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Das Team will nun noch mehr

Volleyballerinen erreichen nach 3:2 gegen Bulgarien EM-Viertelfinale in Baku

  • Von Kirsten Opitz, Baku
  • Lesedauer: 3 Min.

Es klang fast wie eine Drohung, als Felix Koslowski loslegte. »Wir freuen uns echt über den Sieg, aber wir sind noch nicht fertig«, sagte der Bundestrainer nach dem Einzug seiner Volleyballerinnen ins EM-Viertelfinale. Gegen die favorisierten Bulgarinnen hatte seine Mannschaft mit einem 3:2 zum ersten Mal ihr ganzes Potenzial gezeigt. »Nach dem Sieg gegen Bulgarien respektiert uns jeder. Auch Aserbaidschan hat jetzt Respekt vor uns«, glaubt Koslowski.

Am Freitag geht es in Baku zum zweiten Mal gegen den Co-Gastgeber. In der Vorrunde hatte die Auswahl des Deutschen Volleyball-Verbandes (DVV) nur einen Satz lang mit den körperlich starken Gegnerinnen mithalten können. Das soll nun anders werden. »Wenn wir es wieder schaffen, Taktik und Herz zusammenzubringen, haben wir eine Chance«, sagt Koslowski.

Der 33 Jahre alte Taktiker stellte im Achtelfinale unter Beweis, dass er der richtige Mann ist, um die Volleyballerinnen zu den Olympischen Spielen in Tokio zu führen. Koslowski setzte den Videobeweis gekonnt ein, um den Gegner in den richtigen Momenten zu zermürben und seiner Mannschaft einen Schub zu verleihen. Der sonst eher ruhige und analytische Koslowski wurde nach dem ersten Satz sogar richtig laut: »Ich war schon ein bisschen sauer, muss ich zugeben, weil wir uns zwischenzeitlich nicht an unseren Matchplan gehalten haben.«

Die Emotionen zeigten Wirkung. »Wir haben uns dann gegenseitig angestachelt, die Bulgarinnen haben die Tür aufgemacht, und wir sind mit der ganzen Horde reingestürmt«, sagte Koslowski, der sich nach dem Spiel erschöpft auf den Hallenboden warf. In der Vorrunde hatten seine Schützlinge gegen Polen (2:3), Ungarn (3:1) und Aserbaidschan (1:3) ihr Können nur aufblitzen lassen. Erst gegen die sehr athletischen Bulgarinnen platzte der Knoten. Auch dank EM-Debütantin Louisa Lippmann, gehört Koslowskis Auswahl zu den besten Acht in Europa. Die 23-jährige Diagonalangreiferin ist die Entdeckung der EM. Unbeschwert füllt Lippmann die Lücke, die der Rücktritt der langjährigen Spielführerin Margareta Kozuch gerissen hat.

Lippmann war in allen Spielen beste Punktelieferantin ihres Teams. Mit 87 Zählern liegt sie in der Topscorer-Liste auf Platz zwei hinter der Polin Malwina Smarzek (103), deren Team allerdings bereits ausgeschieden ist.

Koslowski vertraut in Baku auf ein junges Team um die Routiniers Maren Fromm (Außenangriff), Lenka Dürr (Libero) und Denise Hanke (Zuspiel). Das Trio sorgt für die nötige Ruhe und Sicherheit, wenn die Situation brenzlig wird. Gegen Bulgarien konnte sich das Team auf die sichere Annahme von Dürr verlassen, Hanke sorgte mit ihrer unkonventionellen Spielweise immer wieder für Verunsicherung beim Gegner.

Nach dem Krimi im Achtelfinale scheint nun alles möglich. Das glaubt auch Lippmann: »Gegen Aserbaidschan müssen wir an unser Maximum gehen. Wir haben gezeigt, dass wir gegen so eine physisch starke Mannschaft bestehen können. Wenn wir das am Freitag wieder schaffen, habe ich ein gutes Gefühl.« SID/nd

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