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Verspieltes Selbstvertrauen

FC Bayern fährt nach dem 2:2 gegen Wolfsburg angeschlagen zum »Kulturkampf« nach Paris

  • Von Maik Rosner, München
  • Lesedauer: 4 Min.

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Das Lächeln war am Tag danach zurückgekehrt beim FC Bayern. Posieren stand beim gemeinsamen Oktoberfestbesuch auf dem Pflichtprogramm der Münchner, doch etwas gequält wirkte die für die Kameras zur Schau gestellte gute Laune schon. »Das wird ein schöner Scheißtag«, hatte Sportdirektor Hasan Salihamidzic am Freitagabend noch befürchtet, nachdem der deutsche Meister gegen den VfL Wolfsburg eine 2:0-Pausenführung aus der Hand gegeben hatte und mit einem enttäuschenden 2:2 auf die Wiesn ziehen musste. Ganz so furchtbar war der Samstag dann zwar offenbar nicht geraten. Aber vernehmbar blieb durchaus, dass die Bayern am Rückschritt vor dem Showdown am Mittwoch in der Champions League bei Paris Saint-Germain sehr zu knabbern haben.

»Man muss das für ein paar Stunden einfach ausklammern«, empfahl Präsident Uli Hoeneß, ehe er und der Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge mit ihren Maßkrügen demonstrativ mit Trainer Carlo Ancelotti anstießen. Und Thomas Müller sagte zum familiären Beisammensein der Mannschaft auf dem Volksfest: »Fürs Teambuilding ist die Maßnahme ja nicht schlecht.« Wer wollte, konnte daraus entnehmen, dass der Nationalspieler dafür weiterhin Bedarf sieht. Zumal nach einem Saisonstart, der letztmals vor sieben Jahren weniger Ertrag eingebracht hatte. Damals standen statt der aktuellen 13 Punkte unter Trainer Louis van Gaal elf Zähler nach sechs Spielen in der Zwischenbilanz.

Dass die Bayern verstimmt in den von Rummenigge ausgerufenen Kulturkampf der »unterschiedlichen Klub-Philosophien« mit Paris ziehen müssen, hatte für Salihamidzic auch damit zu tun, dass gegen Wolfsburg die »letzte Entschlossenheit« gefehlt habe. Vor allem aber hatte nach zuletzt drei Siegen mit 10:0-Toren jener weitere Erfolg gefehlt, mit dem nicht nur das Zuprosten auf der Wiesn leichter gefallen wäre, sondern vor allem die Vorbereitung auf die vielleicht wichtigste Standortbestimmung bis zum Jahresende für Ancelottis Mannschaft. Mit ihrer sonst fest verankerten Selbstgewissheit werden die Münchner die Kurzreise nach Paris nun nicht angehen können, wenngleich Frankreichs Tabellenführer sein Vorspiel beim 0:0 in Montpellier ebenfalls missriet.

Zu vernehmen war das allerorten. Bei Müller zum Beispiel, der auf die Frage, was dieses Remis nach einer 2:0-Führung für den Vergleich mit PSG und dem spektakulären Angriffstrio Neymar, Mbappé und Cavani zu bedeuten habe, mit vielen Ungewissheiten reagierte. »Das weiß ich nicht. Was kann es denn bedeuten?«, fragte er zurück und antwortete mit einer möglichst großen Varianz selbst: Bedeuten könne es »alles, von einer Trotzreaktion bis zu einer schlechten Phase. Das werden wir nach dem Ergebnis am Mittwoch sehen.«

Vorläufig musste Müller einen »kleinen Rückschritt« bilanzieren. Zumal sich die Bayern kaum Chancen gegen die vom neuen Trainer Martin Schmidt defensiv sehr gut eingestellten Wolfsburger herausgespielt hatten und nur dank eines umstrittenen Foulelfmeters von Robert Lewandowski (33.) sowie eines abgefälschten Linksschusses von Arjen Robben (42.) in Führung gegangen waren. Was folgte war eine zweite Halbzeit, in der die Bayern »den Sieg weggeschmissen« hatten, wie es Müller formulierte. Zunächst ließ Manuel Neuers Vertreter Sven Ulreich einen mittig aufs Tor getretenen Freistoß von Maximilian Arnold aus rund 25 Metern über seine rechte Hand rutschen (56.). In der Schlussphase wurden die Bayern vor Daniel Didavis Kopfball zum 2:2 auch noch ausgekontert (83.).

Bedenklicher als Ulreichs Torwartfehler aber war die schwunglose und nicht homogen wirkende Spielweise der Bayern. Und dass die Spieler dazu neigen, autonome und individuelle Entscheidungen zu fällen. »Wir haben vom Trainer die klare Anweisung, nicht zu pressen, wenn wir dafür nicht perfekt aufgestellt sind. Wir haben es trotzdem gemacht«, sagte Mats Hummels. Und: »Wir spielen nicht den Fußball, den wir spielen wollen.« Und das vor PSG. »Auswärts in Paris ist momentan definitiv eines der fünf schwersten Spiele in Europa und damit auf der Welt. Das wird eine ganz heiße Aufgabe«, ahnt der Innenverteidiger.

Zuletzt hatten die Münchner den Anschein erweckt, ihre Defizite behoben zu haben. Nun müssen sie sich für die Verschärfung jener Debatten wappnen, die in der Frühphase der Saison angestoßen worden waren. Das weiß auch Ancelotti. »Wir waren langsam, hatten wenig Intensität im Spiel und standen nicht kompakt«, erkannte der Trainer und sagte mit Blick auf Mittwoch: »Wir müssen in Paris anders auftreten.« Sonst könnte das Zuprosten auch künftig schwer fallen.

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