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Tiefe Einblicke in Venezuelas bewegte Geschichte

Zum dreizehnten Mal präsentiert sich das südamerikanische Land in Frankfurt/Main mit aktuellen Filmen

  • Von Ute Evers, Frankfurt/Main
  • Lesedauer: 4 Min.

Seit Monaten sind alle Augen auf Venezuela gerichtet. Das Medieninteresse für das Land ist anhaltend groß. Doch wie auch immer die politische Positionierung ist, wird dabei gerne übersehen, dass das Leben nicht nur aus Politik besteht, sondern dort - trotz der hier vermittelten Untergangsstimmung - weiterhin Filme produziert werden, und zwar erfolgreich! Fünfzig internationale Auszeichnungen gab es für venezolanische Produktionen in diesem Jahr bereits.

So wird das Festival »Venezuela im Film - Qué chévere« vom 9. bis 12. November die Erfolgsgeschichte des venezolanischen Films in Frankfurt/Main fortsetzen. Zum nunmehr dreizehnten Mal ist es den Organisatoren gelungen, venezolanische Produktionen nach Deutschland zu holen, die Eindrücke davon geben, was die jungen wie auch etablierte Filmemacher beschäftigt. Veranstaltungsort ist das Filmforum Höchst.

Allen voran ist die venezolanisch-kolumbianische Produktion »El Amparo« zu nennen, das erfolgreiche Erstlingswerk des 1975 geborenen Regisseurs Rober Calzadilla. Mit bisher dreizehn internationalen Preisen ist es schon jetzt einer meist prämierten venezolanische Filme des Jahres 2017. Mit Vicente Quintero und Giovanni García in den Hauptrollen, beruht der Film auf einer wahren Begebenheit, die sich 1988 an der kolumbianisch-venezolanischen Grenze abspielte: ein Massaker, das bis heute die Menschen bewegt. Der unabhängig gedrehte Film, der am 15. Oktober seinen Start in den venezolanischen Kinos hatte und nunmehr seine deutsche Erstaufführung am Main feiert, wird Februar im Wettbewerb um den spanischen Filmpreis Goya 2018 für Venezuela antreten - in der Kategorie Bester Iberoamerikanischer Film.

Der Eröffnungsfilm »Azú« von Luis Alberto Lamata taucht ein in die afro-venezolanische Historie des Landes. Er spielt im Jahr 1780 und widmet sich dem Sklavenaufstand um das rebellische Sklavenmädchen Azú, ausgezeichnet dargestellt von Flora Sylvestre Joseph. Für Lamata »ist der sogenannte historische Film so aktuell wie jener, der zeitgenössische Themen behandelt. Selbst wenn dich die Vergangenheit nicht interessiert, wird sie immer unter uns sein. Azú ist uns so nah wie das Aktuellste, das in den sozialen Netzwerken erzählt wird«, erklärt Lamata. »Ihr Wettlauf um die Freiheit und ein unabhängiges Leben ist in ihren Nachfahren, also bei uns, allgegenwärtig. Für mich läuft Azú noch immer in den Straßen meiner Umgebung herum.« 1959 geboren, gehört Lamata ohne Zweifel zu den bedeutendsten Filmemachern des Landes. In Deutschland machte sich er mit seinem Spielfilm »Jericó« einen Namen, der 1992 im Rahmen der 42. Internationalen Filmfestspiele Berlin, heute Berlinale, präsentiert wurde.

Mit starken Frauen geht es in einem Dokumentarfilm-Doppel weiter: »Cecilia y las muchachas« von Alfredo Anzola und Gabriela G. Fuentes. In »Cecilia« erzählt die hundertjährige Cecilia Martínez über das Aufkommen des Fernsehens, das der venezolanischen Frau den Zutritt in die öffentliche Sphäre ermöglichte. In »Las Muchachas« retten vier Großmütter eine in keinem Buch erzählte Geschichte vor der Vergessenheit: Die Militanz und der Widerstand junger Frauen gegen die Diktatur von Marcos Pérez Jiménez in den 1950er Jahren. Die historischen Originalaufnahmen und das Archivmaterial machen beide Dokumentarfilme zu spannenden und lehrreichen Zeugnissen.

Die diesjährige venezolanische Filmschau richtet den Blick in einem abschließenden Spezialprogramm auf die Anfänge der venezolanischen Kinematografie. 1897, also vor 120 Jahren, liefen die ersten bewegten Bilder in Maracaibo über die Leinwand. In Frankfurt/Main werden nun nun fünf von der Fundación Cinemateca Nacional restaurierte und digitalisierte Kurzfilme aus den Jahren 1919 bis 1939 gezeigt. Nicht nur für Filmliebhaber wird es ein Vergnügen sein, diese in Schwarz-Weiß und teilweise noch als Stummfilm restaurierten Filme zu sehen.

Hinter dem Festival steht die bewährte Zusammenarbeit zwischen dem Filmforum, dem venezolanischen Generalkonsulat in Frankfurt/Main und dem venezolanischen Filminstitut CNAC. In diesem Jahr haben sich als Partner der Vertrieb Amazonia Films und die Fundación Cinemateca Nacional aus Caracas dazugesellt.

Das diesjährige Festival »Venezuela im Film - Qué chévere« findet vom 9. bis 12. November im Filmforum Höchst in Frankfurt/Main, Emmerich-Josef-Straße 46a, statt. Mehr Informationen zur Filmschau im Internet unter: www.filmforum-höchst.com

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