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Maurice Summen

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Deutschland ist international bekannt für seine Automobilindustrie, seine hohen Umweltschutzstandards, seine Humorlosigkeit und seine unbestrittenen historischen Leistungen auf den Feldern Weltkrieg und Massenmord. Dass es das Kernland von Soul-Pop, Disco und Funk wäre, lässt sich nicht gerade sagen. Dafür haben wir jemanden wie den Berliner Labelbetreiber, Sänger, Musiker, Tänzer, DJ, Songschreiber, Journalisten und Popspezialisten Maurice Summen, der, wie’s scheint, den Deutschen nachträglich so etwas wie Hedonismus, Geschmeidigkeit und Entspanntheit einbimst, indem er mit leichter Hand alle paar Monate ein neues Album von sich erscheinen lässt: Mal ist es eines seiner langjährigen Hausband Die Türen, mal ist es eines von den Türen, die sich zeitweise umbenannt und in die Diskurs- und Funkpopband Der Mann verwandelt haben, mal ist es die Musik zu einem »Fußball-Musical«. Und jetzt liegt schon wieder ein neues vor.

Unter »Maurice & Die Familie Summen« firmiert das musizierende Personal diesmal. Was eine Verballhornung des Bandnamens »Sly And The Family Stone« ist und zugleich natürlich eine Hommage: In den 60ern und 70ern waren der Multiinstrumentalist Sly Stone und sein Musikkollektiv eine der verdienstvollsten und einflussreichsten Soul- und Funkgruppen und zivilisierten etwa die US-amerikanische Gesellschaft insofern, als sie auf Hautfarbe, Geschlecht und Herkunft der Bandmitglieder keinerlei Wert mehr legten.

»Zeichen des Widerstands sind wichtig / Auch wenn es allen gut zu gehen scheint / Wichtiger als alles, was wir kaufen können«, singt Summen im die neue Platte eröffnenden Track und zeigt damit die Richtung an, in die es geht: der Verlust der alten Ideale, das Älterwerden, die Gentrifizierung, die staatliche Armutsverwaltung, die nicht mehr schleichend vonstatten gehende Faschisierung, die Verblödung und die moderne kapitalistische Arbeitswelt, die unter dem Zeichen von permanenter Selbstoptimierung, Lohnkürzung und »Flexibilisierung« steht. Wann hat man das schon mal heute, dass ein Wort wie »Klassenbewusstsein« ganz selbstverständlich in einem Popsong vorkommt, ohne dass das auf den Hörer peinlich oder kitschig wirkt? Eben.

In dem groovenden Soulstück »Die Kommerzialisierung der Welt« heißt es: »Geld kennt keinen Geschmack / Geld kennt keine Haltung / Geld kennt nur Geld / Und das reicht schon (…) Die Kommerzialisierung der Welt / Hat uns nichts gekostet… / Na gut, ein bisschen den Verstand.«

Der »Spiegel« nennt Summen »einen der klügsten Texter der Republik«. Und der »Musikexpress« verstieg sich zu der Bitte, »das fantasiearme deutsche Publikum« möge sich »einen Ruck geben und diesen Mann zu jenem Star machen, der er längst sein müsste«. Ich schließe mich dem Appell an.

Maurice & Die Familie Summen: »Bmerica« (Staatsakt/Caroline International)

Am 27.10. (20 Uhr) spielt die Band ein Konzert im Festsaal Kreuzberg.

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