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Geheimniskrämerei um Glyphosat

»Die Akte Glyphosat« untersucht den Streit um Glyphosat-Studien

  • Von Haidy Damm
  • Lesedauer: 3 Min.

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Bis Ende 2017 gilt für Glyphosat eine Schonfrist in Europa. Vielleicht auch eine Galgenfrist, denn die Kritik an einer weiteren Zulassung des Totalherbizids wird erneut lauter. Aktuell sorgen die »Monsanto-Papers« auch in Europa für Furore: Unterlagen aus Gerichtsprozessen in den Vereinigten Staaten über Monsantos Einflussnahme auf behördliche Zulassungen des inzwischen weltweit am häufigsten eingesetzten Pestizids. Da kommt das Buch »Die Akte Glyphosat« gerade zur richtigen Zeit.

Der Pestizidexperte der Umweltorganisation GLOBAL 2000, Helmut Burtscher-Schaden, untersucht darin die Geschichte der Zulassungsverfahren seit 1973 in den USA und das Wiederzulassungsverfahren in Europa seit 2012. Unterstützt durch den Zugang zu Behördenunterlagen in den USA analysiert er die Einflussnahme des US-Saatgutkonzerns seit den Anfängen: Welche Studien wurden zu welchem Zeitpunkt herangezogen und als relevant eingestuft? Welche Schlussfolgerungen zogen die verschiedenen Behörden aus den Ergebnissen? Fragen, die bis heute bei der Bewertung von Glyphosat eine wichtige Rolle spielen.

Der Biochemiker belegt in seinem Buch detailliert das Tauziehen zwischen Monsanto und den Behörden. Immer wieder gab es demnach Anzeichen, dass die US-Umweltbehörde EPA das Herbizid als krebserregend einstufen würde. Immer wieder fanden sich jedoch Schlupflöcher, so Burtscher-Schaden.

Indem er die Studien nachzeichnet, gelingt es dem Autor, diese schwer zu durchschauenden Ungereimtheiten deutlich zu machen. Die Studien sind mit eingängigen Grafiken dargestellt, die deutlich machen, was laut Burtscher-Schaden »inakzeptable Fehlentscheidungen« der Behörden sind: So erkranken Mäuse, die glyphosathaltiges Futter fressen, häufiger an Krebs als die in den glyphosatfreien Kontrollgruppen. Allein Monsanto bezeichnet dieses Ergebnis als zufällig oder erklärt Studien für nicht relevant.

Nachdem 2012 die Zulassung von Glyphosat ausgelaufen war, begann auch in Europa eine Auseinandersetzung. Im Fokus steht hier das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), das als Berichterstatterin für die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) im Prozess federführend ist. Das BfR war bereits bei der Erstzulassung von Glyphosat 1999 verantwortlich und hat damit die Weichen »für den Siegeszug von Glyphosat« gestellt, so Burtscher-Schaden. Trotz neuer Erkenntnisse und einer seit 2009 verschärften EU-Pestizid-Richtlinie, stelle das BfR Glyphosat weiterhin einen Persilschein aus. Als das Krebsforschungsinstitut der Weltgesundheitsorganisation IARC Glyphosat als »wahrscheinlich krebserregend für den Menschen« einstufte, erklärte das BfR die Studie für nicht relevant. Die EFSA und später auch die Europäische Behörde für Chemikalien ECHA schlossen sich dieser Bewertung an.

Wieder nimmt der Autor die Argumentation der Behörden dezidiert auseinander und macht sie somit für ein breites Publikum transparent. Hier liegt das große Verdienst dieses Sachbuches im besten Sinne: Es übersetzt eine Debatte, die vordergründig fachlich geführt wird, und erklärt Hintergründe und Interessenkonflikte in der Auseinandersetzung um das meistverkaufte Pestizid unserer Zeit.

Helmut Burtscher-Schaden: Die Akte Glyphosat: Wie Konzerne die Schwächen des Systems nutzen und damit unsere Gesundheit gefährden; Kremayr & Scheriau, 2017; 256 S.; 22 Euro

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