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Ein Fonds für die Piloten

Gewerkschaft Cockpit unterstützt Beschäftigte europäischer Fluggesellschaften

  • Von Rainer Balcerowiak
  • Lesedauer: 3 Min.

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Piloten gelten allgemein als privilegierte Berufsgruppe. Sie erhalten weit überdurchschnittliche Gehälter, hohe Altersbezüge und sind zudem umfassend gegen Dienstunfähigkeit abgesichert. Ihre Gewerkschaften - in Deutschland ist es die Vereinigung Cockpit (VC) - haben einen hohen Organisationsgrad und eine große Durchsetzungsmacht, da sie den Unternehmen im Fall von Streiks empfindliche finanzielle Einbußen bescheren können.

Was auf die Piloten der Lufthansa und einiger anderer großer Unternehmen aber nach wie vor zutrifft, ist bei den boomenden Billigairlines kaum der Fall. Im Gegenteil: Besonders bei Ryanair, aber auch bei ebenfalls europaweit operierenden Gesellschaften wie Vueling (Spanien) und Wizz (Ungarn) sind schlechte Bezahlung, prekäre Arbeitsverhältnisse und rigoroses Vorgehen gegen »aufmüpfige« Mitarbeiter an der Tagesordnung. Cockpit will sich daher an einer Crowdfunding-Kampagne der ECA (European Cockpit Association) beteiligen. Ziel ist die Schaffung eines Fonds, aus dem Piloten unterstützt werden sollen, die aufgrund ihres Eintretens für höhere Löhne, bessere Arbeitsbedingungen und gewerkschaftliche Rechte von Repressalien bis hin zur Kündigung bedroht sind. »Wir stehen hinter euch. Das ist alles, was wir mit diesem Fonds denjenigen sagen wollen, die vielleicht von der Angst vor Repressalien zurückgehalten werden und sich sorgen, dass ihre Bemühungen, die Pilotengemeinschaft zu organisieren, ihnen eine Kündigung einbringt«, erklärte dazu VC-Sprecher Markus Wahl. Es gebe genug Beispiele von Pilotenvertretern, »die es gewagt haben aufzustehen, und die dann herausgegriffen, gemaßregelt oder gefeuert wurden«.

Besonders krass seien die Verhältnisse bei Ryanair, sagte Wahl im Gespräch mit dem »nd«. Die Gestaltung der Arbeitsverträge lasse vielen Kollegen kaum Spielraum für Widerstand gegen Unternehmerwillkür, da das deutsche Kündigungsschutzrecht dort nicht greife. Die bei den großen deutschen Unternehmen beschäftigten Piloten und Flugbegleiter hätten dagegen einen relativ gesicherten Status. Dies gelte auch für Easyjet. Die Fluggesellschaft will derzeit ebenfalls Flugzeuge, Routen und Flugpersonal von der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin übernehmen.

Probleme sieht Wahl allerdings bei der Lufthansa-Billigtochter Eurowings, die den Zuschlag für den Löwenanteil des bisherigen Flugbetriebs von Air Berlin erhalten hat. Denn deren Mitarbeiter würden nicht übernommen, sondern müssten sich individuell bewerben. Es sei daher zu befürchten, dass Piloten, die bereits bei Air Berlin aktiv für die Interessen ihrer Kollegen eingetreten sind, dabei aussortiert würden. Das gelte auch für ältere Piloten mit langer Diensterfahrung, die höhere Vergütungsansprüche hätten als jüngere.

Nicht nur für Cockpit, sondern auch für die anderen beiden bei den Airlines engagierten Gewerkschaften ver.di (Bodendienste, Verwaltung, Wartung) und UFO (Flugbegleiter) ist das einer der Hauptkritikpunkte am Verkauf von Air Berlin in der jetzigen Form. Denn die Übernahme ganzer Geschäftsbereiche stellt nach Ansicht vieler Arbeitsrechtler eigentlich einen Betriebsübergang dar, der den betroffenen Mitarbeitern nicht nur die Übernahme, sondern auch die bisherige Vergütung und weitere Sozialleistungen garantieren würde. Doch das, so Wahl, wollte die Lufthansa unter allen Umständen vermeiden, und das sei ihr auch gelungen.

Ausgestanden ist der Konflikt aber noch nicht. Cockpit geht davon aus, dass einige Ex-Air-Berlin-Piloten nach Einstellung bei Eurowings entsprechende Klagen einreichen werden. Auch das könnte ein Fall für den Unterstützungsfonds sein.

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