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»Sie fährt gut Auto.«

Sieben Tage, sieben Nächte: Regina Stötzel über Frauenrechte und fragwürdige Beispielsätze im Duden

  • Von Regina Stötzel
  • Lesedauer: 2 Min.

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Es schien eine glorreiche Woche für den Feminismus zu sein: In Saudi-Arabien dürfen Frauen künftig Auto fahren. Absurderweise fehlte diese Erlaubnis noch im Königreich am Golf. Dass bei der Entscheidung weniger die Interessen von Frauen als die der Wirtschaft im Vordergrund gestanden haben sollen - geschenkt. Ohne solche Motivation gäbe es in Deutschland auch keinen Rechtsanspruch auf Kitaplätze.

Weniger Aufsehen erregte die ebenfalls zu begrüßende Ankündigung der irischen Regierung eines Volksentscheids zum Abtreibungsrecht im nächsten Jahr. In dem europäischen Land müssen Frauen nach dem Gesetz bislang sogar noch die Kinder ihrer Vergewaltiger zur Welt bringen. Damit gehört es zu den 62 Staaten, in denen Schwangerschaftsabbrüche »nicht mit sicheren Methoden« durchgeführt werden, weil sie verboten oder allenfalls bei Gefahr für Leib und Leben der Schwangeren erlaubt sind. Der UNO zufolge finden jährlich 25 Millionen solcher gefährlichen Eingriffe statt - einige davon eben auch in Ländern, wo es durchaus eine medizinische Versorgung gibt.

In Deutschland, wo der Schwangerschaftsabbruch zwar auch nicht legal, aber immerhin unter bestimmten Bedingungen straffrei ist, sind unsichere Abtreibungen zum Glück die absolute Ausnahme. Doch ging soeben bei der Bundestagswahl jede achte Stimme an eine Partei, die neben vielem anderen Unsäglichen nicht nur die Vater-Mutter-Kind-Familie als einzig wahre Lebensform propagiert, sondern eine »nationale Bevölkerungspolitik« anstrebt und »gegebenenfalls … durch gesetzliche Korrekturen einen wirksamen Lebensschutz gewährleisten« will. Da sich bekanntermaßen in ihren Reihen aktive Abtreibungsgegner tummeln, kann man sich vorstellen, was das bedeutet.

Dass die - mehrheitlich von Männern gewählte - AfD auch zum Schrumpfen des Frauenanteils im Bundestag beiträgt, liegt in der Natur der Sache. Doch auch die Union stellt plötzlich fest, dass sich ein Frauenanteil von rund 20 Prozent im Jahr 2017 nicht so gut macht, selbst wenn man wohl wieder die Kanzlerin stellen wird. Kaum mehr sind es bei der Ein-Mann-Partei FDP. Das politische Führungspersonal ist so männlich dominiert wie zuletzt nach der Wahl von 1998, obwohl im Parlament lange schon nicht mehr versäumt wird, explizit auch die weiblichen Abgeordneten zu begrüßen. Und die Sprache, das zeigt nd-Autor Peter Porsch, spiegelt auch die gesellschaftlichen Gegebenheiten wider, wenn etwa der Duden als Beispielsatz zum Wort »schlafen« anführt: »Sie hat sich schon durch die ganze Abteilung geschlafen.« Eine Tätigkeit, die Männer »offenbar nicht machen (müssen)«.

Zum Wort »Auto« bietet der Duden übrigens den Beispielsatz: »Sie fährt gut Auto.« Immerhin.

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