Werbung
  • Berlin
  • Deutsch-Russische Museum

Ein Haus mit Brückenfunktion

Das Deutsch-Russisches Museum wird 50 und richtet den Blick vor allem auch nach vorn

  • Von Tomas Morgenstern
  • Lesedauer: 4 Min.

Bei uns droht die ABOkalypse!

Wir brauchen zahlende Digitalleser/innen.

Unterstütze uns und überlasse die Informationsflanke nicht den Rechten!

Mach mit! Dein freiwilliger, regelmäßiger Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Karlshorst, Zwieseler Straße 4 - eine altersgraue Villa inmitten eines Parks, daneben ein T-34-Panzer, ein Veteran der Kämpfe um Berlin, geschmückt mit einem Gebinde in den Farben Russlands. Hier hat das Deutsch-Russische Museum seinen Sitz. Vor 50 Jahren wurde es als »Museum der bedingungslosen Kapitulation des faschistischen Deutschland im Großen Vaterländischen Krieg 1941-1945« eröffnet, am 5. November 1967 aus Anlass des 50. Jahrestages der Oktoberrevolution.

Das Museum wird das Jubiläum am 3. November mit einer Festveranstaltung begehen mit Partnern, Unterstützern und Freunden. Und mit einer besonderen Ausstellung, die aus diesem Anlass eröffnet wird. »Unsere drei Leben - 50 Jahre Museum Berlin-Karlshorst« lautet ihr Titel.

»Es ist eine Werkstattausstellung zur Geschichte unseres Museums«, erklärt Jörg Morré, der Direktor des Museums dem »nd«. »Dafür haben wir unser Depot geöffnet und zeigen Objekte, die sonst selten oder nie zu sehen sind.« Die Exponate illustrieren die drei Phasen, die das Museum in seiner wechselhaften Geschichte durchlaufen hat. Das ist laut Morré zunächst die Zeit ab 1967 als »Kapitulationsmuseum«, von der das Haus bis heute vornehmlich zeugt. Gefolgt von jener Periode der Unsicherheit, die markiert war vom Ende der DDR und vor allem der UdSSR 1991, sowie vom russischen Truppenabzug bis 1994. »Die Sammlung des Museums ist Eigentum des Zentralen Museums der Streitkräfte der Russischen Förderation«, erinnert der Direktor. Ab 1991 erarbeitete eine deutsch-sowjetische, später deutsch-russische Expertenkommission eine Konzeption für eine neue Dauerausstellung, die am 10. Mai 1995 eröffnet wurde. »Den dritten Abschnitt markiert das Jahr 2013 mit der Eröffnung unserer aktuellen Dauerausstellung ›Deutschland und die Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg‹, die in vierjähriger Zusammenarbeit der Vertreter aller beteiligten Trägernationen zustande kam.« Das waren zunächst Deutschland, das die Kosten trägt, und Russland, ab 1997 die Ukraine und seit 1998 Weißrussland. »Und trotz aller unterschiedlichen Positionen funktioniert die interne Zusammenarbeit bis heute gut«, betont der Museumschef. Zum 50. Jahrestag des Museums geht nun eine neugestaltete Homepage an den Start.

Die Werkstattausstellung zeigt besondere Exponate, wie den originalen Berliner Kapitulationstisch, an dem am 2. Mai 1945 in Tempelhof die Kapitulation der Berliner Garnison ausgehandelt wurde. »Wir zeigen auch Objekte aus dem Privatbesitz von Generaloberst Stumpff, der am 8. Mai 1945 in Karlshorst als Vertreter der Luftwaffe die Kapitulation unterzeichnet hat und die die Witwe unserem Museum geschenkt hat«, so Morré. Bei alledem ist und bleibt das wichtigste »Exponat« das Gebäude selbst, ein authentischer Ort, an dem Weltgeschichte geschrieben wurde. »Das wirklich Wertvolle, der Kern, ist der historische Ort, der Saal der Kapitulation«, sagt Jörg Morré. »Da sind wir Gedenkstätte.« Der Ort, an dem in Berlin am Abend des 8. Mai 1945 - darauf hatte die Sowjetunion bestanden - die Deutsche Wehrmacht vor den Vertretern der Oberkommandierenden der Siegermächte UdSSR, USA, Großbritannien und Frankreich bedingungslos zu kapitulieren hatte, befand sich im Offizierskasino der einstigen Pionierschule der Wehrmacht in Karlshorst. Von 1945 bis 1949 wurde er zum Sitz der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland, dann bis 1967 militärisch genutzt.

»Unser Haus ist derzeit ein vor allem deutsch-russisch arbeitendes Museum«, sagt Jörg Morré. »Wir konservieren den Zustand des Museums von 1967, und wir werden auch weiterhin die Waffen des Sieges zeigen. Und wir konzentrieren uns auf den Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion.« 50 000 Besucher zählt es im Jahr.

Was bringt die Zukunft? »Derzeit bereiten wir eine Internet-Datenbank vor, die alle Standorte der sowjetischen Streitkräfte in Deutschland erfasst. Bis 2019, 25 Jahre nach Abschluss des Truppenabzugs, soll sie voll auskunftsfähig sein«, sagt Morré und verrät: »Wir stellen derzeit alle Ortschaften zusammen, an denen sich russische Gräber auf deutschem Boden befinden. 3500 haben wir in Ost und West erfasst.« Das geschieht parallel zur vor zweieinhalb Jahren entstandenen Seite »Sowjetische Kriegsgräberstätten in Deutschland« (sowjetische-memoriale.de), die derzeit 4117 Grabstätten sowjetischer Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft auflistet. »Hierzulande sind vielleicht 1,5 bis zwei Millionen Sowjetbürger bestattet, die 1945 im Kampf gefallen oder bis dahin als Kriegsgefangene oder Zwangsarbeiter gestorben sind«, so Morré. »Doch es gibt in Deutschland auch 18 Friedhöfe, auf denen Menschen ruhen, die nach 1945 während ihrer Dienstzeit gestorben sind.«

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!