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Neue Mängel bei Containerdorf in Tempelhof

Auch zweiter Termin für Bauabnahme gescheitert / Bewohner der Hangars könnten in andere Unterkunft kommen

  • Von Marina Mai
  • Lesedauer: 3 Min.

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»Ein Flughafen ist ein Ort zum Ankommen, aber nicht zum Verweilen!« Mit diesem Satz und den Vornamen von mehreren hundert Flüchtlingen, die über viele Monate in den Hangars in Tempelhof lebten oder noch immer dort leben, wollte die Betreiberfirma der Tempelhofer Notunterkunft, Tamaja, Aufmerksamkeit erzeugen. Dazu schaltete sie am Donnerstag ganzseitige Anzeigen in drei in Berlin erscheinenden Tageszeitungen. Anlass ist das zweijährige Bestehen der als Provisorium errichteten Notunterkunft, in der die Flüchtlinge keine Privatsphäre haben und nicht selbst ihr Essen kochen können. 200 Menschen teilen sich in den riesigen Flugzeuggaragen einen einzigen Raum, in dem das Licht zentral ein- und ausgeschaltet wird.

»Zwei Jahre ohne Privatsphäre verändert Menschen. Unsere Bewohner müssen so schnell wie möglich in andere Quartiere umziehen«, sagt Theresa Jocham von Tamaja dem »nd«. »Die Landesregierung hat uns zugesagt, dass es noch in diesem Jahr einen Umzug für alle Bewohner geben wird. Wohin wissen wir aber nicht.«

Ein Umzug in die Wohncontainer auf dem Tempelhofer Feld ist allerdings mehr als unwahrscheinlich. Die Container wurden dort eigentlich für die Bewohner der Hangars errichtet, damit sie endlich menschenwürdig wohnen können. Aber die für den Sommer geplante Aufstellung der Container verzögerte sich (»nd« berichtete).

Auch die zweite Bauabnahme in dieser Woche lief ins Leere. Sascha Langenbach, Sprecher des zuständigen Landesamts für Flüchtlingsangelegenheiten, sagte dem »nd«: »Wir haben erneut Dutzende von A4-Seiten mit Mängeln aufgelistet. Die muss der Bauträger abarbeiten, bevor dort jemand einziehen kann.« Auf eine Prognose, wie lange das dauern kann, will Langenbach sich nicht einlassen. Offen ist ebenfalls, wer die vier Containerdörfer mit gut 1000 Bewohnern einmal betreiben wird. Auf eine Ausschreibung hatten sich zwar mehrere Träger beworben. Doch aus ihnen muss das Flüchtlingsamt in einem rechtssicheren Verfahren einen Bewerber auswählen. Wie »nd« aus dem Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten erfuhr, rechnet man in diesem Jahr nicht mehr mit einem Ergebnis. Dennoch sagt Langenbach über die Bewohner der Hangars: »Wir haben sie nicht vergessen.« Sie müssen nun voraussichtlich in eine andere Unterkunft ziehen. Auf dem Tempelhofer Feld wäre dann - wenn die Container endlich bezugsfähig sind - Platz für Flüchtlinge aus anderen Notunterkünften.

In den Hangars des ehemaligen Flughafen Tempelhof verbleibt zudem das Ankunftszentrum für alle Berliner Flüchtlinge, erläutert Theresa Jocham von Tamaja. »Hier können alle neu nach Berlin kommenden Flüchtlinge erst einmal übernachten, bevor sie auf andere Unterkünfte verteilt werden.« Die Verweildauer in den Flugzeuggaragen betrage in der Regel drei oder vier Tage. »Dafür sind die Standards akzeptabel.« In diesen ersten Tagen beantragen sie Asyl und Sozialleistungen, und es erfolgt die medizinische Erstuntersuchung. Theresa Jocham: »Dafür sind wir ideal ausgestattet. Es gibt Ärzte vor Ort und einen Busshuttle zu den Behörden.«

6500 Flüchtlinge müssen in Berlin noch in Notunterkünften wohnen. Sie können dort nicht selbst kochen, haben kaum Privatsphäre und unzureichende Sanitäreinrichtungen.

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