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Kassel-Calden - ein Millionengrab wird gepflegt

Der stark defizitäre Regionalflughafen in Nordhessen sollte 2017 auf den Prüfstand, doch Schwarz-Grün verpulvert wohl noch mehr Steuergeld

  • Von Hans-Gerd Öfinger, Wiesbaden
  • Lesedauer: 3 Min.

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Im April 2013 war der auf dem Gelände eines ehemaligen Luftlandeplatzes für eine dreistellige Millionensumme ausgebaute Verkehrsflughafen Kassel-Calden seiner Bestimmung übergeben worden. Seither herrscht dort an den allermeisten Tagen des Jahres gähnende Leere. Während Spötter von einem gelungenen Projekt zur Bekämpfung von Fluglärm reden, hoffen Befürworter und Betreiber des Airports weiter auf eine goldene Zukunft.

Doch die Warnungen der Kritiker von damals scheinen sich voll zu bestätigen. So wiesen Kenner von Anfang darauf hin, dass es in einem Radius von 200 Kilometern um das nordhessische Kassel bereits etliche Verkehrsflughäfen gibt: Dortmund, Erfurt, Frankfurt am Main, Paderborn/Lippstadt, Hannover und Münster/Osnabrück. Und Fluggäste gelangen von Kassel bequem mit ICE-Zügen zu größeren Airports wie Frankfurt oder Hannover. In den letzten Jahren erwies sich für Reiseveranstalter sogar ein Transfer der Fluggäste per Taxi nach Paderborn/Lippstadt mitunter als günstiger im Vergleich mit einem Start ab Calden.

Für die anhaltenden Defizite des Flughafenbetreibers kommen weiterhin dessen öffentliche Gesellschafter auf - allen voran das Land Hessen, das 68 Prozent der Anteile hält. Jeweils 13 Prozent sind in der Hand von Stadt und Landkreis Kassel, die restlichen sechs Prozent liegen bei der Gemeinde Calden.

Das Projekt Kassel-Calden war vor einem Jahrzehnt von CDU, FDP und SPD vorangetrieben und lautstark begrüßt worden. Sie versprachen sich davon einen Aufschwung für das traditionell als strukturschwach geltende Nordhessen. Grüne und LINKE warnten vor dem Ausbau.

Doch die einstige Ökopartei regiert seit Anfang 2014 in Hessen mit der CDU. Im Koalitionsvertrag hielten die Partner ihre unterschiedlichen Positionen zum Airport Kassel Calden fest. Im Jahre 2017 wolle man »die Entwicklung des Flughafens seit seiner Inbetriebnahme umfassend evaluieren«, so steht es in dem Papier. Dabei wurde ausdrücklich »keine Maßnahme ausgeschlossen« - also auch eine Kehrtwende und Herabstufung vom Airport zum Verkehrslandeplatz wurde für möglich gehalten. Aus dem Vertragziel, die regionale Wirtschaft für eine »Beteiligung an den wirtschaftlichen Chancen und Risiken des Flughafens« zu gewinnen und die Betreibergesellschaft zu privatisieren, ist offensichtlich bislang nichts geworden. Doch Hessens Finanzminister Thomas Schäfer (CDU), Aufsichtsratsvorsitzender der Betreibergesellschaft, gibt sich auch weiter optimistisch. Licht am Ende des Tunnels sieht er in der Tatsache, dass die Zahl der abgefertigten Passagiere von 414 im Januar 2017 auf 9141 im September gestiegen ist. Nach dem Einstieg des Duisburger Reiseveranstalters Schauinsland bei der in Calden tätigen Minifluggesellschaft Sundair bestehe Hoffnung auf einen neuen Schub von Ferienflügen in der kommenden Reisesaison 2018, so Schäfer. Meldungen, wonach der Flughafenbetreiber dafür die Airline über Jahre kräftig subventionieren wolle, wollte das hessische Finanzministerium weder bestätigen noch dementieren.

Die schwarz-grüne Landesregierung müsse »endlich einsehen, dass das Projekt gescheitert ist«, erklärte der LINKE-Landtagsabgeordnete Jan Schalauske und forderte eine Rückstufung zum Verkehrslandeplatz. Dies sei der »einzig logische Schritt, um nicht noch mehr Steuergeld zu verpulvern.« Tatsächlich hätten in den ersten neun Monaten dieses Jahres weniger Passagiere den Flughafen genutzt als noch im selben Vorjahrszeitraum, so Schalauske. Nachdem die Regierung nun offenbar den Ferienflieger Schauinsland/Sundair acht Jahre lang mit Steuergeld Ferienflieger subventionieren wolle, könne von einer ergebnisoffenen Evaluation keine Rede mehr sein. Offenbar habe »der Flughafen bereits die Lizenz erhalten, um weitere acht Jahre lang Steuergeld zu verschwenden«, mutmaßt Schalauske.

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