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Männersachen

Von Paula Irmschler

  • Von Paula Irmschler
  • Lesedauer: 3 Min.

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Männlichkeit ist ein System voller Widersprüche. Es funktioniert nur durch harte Abwehr gegen alles, was als nicht männlich gilt und gar im Verruf steht, irgendwie weiblich zu sein. Weiblichkeit ist schlecht, dem darf man sich keinesfalls annähern. Dieses offene Geheimnis treibt die lustigsten, peinlichsten Blüten. Männliche Blüten, versteht sich. Blüten aus Stahl. Dunkelblaue, graue, gefährliche Blüten.

Anfang der 2000er Jahre nannte man Männer, die sich »weiblich« kleideten, also nicht einfach wie ein Sack Kartoffeln rumliefen, sondern zum Beispiel die Haare färbten, »metrosexuell«. Man konnte nicht einfach ein Mann sein, der seine Haare färbt, man musste »metrosexuell« sein, um sich zu schützen. Ein Mischwort aus »metropolitan« und »heterosexuell« - denn es ist wichtig, dass einen niemand für schwul hält. Auch das wäre irgendwie eher weibisch als gut. »Girls can wear jeans and cut their hair short/Wear shirts and boots ’cause it’s okay to be a boy/ But for a boy to look like a girl is degrading/’Cause you think that being a girl is degrading«, bringt Julie im Film »Der Zementgarten« das Problem schon 1993 auf den Punkt.

Es gibt einen Haufen Produkte, es dürften die meisten sein, bei denen ein Gendern ein völlig sinnloser Vorgang ist. Oder trägt man Handtaschen mit Vulven oder isst Steaks mit seinem Penis? Mit dem Voranschreiten des Kapitalismus und dem Zurückgehen von Geschlechternormen werden die Bandagen, mit denen das Patriarchat zurückschlagen muss, natürlich immer härter, es muss schließlich noch irgendwas verkauft werden und Kapitulation ist nicht. Männer haben Bock auf eine Frisur? Männerdutt! Männer wollen passende Unterwäsche? Mants (Man-Pants)! Männer wollen sich schminken? Aber nur mit dem Guyliner! Männer haben Bock auf Süßes? Hier kommt der Bronut! Männer mögen sich gern? Bromance! Nein, keines dieser Beispiele habe ich mir ausgedacht.

Männer könnten im Grunde längst sie selbst sein, sich von Rollenklischees befreien, sich kleiden und geben, wie sie wollen. Doch dafür müsste man eben aufhören, alles, was weiblich konnotiert ist, abzuwerten. Das halten sie aber (noch) nicht aus. Also nehmen sie Produkte, eignen sie sich an und besetzen sie mit völlig unpassenden Attributen, die im Grunde nur beweisen, wie fragil Männlichkeit ist, aber wie sehr sie bemüht ist, für Macht zu stehen. Selbst, wenn es gar nicht um Macht geht. Oder werden sie mit Guylinern Kriege führen oder durch Bronuts Muskeln aufbauen? Alles ist möglich.

Im Grunde warte ich nur noch auf den Manfeminism, den endlich richtigen, konsequenten Feminismus. Männer erkämpfen Frauenrechte und die Anerkennung von Frauen wie ganz normale Menschen, nennen es aber nur anders. Dann implodiert hoffentlich endlich dieser Irrsinn.

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