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Das Leipziger Dok-Film-Festival feiert seinen 60. Jahrestag

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Das heute beginnende Leipziger Festival für den internationalen Dokumentarfilm begeht seinen 60. Jahrestag, ein bemerkenswertes Datum, gehört es doch zu den ältesten Festivals dieser Art. Gegründet zunächst als Forum für den westdeutsch-ostdeutschen Filmvergleich zu Beginn des Kalten Kriegs, mauserte es sich rasch zu einer attraktiven Sammel- und Begegnungsstätte des internationalen Dokumentarfilmschaffens.

Alles, was Rang und Namen in dieser Branche hatte, traf sich alljährlich für eine Woche in Leipzig, zeigte öffentlich im größten Leipziger Kino, dem »Capitol«, seine neuesten Filme und diskutierte sie in entschiedener Offenheit mit Kollegen und Zuschauern, immer in rappelvollen Kinosälen auf großer Leinwand. Da trafen unterschiedliche Film- und Gesellschaftskonzepte aufeinander, oft streitbar und genauso umstritten. So kamen Dokumentarfilm-Legenden wie Joris Ivens, Michail Romm, Roman Karmen, Chris Marker, Santiago Alvarez mit ihren Filmen nach Leipzig. Die Treffen produzierten auch manche Reibung, die mit den sich verändernden Bedingungen von Dokumentarfilmarbeit - technischen, ästhetischen, politischen - genauso eng verbunden blieben wie mit den politischen Weltveränderungen.

Die DDR-Oberen erkannten zwar den Wert für einen internationalen Prestige-Zugewinn, wollten freilich unermüdlich ihre Vorstellungen eines »parteilichen« Filmschaffens, sprich sozialistischen Realismus durchsetzen. Das führte zu ideologischen Verhärtungen, manchmal auch der schlimmen Art, die immer wieder die Filmauswahl, die Strategie der Preisverleihungen und auch die Strukturen des Festivalablaufs bestimmten.

Da entstanden Widersprüche und Konflikte, etwa wenn die ersten Filme der Solidarność-Bewegung oder des beginnenden Umbruchs in der Sowjetunion nach Leipzig gelangten. Hingegen trafen Filme über den Vietnam-Krieg oder über antiimperialistische Kämpfe in der sogenannten Dritten Welt stets auf große Zustimmung, häufig sogar mit öffentlich wirksamen Demonstrationen verbunden. Und dort wurde dann die proklamierte Solidarität mit den Unterdrückten dieser Welt beim Wort genommen.

Durchgängig und aufmerksam wurde das selbstgewählte Motto des Festivals »Filme der Welt für den Frieden der Welt« gewahrt, verknüpft mit der Friedenstaube Picassos als treffendem, sinnstiftendem Symbol. Einen enormen Wert bildeten auch die jährlichen Retrospektiven, die die Schätze des gesamten Welt-Dokumentarfilmschaffens von den Anfängen des Kinos an präsentierten und so aufbewahrten. Selten gelangten die Festivalfilme ins Repertoire der DDR-Kinos, noch seltener ins DDR-Fernsehen - das Festival blieb lange eine mediale Ausnahme, eine kostbare und widerspruchsreiche.

Zur Wende 1989/90 geriet das Festival schwer ins Trudeln, musste sich im Innersten völlig umorganisieren, seinen Sinn neu bestimmen, und auch die Finanzierung neu justieren. Das gelang durch das Engagement der Stadt Leipzig und die Unerschrockenheit einiger Festival-Patrioten.

Das moderne DokLeipzig, wie das Festival nun heißt, stellt sich den Herausforderungen, die das zeitgenössische Dokumentarfilmschaffen durch alle neuen digitalen Möglichkeiten bereitgestellt bekommt und findet dafür neue experimentelle Formen. Und es macht seit einigen Jahren den Trend vieler Filmfestivals mit: mehr Abspielstellen, dadurch Zerfaserung von Aufmerksamkeiten und weniger Konzentration auf wirklich Bestimmendes. Dem entspricht die Zunahme an Preisen (mit rapide abnehmenden Preisgeldern) und Genremischformen in den Programmen. Damit folgt es auch dem Druck der internationalen Konkurrenz. Folglich wächst die Liste der Sponsoren und Ko-Produktions-Partner. Neue exotische Spielstätten kamen hinzu: der Hauptbahnhof mit seiner voluminösen Osthalle und - noch skurriler - der Knast in Regis-Breitingen, bizarre Umgebungen mit bizarren Umständen.

Das große Zuschauerinteresse hielt auch in den letzten Jahren an. Das Festival als Ort des öffentlichen Austauschs per Film über den Zustand der Welt wird ebenso gebraucht wie die Zuschauergespräche nach den Filmen - sofern sie nicht zum Austausch von Nettigkeiten verkommen.

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