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  • Linksfraktion in Sachsen-Anhalt

Schulleiter folgt dem Steuerprüfer

Der angestrebte Führungswechsel bei der Linksfraktion in Sachsen-Anhalt wird nach dem Rücktritt von Swen Knöchel beschleunigt

  • Von Hendrik Lasch, Magdeburg
  • Lesedauer: 3 Min.

Der Neue singt in einem Chor: Thomas Lippmann gehört dem der Universität Halle an. Das ist womöglich keine schlechte Voraussetzung, um die Politik der Linksfraktion im Landtag von Sachsen-Anhalt zu orchestrieren - auch wenn diese mit ihren nur noch 16 Mitgliedern seit der Landtagswahl 2016 eher zum Kammerensemble geschrumpft ist. Lippmann, der dabei erstmals ein Mandat im Landtag erhielt, steht nur 18 Monate später vor einem Karrieresprung: Er soll spätestens am 14. November als Vorsitzender der Fraktion zum Nachfolger von Swen Knöchel gewählt werden. Dieser hatte am Donnerstag mit sofortiger Wirkung seinen Rücktritt vom Amt erklärt.

Der 43-jährige Hallenser ist indes damit nur seiner Ablösung bei der turnusgemäßen Wahl zuvorgekommen - was freilich harmonischer hätte gestaltet werden können. Knöchel war, wie er selbst mitteilte, vom Landes- und vom Fraktionsvorstand aufgefordert worden, nicht erneut zu kandidieren. Es habe »massive Kritik« an seinem Führungsstil sowie dem Zustand der Fraktion gegeben.

Diese befindet sich seit der Wahl im Frühjahr 2016 in einer schwierigen Lage. Hatte die LINKE im Wahlkampf noch den Anspruch erhoben, eine Regierung zu führen, sah sie sich danach, zahlenmäßig dezimiert, einem Dreierbündnis aus CDU, SPD und Grünen sowie einer AfD gegenüber, die allein ein Viertel der Sitze innehat. Nun dominieren die nicht eben harmonisch laufende Kenia-Koalition wie auch die Rechtspopulisten die Schlagzeilen; dagegen dringt die LINKE schwer durch. Da fügte es sich schlecht, dass der als Nachfolger von Wulf Gallert ins Amt gekommene Knöchel öffentlich ein eher zurückhaltender Typ ist. Intern wiederum gilt der Finanzfachmann, der vor dem Einstieg in die Politik unter anderem als Steuerprüfer gearbeitet hatte, zwar als kluger Kopf, aber auch als pedantischer, teils aufbrausender Chef. Knöchel räumt Streit um Fragen der Organisation und Kommunikation ein, der »nervenaufreibend« gewesen sei und zu »Grabenkämpfen« geführt habe, und bat um Entschuldigung, weil er »persönlichen Befindlichkeiten« zu wenig Beachtung geschenkt habe. Er habe versucht, sein »Bestes zu geben«, fügt er in seiner Erklärung an, von der seine Fraktionskollegen aus dem Internet erfuhren: »Das schien aber für dieses Amt nicht genug zu sein.«

Sein designierter Nachfolger hat zumindest mehr Erfahrung als Leiter: Lippmann, Lehrer für Mathematik und Physik ebenfalls aus Halle, hat jahrelang als Schulleiter gearbeitet und war seit 1998 Landeschef der Bildungsgewerkschaft GEW. In dieser Funktion suchte er regelmäßig die Nähe der LINKEN, deren Bildungskonzepte er lobte und deren Mitglied er seit Januar ist. Im Landtag tritt er als Fachpolitiker oft in Erscheinung - was auch den Umständen geschuldet ist: Die Defizite in der Unterrichtsversorgung schlugen in Sachsen-Anhalt zuletzt hohe Wellen; zudem steht eine Schulgesetznovelle in der Debatte.

Ob Lippmann sein Leib- und Magenthema als Chef der Fraktion weiter so intensiv wird beackern können, bleibt abzuwarten. Zwei weitere im Schulbereich profilierte Abgeordnete sind freilich auf dem Sprung nach Berlin: Birke Bull-Bischoff und Matthias Höhn wechseln nach vielen Jahren im Magdeburger Parlament in den Bundestag. Für sie dürften der im Parlament erfahrene Guido Henke aus Haldensleben sowie Katja Bahlmann aus dem Burgenlandkreis nachrücken. Lippmann ist trotz der Umbrüche zuversichtlich, dass die Fraktion schlagkräftiger wird: »Ich bin optimistisch, dass wir das Feld nicht den Schreihälsen von der AfD überlassen.«

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