Jobwunder dank prekärer Arbeit

Jeder fünfte Beschäftigte in Deutschland arbeitet nicht Vollzeit / Leiharbeit und Befristung nehmen zu

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Berlin. Die 40 Stundenwoche war einmal: Mehr als jeder fünfte Beschäftigte in Deutschland arbeitet nicht in einem traditionellen Arbeitsverhältnis. Der Anteil der sogenannten atypisch Beschäftigten ist innerhalb von 20 Jahren von 15 auf 20,7 Prozent im vergangenen Jahr gestiegen, wie aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der LINKEN hervorgeht, die der Deutschen Presse-Agentur in Berlin vorliegt. Gemeint sind damit befristete oder Teilzeitjobs, geringfügig Beschäftigte und Zeitarbeitnehmer. Die Zahlen der Regierungsantwort stammen vom Statistischen Bundesamt und sind von diesem bereits veröffentlicht.

Der Anteil der atypischen Beschäftigung nahm dabei seit 1996 kontinuierlich auf 22,6 Prozent im Jahr 2007 zu. Sie nahm dann wieder ab, erreichte 2010 erneut diesen Höchstwert und sank danach wieder.

Insgesamt ist der Zuwachs bei den abhängig Beschäftigten somit vor allem auf die Zunahme prekärer Beschäftigung zurückzuführen. Denn die Zahl der sogenannten Normalarbeitnehmer mit mindestens 20 Wochenstunden und unbefristetem Vertrag nahm binnen 20 Jahren nur von 24,8 auf 25,6 Millionen zu – die der atypisch Beschäftigten stieg deutlich stärker, von rund 5 auf 7,7 Millionen 2016.

Bei der Leiharbeit gab es dabei einen Anstieg auf 737.000 und bei geringfügiger Beschäftigung auf 2,2 Millionen Beschäftigte. Die Zahl der befristet Beschäftigten ist seit 1996 von 1,9 auf 2,7 Millionen gewachsen, die der Beschäftigten in Teilzeit bis 20 Wochenstunden von 3,2 auf 4,8 Millionen. Allerdings lagen die Werte bei all diesen Gruppen, zwischen denen es Überschneidungen gibt, zwischenzeitlich auch deutlich höher als im vergangenen Jahr.

Die Linkenabgeordnete Jutta Krellmann, die die Anfrage gestellt hatte, sieht die Lage der Beschäftigten als deutlich schlechter an als vor 20 Jahren. »Die gute wirtschaftliche Lage trägt nicht dazu bei, dass die prekären Ränder kleiner werden«, sagte sie. Eine »Zone der Unsicherheit« sei zementiert.

Deutlich gesunken ist seit 1996 auch die Arbeitslosigkeit – laut Bundesagentur für Arbeit von 3,97 auf 2,69 Millionen Arbeitslose im Jahresdurchschnitt. Der Anteil der Erwerbslosenan allen Erwerbspersonen sank von 10,4 Prozent auf einen Niedrigwert von 6,1 Prozent 2016. Experten führen dies auch auf die heftig umstrittene Agenda 2010 von Ex-Kanzler Gerhard Schröder (SPD) zurück, die unter anderem mehr Flexibilität auf dem Arbeitsmarkt brachte – aber eben auch zu unsicheren Arbeitsverhältnissen führte. Zuletzt lag die Erwerbslosigkeit zum Sommerende bei einem Rekordtief von 2,45 Millionen. Die Arbeitslosenquote sank auf 5,5 Prozent.

Mit Spannung wird erwartet, was sich CDU/CSU, FDP und Grüne sozial- und arbeitsmarktpolitisch vornehmen, wenn es zu Koalitionsverhandlungen kommt. Die wahrscheinlichen Koalitionspartner liegen auf dem Feld deutlich auseinander.

Die Union verspricht in ihrem Wahlprogramm, sich um Arbeitsplätze der Zukunft zu kümmern. In Punkto prekärer Beschäftigung sticht bei CDU/CSU nur hervor, dass sie Missbrauch von Befristungen abstellen wollen. Die FDP fordert: »Wir verteidigen einen flexiblen Arbeitsmarkt und die Tarifautonomie und dürfen etwa die Zeitarbeit oder Befristungen nicht weiter einschränken.« Die Grünen fordern in ihrem Wahlprogramm eine Flexibilitätsprämie für Zeitarbeitnehmer, ein Verbot von Befristungen ohne Sachgrund und Eindämmen von Minijobs. dpa/nd

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