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Warnstreik bei Zalando in Brieselang

  • Von Tomas Morgenstern
  • Lesedauer: 2 Min.

Mit einem am Mittwochmorgen begonnenen 24-Stunden-Warnstreik wollen die Beschäftigten des Online-Modeversandhändlers Zalando die Wiederaufnahme der Tarifverhandlungen zwischen dem Unternehmen und der Gewerkschaft ver.di erreichen.

Rund ein Drittel der Beschäftigen der Früh- und Mittagsschicht des Versandlagers am Standort Brieselang (Havelland), jeweils 100 Mitarbeiter pro Schicht hatten die Arbeit niedergelegt. Wie Erika Ritter, ver.di-Landesfachbereichsleiterin Handel, am Mittag erklärte, seien die Reaktionen der Beschäftigten durchweg gut.

Mit dem Streik folgten die Zalando-Mitarbeiter einem am Vorabend veröffentlichten Aufruf der Gewerkschaft, die damit den Druck auf die Arbeitgeberseite erhöhen will, die vor einem Monat einseitig abgebrochenen Tarifverhandlungen wiederaufzunehmen. »Ziel ist es, Zalando ohne Vorbedingungen zurück an den Verhandlungstisch zu streiken«, heißt es in dem Aufruf.

Die bislang letzte Verhandlungsrunde am 6. September 2017 hatten die Zalando-Vertreter einfach verlassen und damit die Gespräche, wie es hieß, »unterbrochen«. Zalando hätte als Vorbedingung zur Fortsetzung der Verhandlungen von ver.di verlangt, tarifliche Bedingungen unterhalb der Branche Einzel- und Versandhandel für Brieselang zu akzeptieren, hieß es von Seiten der Gewerkschaft. Man habe dies ganz klar zurückgewiesen. Zalando habe auf Verschlechterungen bei der Arbeitszeit beharrt, ohne auch nur eine Andeutung von Verbesserungen bei den Einkommen der Beschäftigten anzubieten.

Die Gewerkschaft ver.di fordert eine Bezahlung für die Beschäftigten in Brieselang gemäß dem Tarifvertrag des Einzel- und Versandhandels. Statt wie bisher 10,12 Euro pro Stunde für einfache Lagerarbeiten müsste Zalando dann 11,99 Euro zahlen. Der Versandhändler hatte dies zurückgewiesen. Der Sender rbb 24 hatte Zalando-Sprecherin Nadine Przybilski am Dienstag mit den Worten zitiert, die Gewerkschaft habe in den Verhandlungen auf »Maximalforderungen« beharrt, deren Umsetzung den Standort gefährden könnten. Zugleich hatte sie Gesprächsbereitschaft bekundet.

»Es gibt keine Einzelhandelstätigkeit in Brieselang«, so Przybilski weiter. Dies sei ein Logistikstandort, für den es eine »zugeschnittene Lösung« geben müsse.

Dazu hatte ver.di-Verhandlungsführerin Ritter bereits vor Wochen klargestellt: »Zalando verkauft seine Ware an die Endkunden. Damit ist Zalando kein Logistiker, sondern ein (Online-) Versandhändler, der im unmittelbaren Wettbewerb mit dem stationären Einzelhandel steht. Daher wäre es fair, wenn Zalando seine Beschäftigen nach dem Tarifvertrag des Einzel- und Versandhandels bezahlen würde.«

Laut ver.di hatte Zalando in den Verhandlungen nur eine Standortgarantie bis 2019 bei Beibehaltung des aktuellen Niveaus von Löhnen, Arbeitszeiten, Urlaub und Weihnachtsgeld angeboten sowie eine extreme Flexibilisierung der Arbeitszeiten gefordert. mit dpa

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