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Vorsichtig mit der Motorsäge ans Sturmholz

Die Beseitigung der Orkanschäden ist für die Forstarbeiter gefährlich, verrät Waldbauernchef Enno Rosenthal

  • Von Andreas Fritsche
  • Lesedauer: 3 Min.

Eine Woche, nachdem das Sturmtief »Xavier« in Brandenburg wütete, dauern die Aufräumarbeiten im Land weiter an. 1,5 bis zwei Millionen Bäume sind beschädigt worden. Um den Forst aufzuräumen, bleibt den Waldbesitzern nichts anders übrig als außerplanmäßiger Holzeinschlag. Dafür können sie Steuererleichterungen in Anspruch nehmen, erinnerte das Potsdamer Finanzministerium am Donnerstag.

Normalerweise würde vielleicht nicht so viel Holz in kurzer Zeit geerntet. Die Gewinne aus dem Verkauf, die sonst auf mehrere Jahre verteilt gewesen wären, müssten nun für ein Jahr versteuert werden. Doch Paragraf 34b Absatz 3 des Einkommenssteuergesetzes sehe für die sogenannte Kalamitätsnutzung einen ermäßigten Steuersatz vor, erläuterte Finanzminister Christian Görke (LINKE). Zwingende Voraussetzung sei allerdings, dass die Schäden noch vor Beginn ihrer Beseitigung dem Finanzamt gemeldet werden.

Diese Steuerermäßigung sei jedoch erst ab 100 Hektar interessant, erklärte auf Nachfrage Enno Rosenthal, Vorsitzender des brandenburgischen Waldbauernverbandes und Chef der Forstbetriebsgemeinschaft Neuruppin. Allein 90 000 Waldbesitzer im Bundesland verfügten aber lediglich über drei Hektar. Diese Stückelung sei ein Ergebnis der Bodenreform nach dem Zweiten Weltkrieg in der sowjetischen Besatzungszone.

Ein Viertel des jahresüblichen Holzeinschlags sei von Sturmschäden betroffen, bestätigte Rosenthal nach seinem persönlichen Eindruck die Schätzungen, von denen zu hören ist. Auf ihren 2500 Hektar Wald schlägt die Forstbetriebsgemeinschaft Neuruppin normalerweise pro Jahr 8000 Festmeter Holz ein. Nun fallen 2000 Festmeter Sturmholz an, und es kann zunächst einmal auf das Fällen anderer Bäume verzichtet werden. Die Forstbetriebsgemeinschaft werde bis Ende des Jahres mit dem Aufräumen gut zu tun haben, sagt Rosenthal. Ein plötzliches Überangebot bei den Sägewerken, das den Holzpreis drücken und den Gewinn schmälern würde, erwartet er bei den jetzigen Dimensionen nicht. Denn Eichen und Buchen werde man sowieso gut los, und bei Nadelholz werde das Geschäft nicht schlechter laufen als sonst.

Ungeschoren kommen die Waldbauern aber trotzdem nicht davon. Denn es ergeben sich höhere Kosten beim Holzeinschlag. Denn anders als in Polen oder Bayern und in Brandenburg zuletzt 1972, seien durch den Orkan keine kompletten Bestände umgelegt, sondern bloß einzelne Bäume und Gruppen von Bäumen. Die müssen nun in Handarbeit mit der Motorsäge zerkleinert und mit Rücketechnik herausgeholt werden - und zwar vorsichtig, denn es besteht bei Bruchholz eine besondere Gefahr von Arbeitsunfällen. Dadurch dauert alles länger. »Damit wird es teurer«, sagt Enno Rosenthal.

Gefährlich kann es im Wald gegenwärtig für Wanderer und Pilzsucher sein. Sie werden vor dem Betreten gewarnt, da sich angeknackste Äste lösen und herabfallen könnten.

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