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  • Frankfurter Buchmesse

Kontrapunkte statt Verbote

Die verstärkte Präsenz rechter Publikationen auf der Frankfurter Buchmesse macht Ausstellern und Veranstaltern zu schaffen

  • Von Ralf Hutter
  • Lesedauer: 3 Min.

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Wegen der »verfassungsfeindlichen Gesinnung« einiger erwarteter Autoren und Verleger werde die Frankfurter Buchmesse »ihrem eigenen Anspruch nicht gerecht«. Diesen schwerwiegenden Vorwurf erhebt die Initiative »Buchmesse gegen rechts« in einem offenen Brief, der auf den 26. September datiert ist und von einem Internetauftritt ergänzt wird. Unterschrieben haben den Text Dutzende Lehrende diverser Hochschulen sowie Menschen aus der Buchbranche.

Nach der Aufzählung einiger Verlage konzentriert sich der Brief auf den Verlag Antaios. Der will am Messesamstag etliche seiner Autoren präsentieren, darunter Akif Pirincci, der wegen einer Hetzrede bei Pegida mit einer Strafe von fast 12 000 Euro belegt wurde, dagegen allerdings vor Gericht zieht.

Gleich nach Pirincci werden mit Martin Sellner und Mario Müller zwei Köpfe der sogenannten Identitären, eines ultranationalistischen und islamfeindlichen Netzwerks, ihre Bücher vorstellen. Beide waren dem offenen Brief zufolge auf dem von den Identitären bezahlten Schiff »C-Star« dabei, das im Sommer unter dem Motto »Defend Europe« (Europa verteidigen) im Mittelmeer unterwegs war, um Flüchtlinge zu behindern.

Aufsehen erregte zudem die Ankündigung der ähnlich gelagerten Stiftung »Europa Terra Nostra«, auf der Messe mit Autoren wie dem ehemaligen NPD-Vorsitzenden Udo Voigt präsent zu sein. Allerdings ist nun keine solche Veranstaltung registriert. Die beiden Bücher, die die Stiftung im Rahmen einer Gemeinschaftspräsentation von Kleinstverlagen auslegt, wurden von der Messeorganisation überprüft.

»Die Durchsicht der Titel hat aus Sicht der Rechtsabteilung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels ergeben, dass die Aussagen wohl noch von der Meinungsfreiheit gedeckt sind und deshalb kein Anlass für eine Strafanzeige oder Ablehnung der Bücher besteht«, teilte Katja Böhne von der Geschäftsleitung der Buchmesse auf Anfrage mit.

Solange kein Gesetzesbruch vorliegt, will die Geschäftsleitung auch andere Akteure nicht ausschließen. Böhne hat, was rechtsradikale Verlage auf der Messe angeht, in diesem Jahr einen »Anstieg im niedrigen einstelligen Bereich« festgestellt.

Schräg gegenüber von Antaios bekommt nun die antifaschistische Amadeu-Antonio-Stiftung einen Stand. Sie soll »als Gegengewicht zu den rechten Verlagen in diesem Bereich der Halle präsent sein«, sagt Böhne. Zur Wirkung und den Aktivitäten, die von diesem Stand ausgehen sollen, möchte sie nichts sagen. Die Stiftung sei jedenfalls schon im letzten Jahr vertreten gewesen.

Laut Antaios-Verleger Götz Kubitschek wurde ein Verleger überredet, seinen Stand zu Gunsten der Amadeu-Antonio-Stiftung zu wechseln. Kubitschek schreibt im Internetauftritt seiner Zeitschrift »Sezession« zudem, er erwäge, gegen die Verfasser des offenen Briefs Anzeige wegen Verleumdung zu erstatten.

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