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Unter Rassisten und Spaß dabei

Die Showtime-Serie »White Famous« zeichnet ein lustiges, aber wahrhaftiges Bild vom Alltagsrassismus in den USA.

  • Von Jan Freitag
  • Lesedauer: 3 Min.

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Die Begrüßung zweier Menschen ist heutzutage voller Fallstricke. War einst der Händedruck Standard, kann man nun auf viele Arten Kontakt aufnehmen. Die Ghetto-Fist etwa hat es aus der schwarzen Subkultur längst in den weißen Mainstream geschafft - sofern man sie unfallfrei beherrscht. Beim Filmemacher Jason Gold geht der Rapper-Gruß horizontal aufeinandertreffender Fäuste, die zugleich Kampfkraft und Verbundenheit bezeugen, daneben, als er zum Casting in ein Szene-Café von L.A. bittet, und es ist dabei nicht unerheblich, dass es sich bei denen, die da erstmals aufeinandertreffen, um einen Weißen und einen Farbigen handelt. Schließlich dreht sich in der Sky-Serie »White Famous« alles irgendwie um die Hautfarbe der Protagonisten. Genau das macht sie so großartig.

Und relevant. Es geht um den Komiker Floyd Mooney, gespielt von Jared Farrow, der unterm Pseudonym Jay Pharoah auch real zu den Stars im US-amerikanischen Stand-up-Gewerbe zählt. Und so wichtig dem fiktionalen Comedian der Erfolg ist, so obsessiv verbeißt er sich in die soziale Ungleichheit der US-Gesellschaft. Ob auf der Bühne oder im Bett, unter Freunden oder Kollegen - stets wittert der coole Possenreißer Alltagsrassismus seiner Mitmenschen und macht daraus Witze für seinesgleichen, also die schwarze Community, meist auf Kosten der Weißen im Publikum.

Um das zu ändern, bittet ihn der eingangs erwähnte Regisseur nach der versemmelten Ghettofaustbegrüßung, in einer Komödie mitzuspielen, die auch jenseits der eigenen Filterblase funktionieren könnte. Mit Floyds Antenne für jeden noch so kleinen Anflug von Vorurteilen jedoch endet das Projekt im Gewitter wechselseitiger Vorwürfe. Bis er vom Produzenten mit einem Parkplatzwärter verwechselt wird. Beim Versuch, das geradezubiegen, verheddert sich der mächtige Stu Beggs (Stephen Tobolowsky) in herkunftsbezogener Voreingenommenheit, was Floyds Kumpel Ron (Jacob Ming-Trent) auf Handy festhält, ins Netz stellt und den politisch unkorrekten Kinomogul somit in der Tasche hat.

Was dann folgt, ist ein Beleg dessen, zu welch bizarrem Aberwitz das angloamerikanische Serienfernsehen in der Lage ist, ohne dabei den Ernst der Dinge zu vergessen. Bevor sich am Ende des ersten von zehn Teilen die Studiotür hinter Floyd schließt, trifft er unter anderem Oscar-Gewinner (und Produzent) Jamie Foxx als Oscar-Gewinner (und Episodenstar) Jamie Foxx, der ihm beim Sex in der Garderobe (»ich probe nur«) erklärt, warum der Neuling über seinen Schatten springen und die Hausmeisterin eines schwarzen Staatsanwalts spielen sollte, der das erste Vergewaltigungsopfer von Bill Cosby anklagt.

Das ist vom Drehbuch bis zur Ausführung hinreißend komisch, aber eben auch wahrhaftig. Denn der Rassismus, den Floyd Mooney überall sieht, mag manchmal überdreht wirken; gerade in Zeiten eines US-Präsidenten wie Donald Trump jedoch steckt in jedem Witz weit mehr als nur ein Körnchen Realität. Dass daraus mehr geworden ist als eine Nummernrevue feuilletonistischer Überlegenheitsgesten, dafür sorgt allerdings Showrunner Tom Kapinos (»Californication«). Mit Floyd hat er einen Sympathieträger kreiert, der zwar schlagfertig, cool, prinzipientreu, selbstlos, menschenfreundlich und ein guter Vater ist, aber eben auch selbstgerecht, ruhmsüchtig, impertinent, zynisch, infantil und ein (wenngleich sehr charmanter) Sexist. Auf so viele Schichten nur einer einzigen Figur dürften wir aus deutscher Produktion vermutlich noch lange warten.

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