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16 Jahre ohne Lohnerhöhung an der Universität

Ver.di und GEW kündigen Tarifvertrag für studentische Beschäftigte zum 31. Dezember

Als die studentischen Beschäftigten in Berlin zum letzten Mal eine Lohnerhöhung bekamen, gab es noch kein Facebook, keine Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und keinen Euro. Der Tarifvertrag für studentische Beschäftigte in Berlin wurde zuletzt 2001 angepasst. So verdient Yunus Özgür, der als studentische Hilfskraft Austauschstudierende an der Freien Universität betreut, real bis zu 35 Prozent weniger als seine Vorgänger. Konkret sind das 10,98 Euro pro Stunde - bei 40 Stunden im Monat macht das etwa 430 Euro netto.

Das gilt für die 8000 Hilfskräfte an allen Berliner Hochschulen. Theoretisch machen sie nur Aufgaben, die Lehre und Forschung unterstützen. Aber in der Praxis wird das sehr weit ausgelegt: Sie übernehmen Bürotätigkeiten, programmieren Websites, betreuen Infostände und erstellen Zeugnisse. »Teilweise sind die Anforderungen für diese Stellen sehr hoch«, sagt Özgür. Man muss zwei Sprachen sprechen oder Erfahrung mit Statistikprogrammen haben. »Deswegen ist es lächerlich, dass die Hochschulen von ›ungelernten Tätigkeiten‹ sprechen.«

Das sehen auch die Gewerkschaften ver.di und GEW so. Am Dienstag kündigten sie den »TV Stud«, also den Tarifvertrag für studentische Beschäftigte, zum 31. Dezember. Damit sind Streiks ab dem 1. Januar möglich. »Jetzt werden wir zeigen, dass wir es ernst meinen«, sagt die studentische Personalrätin Franziska Hamann-Wachtel in einer Erklärung. Umgekehrt ist aber auch denkbar, dass die Universitäten ab dem 1. Januar Hilfskräfte zu noch schlechteren Bedingungen neu einstellen.

Die Gewerkschaften fordern 14 Euro pro Stunde - der Kommunale Arbeitgeberverband (KAV) hat zuletzt 12,13 Euro angeboten. Der wichtigste Knackpunkt ist, ob es im Tarifvertrag eine Anbindung an die allgemeine Lohnentwicklung an den Hochschulen gibt. Zudem fordern die Hilfskräfte eine angemessene Bezahlung für Vor- und Nachbereitung bei Tutorien - und sie wollen genauso viele Urlaubstage wie andere Uni-Beschäftigte.

Bis Redaktionsschluss hat der KAV auf eine schriftliche Anfrage nicht reagiert. Im Juni erklärte Geschäftsführerin Claudia Pfeiffer: »Ein Stundenlohn von 12,13 Euro kann sich durchaus sehen lassen. Vor allem, wenn man in Betracht zieht, dass ungelernte Arbeitskräfte wie Altenpflegehelfer einen Stundenlohn von 10,20 Euro bekommen.«

Im Koalitionsvertrag des rot-rot-grünen Senats heißt es, dass die Löhne der studentischen Beschäftigten mit den Lebenshaltungskosten Schritt halten sollten. Aber gilt das auch rückwirkend für die vergangenen 16 Jahre?

Seit 2015 versuchen studentische Beschäftigte und Gewerkschaften, die Löhne zu verbessern. In diesem Sommer störten die Betroffenen etliche Veranstaltungen an den Berliner Hochschulen, auch die »Lange Nacht der Wissenschaft«, mit lautstarkem Protest.

Die Organisierung der Beschäftigten ist alles andere als einfach in einem Beruf, in dem die Kollegen per Definition nach wenigen Jahren ausscheiden. Doch die Kampagne lief außerordentlich gut an. Inzwischen sind knapp 2000 Hilfskräfte Mitglieder bei den Gewerkschaften ver.di oder GEW. »Ohne uns läuft hier gar nichts«, stand bei einem der Proteste auf einem schwarzen Transparent - und angesichts der sturen Haltung der Hochschulen müssen die Studierenden das nun unter Beweis stellen. Anfang 2018, direkt nach den Weihnachtsferien, dürfte also mit ersten Streiks zu rechnen sein.

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