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  • Politik
  • Paradise Papers in den Medien

Zweierlei Empörung

Die Paradise Papers und der Widerhall bei ARD und »Bild«

  • Von Jürgen Amendt
  • Lesedauer: 3 Min.

Die Platzierung von Themen in einem Medium sagen immer auch etwas über die politische Schwerpunktsetzung des jeweiligen Mediums aus. Als etwa bild.de vergangene Woche reißerisch auf seiner Startseite ganz oben titelte: »30.000 abgelehnte Asylbewerber spurlos verschwunden«, war klar, in welche gedankliche Reise das Medium seine Leserinnen und Leser mitnehmen will. Zwar stellte sich die von »Bild« behauptete Zahl von 30.000 Asylbewerbern, über deren Aufenthaltsort die deutschen Behörden angeblich nichts wissen, mittlerweile als falsch heraus, doch »Bild« hatte die Empörungsmaschine angeworfen und in den sozialen Netzwerken wurde daraufhin (auch befeuert durch einen weiteren Artikel über die angebliche Kostenexplosion bei den finanziellen Hilfen für Asylsuchende) gegen Flüchtlinge gehetzt.

Enthüllungen als Randthema

Nun gibt es auch andere Aufreger-Themen - zum Beispiel die Enthüllungen des Journalistennetzwerks ICIJ über die Paradise Papers. Die ARD widmete diesem Thema am Sonntagabend nach dem »Tatort« gut zwei Stunden, unterbrochen nur durch die »Tagesthemen«, die sich allerdings ebenfalls hauptsächlich mit den Paradise Papers beschäftigten. Bei bild.de musste man auf der Startseite schon ein gutes Stück nach unten scrollen, um auf die den Inhalt der ICIJ-Enthüllungen in die bloße Vermutung setzende Schlagzeile »Neues Leck enthüllt angebliche Steuerhinterziehung« zu stoßen.

Dass die ARD dem Thema soviel Sendezeit einräumte, hängt auch mit der Person von Christoph Lütgert zusammen. Der 72-Jährige war von 1993 bis zu seinem Ruhestand 2010 Chefreporter des NDR und hat unter anderem das Politik-Magazin »Panorama« im Ersten jahrelang moderiert. Als »Rentner« hat er als Investigativreporter etwa an der Enthüllung der 2016 veröffentlichten Panama Papers mitgearbeitet, bei denen es um Korruption, Geldwäsche und Steuerhinterziehung in großem Maßstab ging. Für seine in der ARD ausgestrahlte Reportage »Panama Papers - im Schattenreich der Offshorefirmen« erhielt Lütgert in diesem Jahr den Deutschen Fernsehpreis in der Kategorie »Beste Information«.

Netzwerk gegen Korruption

Lütgert ist nur einer von weltweit Hunderten von Journalisten, die in dem Netzwerk ICIJ zusammenarbeiten. Die Abkürzung ICIJ steht für »International Consortium of Investigative Journalists«. Ins Leben gerufen wurde das Netzwerk 1997 von dem US-amerikanischen Journalisten Chuck Lewis als Projekt des Center for Public Integrity (CPI), das Lewis bereits 1989 gegründet hatte. Ziel des CPI ist es laut Eigendarstellung, »Machtmissbrauch, Korruption und Pflichtversäumnis einflussreicher öffentlicher und privater Institutionen offenzulegen«. Seine Berichte veröffentlicht das CPI im Internet oder übergibt sie an die Medien. Finanziell wird es von mehreren Stiftungen unterstützt, darunter die 1936 mit Mitteln des US-Autobauers Henry Ford gegründete Ford Foundation, die sich die Verbreitung der Demokratie, die Förderung der internationalen Zusammenarbeit und die Reduzierung der Armut auf die Fahnen geschrieben hat.

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