann auch die AfD eines erringen? Verliert die SPD wichtige Hochburgen und verteidigen die Grünen Friedrichshain-Kreuzberg?

  • Von Moritz Wichmann
  • Lesedauer: 7 Min.

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Nur ein Fünftel der Wahlkreise in Deutschland ist wirklich umkämpft bei dieser Bundestagswahl. Das zeigt eine Prognose zu den Direktmandaten zur Bundestagswahl, die vermuten lässt, dass die Union ihre Dominanz in vielen Teilen Deutschlands weiter ausbauen wird. Doch in 76 Wahlkreisen hat dem Modell von election.de zufolge die führende Partei nur einen »Vorsprung«, hier ist das Ergebnis noch offen. Auch das Modell von mandatsrechner schätzt, dass 54 Wahlkreise »too close to call« sind – hier ist das Rennen zu eng, um eine klare Prognose zu machen. Wir haben die 10 spannendsten Wahlkreise Deutschlands gesammelt und dabei die beiden Modelle verglichen.

1.) Kann sich Bartsch durchsetzen? - 14 Rostock-Landkreis Rostock II

Hier tritt LINKEN-Fraktionsvorsitzender Dietmar Bartsch gegen die CDU an. Die hatte der Linkspartei 2013 das Direktmandat abgenommen. Damals gewann die CDU 37,9 Prozent der Stimmen, die Linkspartei holte nur 23,7 Prozent. Fünf Jahre zuvor jedoch war das anders. Damals erreichte die LINKE mit 31 Prozent die meisten Stimmen. Vorher war der Wahlkreis jahrelang an die SPD gegangen. Nun versucht Bartsch die Rückeroberung von den Konservativen. Doch aktuell sieht das Modell von election.de einen Vorsprung für die CDU von »bis zu 5 Prozent«, sagt Matthias Moehl von election.de. Diesmal werde die AfD allen Parteien Stimmen abnehmen, auch der Linkspartei. Doch LINKE-Kandidat Bartsch habe schon bei der letzten Wahl einen hohen Erstimmen-Überschuss gehabt. Deswegen sei für ihn noch »alles drin«, auch weil er durch seine Prominenz durchaus auch Grünen- und SPD-Wähler überzeugen könnte. Christian Brugger von mandatsrechner.de sieht den Wahlkreis aber bei der Union.

2.) Schafft die CDU wieder Potsdam? - 61 Potsdam-Potsdam-Mittelmark

Im progressiven Potsdam gewann die CDU 2013 extrem knapp mit nur 0,4 Prozent Vorsprung. Der Wahlkreis, in dem die CDU zuletzt 32,6 Prozent holte, ist einer der 34 Wahlkreisen, die seit der vorigen Bundestagswahl leicht verändert wurden. Da die CDU-Hochburg Großbeeren nicht mehr Teil des Wahlkreises ist, sind die Sozialdemokraten rechnerisch wieder leicht im Vorteil. Der Wahlkreis ist der einzige in Moehls Modell, in dem sich die Mehrheiten 2013 durch den Neuzuschnitt verschoben hätten, wenn dieser schon damals erfolgt wäre. Aktuell sieht sein Modell einen Vorsprung für die Union, während mandatsrechner.de den Wahlkreis bei der SPD sieht. Die CDU tritt dieses Jahr mit Saskia Ludwig mit einer bekannten Kandidatin an, die in der Vergangenheit starke Ergebnisse geholt hat, während die SPD eine eher unbekannte neue Kandidatin nominiert hat.

3.) Ein AfD-Direktmandat? - 63 Frankfurt (Oder)-Oder-Spree

AfD-Spitzenkandidat Alexander Gauland tritt in einem Wahlkreis an, den die CDU 2013 nur knapp gewinnen konnte. Wenn ein AfD-Direktmandat möglich ist, dann dort, sagt Wahlforscher Moehl. Er glaubt trotzdem nicht daran und schätzt, dass die Rechtsaußenpartei im Wahlkreis an der Grenze zu Polen etwa 20 Prozent bekommen wird. In einem »Extremszenario« von 24 Prozent für die AfD könnte es aber »interessant werden«, denn die CDU gewann 2013 nur 33 Prozent der Stimmen. Mandatsrechner.de und das Team von Election.de sehen den Kreis bei der CDU.

4.) Trostpflaster für die SPD? - 82 Berlin-Neukölln

Hier stemmte sich die SPD 2013 erfolgreich gegen den Bundestrend und konnte 5 Prozente dazugewinnen – mit Hilfe des populären Rechtsaußen-Sozialdemokraten und langjährigen Bürgermeister des Bezirks, Heinz Buschkowsky. Der ist immer noch beliebt, seine Nachfolgerin Franziska Giffey ebenfalls. Nun möchte Fritz Felgentreu sein Direktmandat gegen Christina Schwarzer verteidigen. Election.de sieht hier einen »Vorsprung« für die SPD, Christian Brugger sagt, Neukölln wird an die SPD gehen.

