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Oxxo verdrängt den Tante-Emma-Laden

In Mexiko führen neue Konsumgewohnheiten zu neuen Geschäftsmodellen im Einzelhandel

  • Von Knut Henkel
  • Lesedauer: 3 Min.

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»Immer bereit, immer hier« steht unter den vier dicken Buchstaben, die den Schriftzug »Oxxo« bilden. Darunter steht ein übergewichtiger Kunde, der noch einmal an seiner Zigarette zieht, bevor er den Minimarkt im Zentrum von Mexikos Hauptstadt betritt. »Oxxo« heißt Mexikos am schnellsten wachsende Kette von Minimärkten. Ihr in orange, rot und weiß strahlendes Logo ist in großen und kleineren Städten kaum zu übersehen. Wo zwei größere Straßen aufeinander treffen, findet sich in aller Regel ein derartiger Minimarkt - ob mit dem Oxxo-Logo oder dem der Konkurrenz von 7eleven, Extra oder Circulo K sei dahingestellt.

Sicher ist jedoch, dass die kleinen Tante-Emma-Läden, in denen die Besitzer noch bis tief in die Nacht im Einsatz sind und wo viele Nachbarn anschreiben können, langsam aber sicher verschwinden. Das hängt nicht nur damit zusammen, dass sich der Arbeitsrhythmus vieler Mexikaner, sondern auch deren Konsumgewohnheiten und Dienstleistungsansprüche geändert haben. Während früher noch schnell etwas Gemüse, Tortillas und ein paar Sachen zum Kochen gekauft wurden, holt man sich heute oft ein Schnellgericht aus der Tiefkühltruhe oder etwas aus der Imbissabteilung auf die Hand.

Im Vergleich zu anderen lateinamerikanischen Ländern ist der Konsum von Fast Food und Softdrinks in Mexiko besonders hoch. Darauf bauen die Läden auch ihr Geschäftsmodell auf. Bei ihnen wird die kleine Stärkung zwischendurch genauso angeboten wie alkoholische Getränke und ein Kontoservice. Dabei hat sich Oxxo laut der Analyse der Nichtregierungsorganisation CGAP zu einem Vorreiter in Sachen Bankzugang für ärmere Schichten entwickelt. So hat das Unternehmen mit seinen 16 000 Shops seit der Einführung des Bankzugangs im Jahre 2012 fünf Millionen neue Konten eröffnet.

Mehr als sieben Millionen Transaktionen werden jeden Monat über die sogenannten Saldazo-Konten abgewickelt. Diese sind in Kooperation mit der mexikanischen Großbank Banamex entwickelt worden und funktionieren wie eine Minikreditkarte, mit der neben Einkäufen bei Oxxo etwa auch Telefon-, Strom- und andere Rechnungen bezahlt werden können. Obendrein können Geldanweisungen von Familienangehörigen im Ausland empfangen werden.

Es ist ein intelligentes Konzept, das für hohe Kundenbindung sorgt und den veränderten Arbeitsrealitäten in Mexiko Rechnung trägt. Vor allem in den großen Städten steigt die Zahl der Berufstätigen, die zwei oder drei Jobs brauchen, um ihre Familie ernähren zu können. Da fehlt es oft an Zeit zum normalen Einkauf, aber auch zum Gang zur Bank. Ein Minimarkt an der Ecke, wo sich derartige Dinge am Terminal abwickeln lassen und wo, so ein neuer Service, auch Pakete vom Onlinehändler Amazon angenommen werden, zeugen davon wie einfallsreich die Minimarktkette agiert.

»Da können die traditionellen Nachbarschaftsläden nicht mithalten«, bedauert der Soziologe Leobardo Alvarado aus Ciudad Juárez, wo neben Oxxo auch die Kette Superette del Río stark vertreten ist. »Das ursprüngliche Konzept kommt aus den USA. Mexikos Unternehmer haben es übernommen und flächendeckend verbreitet«. So hat das Unternehmen ganz Lateinamerika im Visier. Der Sprung nach Kolumbien ist ihm bereits geglückt.

Das liegt vor allem daran, dass mit dem mexikanischen Coca Cola-Abfüller ein finanzstarker Konzern hinter Oxxo steht, der die Expansion der Minimärkte vorantreibt. So ist Oxxo zum Gigant der Minimärkte geworden. In Mexiko ist der Konzern längst das größte Einzelhandelsunternehmen des Landes und bedient dort jeden Tag 6,5 Millionen Kunden. Deren Zahl soll weiter steigen, denn die Kette setzt auf Expansion und hat schon angekündigt auch das eigene Tankstellennetz in den nächsten Jahren weiter auszubauen. Dabei wird natürlich das Minimarktmodell integriert.

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