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Siemens bringt Dampf auf Kessel

Protest an bedrohten Standorten im Osten / Düstere Aussichten für Görlitz

  • Von Hendrik Lasch, Görlitz
  • Lesedauer: 3 Min.

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Die Hiobsbotschaften nehmen kein Ende in Ostsachsen. Kaum haben die Beschäftigten des Schienenfahrzeugbauers Bombardier eine Galgenfrist erstritten und einen Stellenabbau zumindest bis 2020 abgewendet, ziehen finstere Wolken über der Niederlassung von Siemens, dem zweiten großen industriellen Arbeitgeber in der Stadt an der Neiße, auf. Seit 111 Jahren werden dort Dampfturbinen gebaut, derzeit unter dem Signet von Siemens. Doch der Konzern plant offenbar massive Kürzungen; allein in der Sparte Kraftwerke sollen laut einem Medienbericht elf von weltweit 23 Werken geschlossen werden. Görlitz soll auf der Liste stehen; 900 Stellen wären bedroht.

Die Pläne träfen weitere ostdeutsche Standorte hart. Zur Disposition stehen auch das Generatorenwerk Erfurt mit 500 Beschäftigten, dem der Verkauf droht, und das Turbomaschinenwerk in Leipzig-Plagwitz mit 270 Beschäftigten. Seit die offiziell nicht bestätigten Gerüchte die Runde machen, ist bei den Mitarbeitern die Stimmung am Kochen. In Erfurt und Leipzig, aber auch in Mülheim und Erlangen gab es am Mittwoch lautstarke Proteste; in Görlitz hat die Belegschaft der IG Metall das Mandat erteilt, für den Standort zu kämpfen. Es handle sich, sagt deren Erster Bevollmächtigter Jan Otto, um einen »innovativen Betrieb, der noch viele Jahre rentabel produzieren kann, wenn man ihn lässt«. Unter dem Eindruck der Proteste wurde die für den 8. November geplante nächste Sitzung des Wirtschaftsausschusses, in dem die Konzernführung die Arbeitnehmervertreter informiert, auf diesen Donnerstag vorgezogen; Details der Kürzungspläne wurden dabei aber nicht genannt.

Über dem Görlitzer Werk hängt nicht zum ersten Mal ein Damoklesschwert. 2014 drohte die teilweise Schließung, die abgewendet wurde, indem neue Märkte erschlossen wurden. Die Dampfturbinen kommen längst nicht mehr nur in Großkraftwerken zum Einsatz, von denen wegen der Energiewende weniger gebaut werden. Die Anlagen aus Görlitz, die zwischen 45 Kilo- und 1900 Megawatt Leistung bringen, werden auch in Papierfabriken, der Öl- und Gasgewinnung, in Anlagen zur Müllverbrennung oder zur Entsalzung von Meerwasser verbaut. In jüngerer Zeit gingen zudem sechs Turbinen in den weltweit größten Solarpark, der in Nordafrika errichtet wurde.

In der Belegschaft und der Region sah man darin Zeichen für eine Sicherung des Standorts - ebenso wie in der Eröffnung eines 1,5 Millionen Euro teuren Ausbildungszentrums im Jahr 2014. Nun aber stehen die Zeichen erneut auf Sturm - was böse Folgen nicht nur für die direkt Beschäftigten hätte. Der Betrieb stützt sich nach Angaben von Siemens auf 200 Zulieferer allein in Ostsachsen, bei denen ebenfalls Jobs bedroht wären. Dabei ist die Arbeitslosigkeit im Kreis Görlitz ohnehin die höchste in Sachsen; derzeit liegt die Quote bei 8,4 Prozent und damit 2,2 Prozentpunkte über der im Freistaat. Zwar hofft die Region auf die Ansiedlung eines chinesischen Herstellers von Elek-troautos, die in Rothenburg erfolgen könnte. Doch das Vorhaben ist noch nicht in trockenen Tüchern, und der Zugewinn an Jobs könnte aufgefressen werden durch Verluste bei Siemens und bei Bombardier.

Denn auch dort ist unklar, wie es nach 2020 weiter geht. Der Konzern hält bisher am Ziel fest, 2200 der insgesamt 8500 Jobs zu streichen. Görlitz gehört mit 2000 Beschäftigten zu den größten Filialen und dürfte kaum ungeschoren davonkommen. Die IG Metall drängt auf konkrete Zusagen, die der Konzern für einzelne Werke aber nicht geben will. Ende November gibt es Betriebsversammlungen - und vermutlich etwas mehr Klarheit.

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