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Deutschland, das Land der Sparer

Niedrigzinsphase sorgt für veränderte Präferenzen

  • Von Hermannus Pfeiffer
  • Lesedauer: 3 Min.

Georg Fahrenschon kennt sich aus mit Krisen. Als bayerischer Finanzminister managte der CSU-Politiker die Milliardenverluste der Bayerischen Landesbank nach dem Kauf der österreichischen Hypo Alpe Adria 2007. Fahrenschon, der früher in der BayernLB gearbeitet hatte, stieg in der Landespolitik auf und kam vor fünf Jahren an die Spitze der Sparkassenorganisation.

Der Krise ist Fahrenschon als Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV) treu geblieben. Jeder Zweite sei besorgt wegen der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank. Das ist ein Ergebnis des aktuellen »Vermögensbarometers«, das Fahrenschon am Dienstag in Berlin vorstellte. Die angeblich repräsentative Umfrage erhebt der Sparkassenverband seit 2001 im Vorfeld des Weltspartages (30. Oktober). 75 Prozent haben in diesem Jahr angegeben, dass ihnen die aktuellen politischen Entwicklungen Sorgen hinsichtlich der Sicherheit ihrer Ersparnisse bereitet. Rund zwei Drittel der Befragten halten eine baldige Zinswende für wichtig oder sehr wichtig.

Dennoch sparen die Bundesbürger weiterhin gerne. Doch die Präferenzen haben sich deutlich verschoben. »Wir begrüßen, dass sich die Bundesbürger stärker für Wertpapieranlagen interessieren«, freut sich Fahrenschon. Das gebe ihnen die Chance, von den Höhenflügen der Börsen zu profitieren.

Zusammen mit Aktien-, Investment- und Immobilienfonds stehen selbst genutzte und vermietete Immobilien ganz oben in der Gunst der Sparer. Die Beliebtheit der selbst genutzten Immobilie als Anlageform ist hingegen rückläufig. Als Grund nannte Fahrenschon die gestiegenen Immobilienpreise.

Für viele Sparer scheint es weiterhin gut zu laufen. 59 Prozent sind zufrieden mit ihrer finanziellen Situation. Doch trotz günstiger wirtschaftlicher Entwicklung zeigt sich eine übergroße Mehrheit im Hinblick auf ihre Ersparnisse besorgt. Nur noch 28 Prozent nutzen Vermögenswirksame Leistungen - eine staatlich geförderte Sparzuklage des Arbeitgebers - und ein Viertel der Menschen kann sich keine Altersvorsorge leisten. Vor allem Jüngere und die niedrigeren Einkommensgruppen »sparen zu wenig für später«, mahnt Fahrenschon.

Über alle Klassen hinweg liegt die Sparquote stabil bei rund zehn Prozent des Volkseinkommens. In absoluten Zahlen belief sich das Gesamtvermögen der privaten Haushalte 2016 auf über 14 Billionen Euro. »Deutschland bleibt ein Land der Sparer«, sagt auch Andreas Martin, Vorstand beim konkurrierenden Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken. »Sorge macht mir, dass der Anteil der Nichtsparer in den unteren Einkommensklassen zugenommen hat.« Diese zeige eine Analyse seines Genossenschaftsverbandes.

Die Kluft zwischen Sparern und Nicht-Sparern gefährdet den gesellschaftlichen Zusammenhalt. »Das ist eine Frage der sozialen und der Generationengerechtigkeit«, sagt Sparkassenpräsident Fahrenschon. Er fordert von der künftigen Bundesregierung, einen Teil der Haushaltüberschüsse für eine Sparerförderung einzusetzen: »Der Bund profitiert von der anhaltenden Niedrigzinspolitik und es wäre angemessen, einen Teil davon den niedrigeren Einkommensklassen zur Vermögensbildung zugutekommen zu lassen«, sagte Fahrenschon. Der frühere CSU-Politiker fordert eine Reform der Vermögenswirksamen Leistungen. Das Gesetz aus dem Jahr 1998 warte auf eine Modernisierung.

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