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Der FC Bayern zweifelt weiter

Hertha BSC ringt den Münchnern ein 2:2-Unentschieden ab

  • Von Alexander Ludewig
  • Lesedauer: 3 Min.

Wer war denn nun dieser Gegner, den am Sonntagnachmittag 71 212 Zuschauer im Berliner Olympiastadion sehen wollten? Dass so viele Menschen nicht wegen Hertha BSC kommen, zeigte der bisherige Zuschauerschnitt: 42 231. Zu Gast war der FC Bayern. Aber der deutsche Rekordmeister konnte schon wieder nicht gewinnen. 2:2 (0:1) hieß nach den Münchner Toren von Mats Hummels und Robert Lewandowski sowie den Berliner Treffern von Ondrej Duda und Salomon Kalou. Normal ist beim FC Bayern derzeit also gar nichts. Und es wird eine Weile dauern, bis der Klub sein Selbstverständnis wiedergefunden haben wird. Schuld daran ist er selbst.

»Das war nicht Bayern München.« Selbst Karl-Heinz Rummenigge weiß seit Mittwoch nicht mehr so genau, was für einen Klub er als Vorstandschef führt. Die Selbstzweifel sind so groß, dass ein Tag nach dem 0:3 bei Paris St. Germain in der Champions League Trainer Carlo Ancelotti entlassen wurde.

Dominant, selbstbewusst und kaum zu schlagen. Das war der FC Bayern in der Bundesliga. Dafür stehen Namen wie Franck Ribery, Arjen Robben, Mats Hummels, Jerome Boateng oder Thomas Müller. Flanke Robben, Kopfball Ribery. Ecke Bayern, Kopfball Hummels. Flanke Boateng, Kopfball Hummels, Tor Bayern. Nach zehn Minuten drückender Überlegenheit und etlichen Chancen führten die Münchner mit 1:0.

Interimstrainer Willy Sagnol tat genau das Richtige: Er setzte gegen Hertha BSC auf Vertrautes und Erprobtes. Nun könnte man einfach Carlo Ancelotti die Schuld an der Münchner Misere geben. In Paris ließ er beispielsweise die Weltmeister Hummels und Boateng sowie die Flügelspieler Robben und Ribery auf der Bank. Und Müller hatte es unter ihm schon immer schwer. Aber mit der Entlassung des italienischen Starcoaches korrigierte der Klub eigene Fehlentscheidungen.

Die schwerwiegendste war die Verpflichtung Ancelottis. Der 58-Jährige hat seine großen Erfolge immer mit Mannschaften erzielt, die er nicht weiterentwickeln musste. Er ist ein Verwalter, der den Stars viele Freiheiten gewährt und mehr auf ihre Qualitäten als auf seine eigenen taktischen Vorstellungen setzt. Das konnte nach Pep Guardiola, der den Perfektionismus im Mannschaftsspiel suchte und nicht nur die Gegner, sondern auch das eigene Team analytisch auseinandernahm, nicht funktionieren.

Harmlos und ohne Lösungsansatz: Der Münchner Auftritt in Paris war der Höhepunkt der Hilflosigkeit. Aber auch in der Bundesliga sind die Gegner nicht mehr am FC Bayern verzweifelt: von Hoffenheim geschlagen, nur Unentschieden gegen Wolfsburg und mit Dortmund wieder ein ernstzunehmender Titelkonkurrent. Gegen Hertha BSC hatten die Münchner in der ersten Halbzeit wieder einen gewohnten Ballbesitzwert von 65 Prozent. Aber auch die Berliner schafften es, den Rekordmeister in Verlegenheit zu bringen.

Dass Sagnol kein Zauberer ist, zeigte die zweite Halbzeit. Auch er muss mit dem gleichen, wegen verfehlter Einkaufspolitik unausgewogen besetzten Kader arbeiten wie Ancelotti. Selbst das schnelle 2:0 vier Minuten nach Wiederanpfiff durch Lewandowski brachte keine Sicherheit. Innerhalb von fünf Minuten stand es 2:2. In der 51. Minute gelang Duda der Anschlusstreffer, Salomon Kalou erzielte den Ausgleich. Danach war es ein offenes Spiel, nach dessen Ende Hertha BSC einen Punktgewinn feiern konnte. Die Münchner verloren zwei weitere Zähler. Auf einen neuen Trainer wartet also viel Arbeit: Er muss dem FC Bayern wieder eine Spielidee geben und den nötigen Umbruch in der Mannschaft einleiten. Auch dafür war Ancelotti der Falsche.

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