Alltag im Ausnahmezustand

Das ostukrainische Separatistengebiet kommt immer mehr ohne Kiew aus - in Nikischyno und Donezk

  • Von André Widmer, Donezk
  • Lesedauer: ca. 6.0 Min.

Rund drei Jahre und kein Fortschritt. Zwischen Sommer 2014 und Februar 2015 verlief die Frontlinie zwischen der ukrainische Armee und den prorussischen Separatisten quer durch die kleine Ortschaft Nikischyno. Sie liegt etwa 80 Kilometer nordöstlich von Donezk und damit in dem von prorussischen Separatisten gehaltenen Teil der Ostukraine. Etwa 80 Prozent der Häuser wurden damals beschädigt. »Es hat sich nicht viel geändert, nur zwei Häuser wurden teilweise wieder aufgebaut«, erzählt eine Frau, die gerade aus einem Container im Dorfzentrum tritt. Sie kommt aus einem Ambulatorium, in dem die Dorfkrankenschwester ihre Sprechstunden abhält.

In diesem Dorf, das vor dem Krieg 700 Einwohner hatte und in dem jetzt noch rund 250 Menschen leben, sind ganze Straßenzüge zerstört. Die Schule ist schwer beschädigt, das Jugendkulturhaus ebenfalls. Die Frau, die ihren Namen nicht nennen mag, zeigt ihre Behausung: Sie lebt in ihrem etwas umgebauten...

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