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Tach noch!

Vom Selberbacken eines Käsekuchens lässt man besser die Finger. Leuchtet er außen auch noch so schön goldgelb - sobald man ihn anschneidet, ist die Laune dahin: Meist hat er die Konsistenz einer Schuhinnensohle. Auch die Bäcker haben immer seltener vernünftigen Käsekuchen im Angebot.

Was also machen? Quer durch die halbe Stadt fahren zum Käsekuchencafé. Eines befindet sich unweit des Kollwitzplatzes im Prenzlauer Berg und heißt, wie Cafés dort heißen müssen: »Dreikäsehoch«.

Die Kuchentheke sieht vielversprechend aus, rund 20 Torten sind ausgestellt, manche versteckt um die Ecke, man muss sich verbiegen, um die Kärtchen zu lesen. Wieso eigentlich 20? Käsekuchen lässt sich ja in unzähligen Varianten mit anderen Innereien oder Garnierungen kombinieren. Die bekanntesten sind: mit Schokolade (Russischer Zupfkuchen) und mit Mandarinen aus der Dose (lang nicht mehr gesehen, zum Glück). Eine Zeit lang wurden auch Rosinen im Quark versenkt. Und es gibt die Eierschecke, auf die ich nicht eingehen werde. Wenn man sich seiner Sache sicher ist, serviert man Käsekuchen sowieso unverschnitten, ohne Schnickschnack. Aber wer ist sich beim Käsekuchen seiner Sache schon sicher? Und wie könnte man ein Käsekuchencafé eröffnen und nur eine Sorte Kuchen anbieten?

Nun der Test: Zum einen Käsekuchen »Karamell«, weil die leise Hoffnung aufkeimt, dieser könnte wenigstens entfernt an die leckeren Karamell-Cheesecake-Törtchen der Bäckerei Magnolia in New York erinnern (weit gefehlt). Zum anderen »Käse Rote Johanna« (mit einer abschließenden Schicht Johannisbeeren), natürlich des Namens wegen.

Bevor es weitergeht, noch ein kleiner Exkurs zum Interieur: Nach Kindercafé sieht es innen nicht aus, dafür erinnern Einrichtung und Wanddesign - immerhin nicht die Musik - an Eiscafés in westdeutschen Fußgängerzonen. Einige Stühle haben Überzüge, die wie eine Ornament-Wandtapete aussehen, an den Wänden wiederum wechselt sich Holzvertäfelung mit Kacheltapete, Schallschutz und überdimensionierten Teilkäsekuchenbildern ab. Auf einer Tafel steht: »Juten Tach noch«, was so klingt, als solle man bloß nicht zu lange versuchen, es sich bequem zu machen. Und auf die Frage, ob es einen freien Tisch gebe, antwortet das Personal auf berlinerische Art: Darum müsse man sich schon selbst kümmern.

Doch nun weg vom Aug- und Ohrengraus, zurück zum Schmaus: Käsekuchen sieht man ja an, ob er gelungen ist oder nicht. Je heller das Innere, desto besser. Zartgelb muss er sein. Auch dieser enttäuscht auf jener Linie nicht: so cremig-fluffig, wie nur ein Käsekuchen sein kann. Das in den Quark gehobene Karamell jedoch ist praktisch nicht zu schmecken. Abgesehen von den Beeren, fehlt irgendwie der Geschmack. Käsekuchen braucht einen Hauch Zitrone, genau richtig dosiert, sodass die Säure nicht alles übertüncht. Hier aber ist davon überhaupt nichts zu merken, die leichte Frische fehlt. Also doch lieber Hände weg von Käsekuchen. Nicht nur in der eigenen Küche.

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