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Trumps miese Bilanz

59 Prozent der US-Bürger sind unzufrieden mit ihrem Präsidenten

  • Von Olaf Standke
  • Lesedauer: 2 Min.

Die Woche seines ersten Jahrestags im Weißen Haus war nicht unbedingt ein gute für Donald Trump. Die Affäre um die Kontakte seines Teams nach Moskau kam ihm mit der Anklage gegen seinen Wahlkampfchef Paul Manafort und frühere Berater noch ein Stück näher. Für seine Reaktion auf das jüngste Massaker in Texas gab es wie schon nach rechtsradikalen Ausschreitungen in Charlottesville viel Kritik. Und selbst so etwas Harmloses wie die Fütterung von Koi-Karpfen auf der Asien-Reise provozierte jetzt einen Shitstorm. Denn schnell verlor der US-Präsident die Geduld und schüttete gedankenlos die ganze Schachtel Fischfutter in den Teich. »Trump kann nicht einmal richtig Fische füttern«, hieß es empört auf Twitter.

Das noch viel größere Problem: So in etwa regiert er auch - ohne viel Sachkenntnis, sprunghaft, selbstverliebt, mit dem Rechtspopulismus seines Wahlkampfs, voller Machtarroganz. Außenpolitisch vermittelte Trump den Eindruck, ständig mit der Hand am Zünder durch einen Parcours aus Pulverfässern zu stolpern. Was vor allem mit Blick auf den nuklearen Konflikt mit Nordkorea den Zeiger der symbolischen Weltuntergangsuhr gefährlich weiterrücken ließ. Globales Gefährdungspotenzial steckt auch in seiner Ankündigung, aus dem Pariser Klimaabkommen auszusteigen. Drei Viertel der gerade befragten Experten sind der Auffassung, dass Trump mit seiner Politik die Weltwirtschaft negativ beeinflusst.

Innerpolitisch ist ein Jahr nach der Wahl von Trumps großen Versprechen nicht viel geblieben. Eine eigene Gesundheitsreform haben er und die zerstrittenen Republikaner nicht hinbekommen; wenigstes konnten sie »Obamacare« nicht liquidieren. Von der angekündigten Mauer an der Grenze zu Mexiko steht kein Stein, ihre Finanzierung ist völlig offen. Das Einreiseverbot für Muslime stieß immer wieder auf juristische Hürden. Nun versucht es Trump mit der Abschaffung der Green-Card-Verlosung, über die Ausländer an eine Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis gelangen können. Und der Vorschlag zur Steuerreform entlastet vor allem Wohlhabende und Firmen - wobei ein Konzept zu Gegenfinanzierung fehlt, womit weitere Staatsschulden drohen.

Kein Wunder also, wenn trotz niedriger Arbeitslosigkeit und Höhenflügen an der Wall Street laut einer jüngsten repräsentativen Umfrage von »Washington Post« und »ABC News« 59 Prozent der US-Amerikaner mit ihrem Präsidenten unzufrieden sind; die Hälfte gibt ihm gar eine »sehr schlechte« Note. Das sind die bisher miesesten Werte seiner Amtszeit und die zu diesem Zeitpunkt schlechtesten, die es seit Start dieser Umfrage vor 70 Jahren jemals gab.

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