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Die Elite ist westdeutsch

Forscher spricht von »Netzwerken der Macht«

  • Lesedauer: 3 Min.

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Berlin. Der Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung, Thomas Krüger, hat die Dominanz der Westdeutschen in den Eliten kritisiert. »Auch wenn es auf den ersten Blick mit Angela Merkel (CDU) als Kanzlerin und dem ehemaligen Bundespräsidenten Joachim Gauck anders aussieht: In der Fläche wird die Dominanz der Westdeutschen in den Eliten immer noch als kultureller Kolonialismus erlebt. Und das ist ein Problem«, sagte Krüger der »Berliner Zeitung«. Denn »der Anteil der Ostdeutschen und ihre Identität werden dabei häufig überlagert«.

Aus eigener Erfahrung berichtete Krüger: »Als ich im Jahr 2000 in den Job nach Bonn gewechselt bin, habe ich die Anzahl der Ostdeutschen verdoppelt. Aus einem Ostdeutschen wurden zwei - von 200 Mitarbeitern insgesamt.« Das sei für beide Seiten gewöhnungsbedürftig gewesen. »Es prallen einfach unterschiedliche Erfahrungen und kulturelle Praktiken aufeinander. Man muss viel reden«, sagte der Chef der Bundeszentrale für politische Bildung.

Forscher weisen immer wieder darauf hin, dass Menschen, die in der DDR aufgewachsen sind, in Spitzenpositionen unterrepräsentiert sind. Besonders wenige Bürger ostdeutscher Herkunft seien in Elitepositionen in der Justiz, im Militär und in der Wirtschaft anzutreffen, sagte Raj Kollmorgen, Professor für Management sozialen Wandels an der Hochschule Zittau/Görlitz, dem »neuen deutschland«. Hier betrage der Anteil der Ostdeutschen gerade einmal ein bis zwei Prozent. Dabei seien insgesamt etwa 17 Prozent aller Bundesbürger ostdeutscher Herkunft. Zu den Spitzenjobs in diesen Bereichen gehören etwa Bundesrichter, Generäle und Vorstandvorsitzende der großen börsennotierten Unternehmen.

Ein Grund dafür, dass Ostdeutsche selten solche Positionen erlangen, seien »Netzwerke der Macht«, erklärte der Soziologe Kollmorgen: Ostdeutsche konnten vor 1990 nicht Mitglied solcher Netzwerke sein und hätten es später schwer gehabt, reinzukommen. Denn die Mächtigen neigten dazu, Menschen aus ähnlichen Milieus in ihre Netzwerke aufzunehmen. Deswegen hätten es beispielsweise auch Frauen und Menschen mit Migrationshintergrund schwer, in Top-Positionen zu gelangen.

Kollmorgen plädiert dafür, »Aufstiegskanäle zu öffnen« und unterschiedliche Menschen beim Aufstieg zu unterstützen: Nicht nur westdeutsche Männer, sondern auch Frauen, Ostdeutsche und Migranten.

Unter den Eliten im staatspolitischen Sektor seien Ostdeutsche einigermaßen angemessen repräsentiert, so Kollmorgen. Hierbei geht es etwa um Bundes- und Landesminister, parlamentarische Staatssekretäre und Fraktionsvorstände.

Bemerkenswert sei noch etwas anderes: In den neuen Bundesländer haben rund 85 Prozent der Bürger eine ostdeutsche Herkunft. In den dortigen Landesparlamenten sei jedoch der Anteil der Abgeordneten mit ostdeutscher Herkunft von 85 Prozent auf rund 80 Prozent gesunken. Dieser Rückgang sei auch relevant für die Besetzung von Spitzenpositionen. Denn parlamentarische Staatssekretäre oder Fraktionschefs werden nun mal unter Abgeordneten rekrutiert.

Viele Ostdeutschen hätten ein Misstrauen gegenüber dem demokratischen System, so Kollmorgen. Das zeigten Umfragen und die AfD-Erfolge. Die Skepsis gegenüber demokratischen Institutionen verharre auf der Ebene der Empörung und münde nicht in politischem Engagement. Wichtig sei deswegen, zivilgesellschaftliches und politisches Engagement zu stärken. rt/Agenturen

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