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Etwa 1500 Flüchtlinge aus Seenot gerettet

Die »Aquarius« von Ärzte ohne Grenzen nimmt hunderte Menschen an Bord / Flucht über die Ägäis nimmt wieder zu

  • Lesedauer: 4 Min.

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Berlin. In den vergangenen Tagen wurde bei mehreren Rettungsaktionen etwa 1500 Geflüchtete im Mittelmeer aus Seenot gerettet. Laut Ärzte ohne Grenzen hat allein das Rettungsschiff »Aquarius« 588 Menschen aufgenommen und am Freitag in den Hafen Vibo Valentia in Italien gebracht.

Die Hilfsorganisation sprach von einer dramatischen Rettung, bei der trotz aller Bemühungen mehrere Menschen ertrunken seien. Sie habe sich »schlagartig in einen Albtraum verwandelt, als eines der drei mit Männern, Frauen und Kindern überladenen Schlauchboote kenterte und Dutzende ins Meer fielen«, erklärte Seif Khirfa, der für Ärzte ohne Grenzen an Bord des Rettungsschiffes ist. Die Teams hätten den Menschen Rettungswesten zugeworfen und viele aus dem Wasser gezogen. Bei dem Einsatz wurden »keine Leichen geborgen - aber wir sahen Menschen untergehen«, heißt es weiter. Genaue Angaben über die Zahl der Ertrunkenen und Vermissten lägen jedoch nicht vor.

Die meisten Geflüchteten hätten zuvor Libyen durchquert, so die Hilfsorganisation. Unter ihnen seien auch Menschen, die im Bürgerkriegsland durch Misshandlungen verletzt worden waren. Die Europäische Union müsse »dringend für sichere und legale Fluchtwege sorgen«, damit die »verzweifelten Menschen nicht mehr ihr Leben auf dem Mittelmeer riskieren müssen«, fordert Ärzte ohne Grenzen.

In der Nacht zum Freitag sind unterdessen bei der Havarie eines Bootes in der Ägäis mindestens drei Geflüchtete ertrunken. Wie die griechische Hafenpolizei mitteilte, kenterte das mit rund 20 Menschen besetzte Boot vor der Insel Kalymnos. 15 Menschen konnten gerettet werden.

Seit August flüchten wieder mehr Menschen über die Ägäis nach Griechenland - in den vergangenen Wochen waren es rund 5.000 Menschen, die meisten von ihnen stammen aus Syrien, Irak und Afghanistan. In der schmalen Passage zwischen der Türkei und den Ägäischen Inseln waren 2015 und 2016 hunderte Geflüchtete ertrunken. Im Zuge des sogenannten Flüchtlingsabkommens zwischen der EU und der Türkei war der Fluchtweg im März 2016 praktisch geschlossen worden.

Die italienische Küstenwache hat im Rahmen der EU-Marine-Mission »Sophia« in den vergangenen Tagen indes rund 900 Geflüchtete aus der Seenot gerettet. Bei acht Einsätzen vor der libyschen Küste wurden in einem der Schlauchboote zudem sieben Tote gefunden, wie die Küstenwache mitteilte. Auch ein Kriegsschiff der Bundeswehr war daran beteiligt. Die Marine beteiligt sich seit 2015 an »Sophia« und hat seitdem insgesamt 21.616 Menschen aus Seenot gerettet.

Nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) flüchteten rund 150.000 Menschen zwischen Januar und Oktober über das Mittelmeer. Das sind weniger als halb so viele, wie es 2016 im selben Zeitraum waren. Mindestens 2.800 Menschen starben laut IOM in diesem Jahr bei der Überquerung des Mittelmeers oder sind vermisst. Die Dunkelziffer könnte jedoch deutlich höher liegen.

Mehr als 110.000 Menschen kamen nach Angaben des Flüchtlingshilfswerks UNHCR in Italien an. Die meisten Geflüchteten sind aus Nigeria, Syrien, Guinea und Côte d'Ivoire. Seit August erreichen deutlich weniger Menschen Italien. Im September waren es rund 6.300 Menschen, im Oktober knapp 6.000. Im Mai und Juni lagen die Zahlen mit je rund 23.000 um ein Vielfaches höher. Die Entwicklung wird darauf zurückgeführt, dass die libysche Küstenwache - auch mit Unterstützung der italienischen Marine - die Hoheitsgewässer kontrolliert und Geflüchtete zurück nach Libyen bringt.

Die Seenotrettungsorganisation Sea Watch verkündete derweil den Start einer Mission mit einem neuen Rettungsschiff, das mit 55 Meter Länge und 500 Tonnen Gewicht zu jeder Jahreszeit einsatzbereit sei. Das neue Rettungsschiff spiele gerade für den kommenden Winter eine wichtige Rolle für die zivile Rettungsflotte, da sie deutlich mehr Sicherheit biete, um auch bei schwerem Wellengang zu operieren. »Auf ihr können wir auch deutlich mehr Gerettete über einen längeren Zeitraum an Bord angemessen versorgen«, sagte Pia Klemp, Kapitänin der Sea-Watch 3. Die Rettungseinsätze auf dem Mittelmeer seien in den letzten Monaten schwieriger und gefährlicher geworden, vor allem aufgrund der Übergriffe durch die EU-finanzierte libysche Küstenwache, kritisiert die Seenotrettungsorgansiation. Einige zivile Retter hatten deshalb ihre Missionen auf dem Mittelmeer eingestellt. Agenturen/nd

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