5.) Wer beerbt Ströbele? - 83 Berlin-Friedrichshain-Kreuzberg-Prenzlauer Berg Ost

Der progressivste und wahrscheinlich spannendste Wahlkreis der Republik. Kann Canan Bayram das Erbe von Hans-Christian Ströbele antreten? Pascal Meiser (LINKE) und Cansel Kiziltepe (SPD) haben auch gute Chancen. Der Wahlkreis wurde laut den Machern von election.de zehn Mal so häufig angeklickt wie andere Wahlkreise. Wahlforscher Moehl meint, dass die Medien Pascal Meiser von der Linkspartei »ein bisschen vergessen«, er sieht einen klaren Dreikampf. In der einstigen SPD-Hochburg, die nun von den Grünen geführt wird, holte die Linkspartei 2012 mit 25,1 Prozent die meisten Zweitstimmen, die Grünen gewannen nur 20,8 Prozent. Direktkandidat Ströbele dagegen bekam 38 Prozent der Erststimmen. Auch Bayram könne mit Bekanntheit punkten, meint Moehl. Die Frage ist: Reicht es? Beide Modelle sagen: Ja, wenn auch nur knapp.

Briefwahl, Überhangmandate, Zweitstimme? So funktioniert die Bundestagswahl


6.) Wieviele Stimmen jagt die AfD der LINKEN ab? - 85 Berlin-Marzahn Hellersdorf

Traditionell ein sicherer Wahlkreis für die Linkspartei, aber bei den Abgeordnetenhauswahlen im September 2016 war die AfD hier sehr stark, eroberte zwei Direktmandate im Bezirk. Aktuell rechnet das Modell von election.de mit 15 Prozent für die AfD in Berlin (das Modell von YouGov kommt auf 13 Prozent). Petra Pau wird wieder gewinnen, denkt Analyst Moehl, doch die AfD könnte im Wahlkreis auf über 20 Prozent der Stimmen kommen.

7.) Bricht »Die Partei« der SPD in ihrer Hochburg das Genick? - 101 – Köln III-Leverkusen

Seit 1964 hat die SPD den Wahlkreis immer gewonnen. Hier muss der bekannte SPD-Gesundheitspolitiker Prof. Karl Lauterbach sein Mandat ausgerechnet gegen Marc Benecke von »Die Partei« verteidigen. Der Forensiker und Kriminalbiologe holte bei der Oberbürgermeisterwahl 2015 in Köln 7 Prozent der Stimmen. Wenn auch dieses Mal zwei bis drei Prozent der Stimmen an den Satire-Politiker gehen, könnten das die Stimmen sein, die der CDU das Direktmandat bescheren. Denn 2013 gewann SPD-Politiker Lauterbach mit nur 2 Prozentpunkten Vorsprung vor der Union. Christian Brugger von mandatsrechner.de bewertet den Wahlkreis als »too close to call«, sieht aber einen »sehr kleinen Vorsprung« für SPD-Kandidat Lauterbach.


8.) Schleift die CDU eine alte Arbeiter-Hochburg? - 145 Hamm-Unna II

Zuletzt konnte die CDU vor 60 Jahren in der Arbeiterhochburg gewinnen. Nun wird die Schwäche der SPD zum Problem. Es treten die selben Kandidaten an wie vor vier Jahren. 2013 gewann der SPD-Politiker Michael Thews mit 43,2 Prozent vor CDU-Politikerin Sylvia Jörrißen (39 Prozent). Dieses Mal könnte der Bundestrend den Sozialdemokraten eine historische Niederlage bescheren. Aktuell sieht das Modell von election.de für die SPD in Hamm nur einen »Vorsprung«, mandaterechner.de rechnet ihn der SPD zu.

9.) Wie stark wird die AfD im rechtesten Wahlkreis Deutschlands? 158 Sächsische Schweiz-Osterzgebirge

Der Wahlkreis ist seit Jahren NPD-Hochburg. »Deren Wähler gehen jetzt zur AfD« sagt Wahlforscher Moehl. Hier tritt AfD-Chefin Frauke Petry an. Moehl denkt nicht, dass Rechtsextreme und AfD-Wähler, denen die Parteichefin möglicherweise zu moderat ist, nicht für die Partei stimmen werden. Es gehe ihnen darum, »ein Zeichen zu setzen«. Er rechnet deswegen mit über 20 Prozent, vermutlich um die 24 Prozent für die sogenannte Alternative für Deutschland im Wahlkreis unten rechts in Sachsen. Doch das Direktmandat wird laut beiden Modellen die CDU holen, denn auch sie ist im Wahlkreis »historisch stark«. Gleichzeitig wird dieser Wahlkreis laut dem Modell von election.de mit unter 10 Prozent der schwächste SPD-Wahlkreis in Deutschland sein, schon 2013 gewann die SPD hier nur 10,9 Prozent der Erststimmen.

10.) CDU weiterhin lachender Dritter in der liberalen Unistadt? - 281 Freiburg

Freiburg ist eine rot-rot-grüne Hochburg im schwarzen Süden – eigentlich. Die Grünen stellen den Oberbürgermeister und die SPD gewann den Wahlkreis von 1998 bis 2009. Doch 2013 war die CDU mit einem »schwachen Ergebnis lachender Dritter«. Mit 34,9 Prozent gewannen die Christdemokraten den Wahlkreis. SPD und Grüne nahmen sich gegenseitig die Stimmen weg mit einem Ergebnis von 30 bzw. 20,9 Prozent. Das wird sich auch dieses Jahr vermutlich nicht ändern, denn bundesweit sind die Grünen im »Abwärtstrend«, sie können ihr starkes Ergebnis von den Landtagswahlen in Baden-Würtemberg vermutlich nicht wiederholen. Beide Modelle rechnen mit einem CDU-Sieg, wenn auch nur knapp.

Über die Wahl wird viel gesprochen - das allein ändert noch nicht die Verhältnisse. Wir haben im Wahlkampf eine Schneise in die Schwafelei geschlagen. Lesen Sie mit auf unserer Spezialseite zur Bundestagswahl 2017​.

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