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Zombies gegen schwedische Modekette

Ver.di und Betriebsräte kritisieren Arbeitsbedingungen bei H&M - in mehr als 17 deutschen Städten sind an diesem Freitag kreative Protestaktionen geplant

  • Von Sebastian Bähr
  • Lesedauer: 3 Min.

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»Es gibt große Verbitterung bis hin zu offenem Hass in der H&M-Belegschaft«, sagt Elmar Wigand von dem Verein »Aktion Arbeitsunrecht« im Gespräch mit dem »neuen deutschland«. Deswegen sei es nicht überraschend gewesen, dass das Unternehmen in einer Onlineabstimmung der Gruppe für die diesjährigen Proteste zum »Schwarzen Freitag« ausgewählt wurde. Der »Schwarze Freitag« ist eine jährliche Kampagne gegen Unternehmen mit schlechten Arbeitsbedingungen.

Für diesen Freitag sind in mehr als 17 deutschen Städten Aktionen geplant. In Aschaffenburg und Bremen soll es beispielsweise »Zombie-Märsche« geben als Symbol für »lebende Arbeitszeitleichen«. In Hamburg wird mit aufgeblasenen Haifischen vor der Deutschlandzentrale von H&M und vor der für Kündigungen verantwortlichen Kanzlei demonstriert. In Herford findet eine Modenschau der »arbeitsrechtlichen Grausamkeiten« statt. In verschiedenen Städten werden zudem an H&M-Kunden »willkürliche Abmahnungen« verteilt. »Aktion Arbeitsunrecht« ruft Unterstützer in ganz Deutschland auf, in Eigenverantwortung »fantasievolle Aktionsformen« durchzuführen. Auch in Indien seien Proteste von Beschäftigten geplant, hieß es.

Elmar Wigand weist darauf hin, dass es in der schwedischen Modekette eine umfangreiche Behinderung der Betriebsratsarbeit gibt: »In mehreren Fällen wurde mit Kündigungen versucht, gegen aktive Beschäftige vorzugehen - auch wenn das dann immer anders begründet wurde.« Kettenbefristungen seien ebenfalls eine übliche Methode, um unliebsame Beschäftigte rauszuwerfen. Die Gesamtbetriebsratsvorsitzende Saskia Stock erklärte in der »taz«, dass es nur in 175 von 436 Geschäften in Deutschland einen Betriebsrat gibt. »Die Textilkette H&M versucht in gleich drei Fällen, aktive Betriebsräte unter fadenscheinigen Begründungen zu kündigen«, erklärte die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di zudem im Juni in einer Pressemitteilung. »Ein trauriger Höhepunkt. Wir dürfen ahnen, es wird nicht der letzte sein«, hieß es weiter in dem Papier. Einer der Betriebsräte bekam in erster Instanz vor dem Arbeitsgericht Reutlingen Recht.

Kritik gibt es auch in einem weiteren Bereich: »H&M ist Vorreiter bei flexiblen Arbeitszeiten, einer Struktur, unter der Mitarbeiter sehr leiden«, sagte Wigand. »Letztlich sind die Mitarbeiter nur eine superflexible Füllmasse, für die Bedürfnisse der Arbeitgeber.« Nach Betriebsratsangaben haben rund 40 Prozent der Mitarbeiter einen solchen »Flexivertrag«, bei dem die Arbeitszeit an den aktuellen Umsatz angepasst wird. Laut der Firmenleitung würden die flexiblen Zeitverträge den Bedürfnissen der beschäftigten Studenten entsprechen, doch diese machen in der Realität nur einen Teil der bundesweit insgesamt rund 20 000 Mitarbeiter aus.

Wer sich gegen die Arbeitsbedingungen auflehnt, muss laut »Aktion Arbeitsunrecht« mit Bestrafung rechnen: Der Betriebsrat des Lagers Großostheim hatte beispielsweise im Januar dieses Jahres eine Betriebsvereinbarung verhindert, die unter anderem vorsah, Dienstpläne noch flexibler zu gestalten. An Samstagen sollten die Belegschaften verstärkt zur Arbeit auf Abruf verpflichtet und Planungszeiträume verkürzt werden. Die Mitarbeiter standen jedoch bereits unter starkem Druck. 150 der 344 Beschäftigten sind über 50 Jahre alt. Die Belegschaft beteiligte sich bereits an den Streiks der Entgelttarifrunde im Einzelhandel 2017. Am 29. August verkündete dann die H&M-Leitung, man plane die Schließung des Lagers zum 30. Juni kommenden Jahres.

Der schwedische Konzern wies indes die Vorwürfe zurück. »Wir erschweren keine Betriebsratsarbeit«, heißt es in einer Stellungnahme der deutschen Zentrale in Hamburg. »Nie gab es Kündigungen aufgrund von Gewerkschafts- oder Betriebsratsarbeit und wird es auch nicht geben.«

Ver.di hält jedoch weiter an seiner Kritik fest: »H&M fällt hierzulande immer wieder durch schlechte Arbeitsbedingungen auf«, erklärte Vorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger am Mittwoch. Auch im Ausland sei es nicht besser: »In Ländern wie Indien, Bangladesch oder Sri Lanka herrschen in vielen Zulieferfabriken immer noch menschenunwürdige Arbeitsbedingungen.« H&M lasse etwa in acht Zulieferfabriken in Bangladesch produzieren, in denen Beschäftigte oder Gewerkschaftsmitglieder entlassen wurden.

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