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Das Erbe der Fruchtbringer zu Köthen

In Anhalt entstand vor 400 Jahren Deutschlands erste Sprachakademie

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Köthen. Rolf-Bernhard Essig weiß ganz genau, wovon er spricht, wenn er die Katze aus dem Sack lässt oder Butter bei die Fische gibt. Der Bamberger Experte für Sprichwörter ist Autor, Entertainer, Dozent und Literaturkritiker. Sprache ist seine Leidenschaft, weshalb ihm als Gast in der Köthener »Erlebniswelt Deutsche Sprache« das Herz aufgeht. »Ich sollte zum Tag der deutschen Sprache im September die traditionelle Rede zur deutschen Sprache halten«, sagt er. Doch eine Erkrankung verwehrte ihm die Ehre, die ihm die Neue Fruchtbringende Gesellschaft zu Köthen im Süden Sachsen-Anhalts mit der Einladung erwies. »Aber wir holen das im Februar zum Internationalen Tag der Muttersprache nach.«

Wäre Essig schon vor 400 Jahren auf der Welt gewesen, wäre er mit großer Sicherheit ein sogenannter Fruchtbringer geworden. Einer jener Literaten und Feingeister also, die Ludwig I., Fürst von Anhalt-Köthen (1579-1650), in die 1617 gegründete erste deutsche Sprachakademie berief. Ihr Name: Fruchtbringende Gesellschaft.

»Dass er Frucht und Sprache zueinander in Verbindung setzte, liegt in der vertrauten Bildwelt der Bibel im 17. Jahrhundert begründet«, sagt Uta Seewald-Heeg, die der Neuen Fruchtbringenden Gesellschaft seit ihrer Gründung vor zehn Jahren vorsteht. »Die Gründer haben den biblischen Auftrag, Frucht zu bringen, auf die Sprache Deutsch übertragen, die sie zu einer dem Griechischen und Lateinischen ebenbürtigen Literatursprache entwickeln wollten.«

Die Neue Fruchtbringende Gesellschaft hat heute 350 Mitglieder - verteilt in ganz Deutschland und dem angrenzenden Ausland. Seit 2013 betreut und gestaltet die Gesellschaft die Spracherlebniswelt im Schloss Köthen, schreibt Wettbewerbe für Schüler aus, veranstaltet Sprachtage und pflegt die Sprache in Öffentlichkeit, Politik, Wirtschaft und Wissenschaft.

»Strukturiertes Denken und Sprechen werden in der Gesellschaft immer weniger gefördert und verkümmern dadurch«, sagt Seewald-Heeg. Kinder und Jugendliche, so die Professorin der Hochschule Anhalt, bekommen Sprache heute vielfach portioniert in Sprechblasen oder Kraftausdrücken übermittelt. »Sprache ist der Schlüssel zu unserer Kultur. Wir müssen uns von Zeit zu Zeit unserer Wurzeln und unserer kulturellen Schätze erinnern.« Sprache, sagt die Sprachwissenschaftlerin und Computerlinguistin, sei das wichtigste Instrument zur Wahrnehmung und Gestaltung der Welt. Daher ist die Pflege der Sprache sehr wichtig.

Teile der Erlebniswelt-Ausstellung im Köthener Schloss widmen sich dem Reformator und Bibelübersetzer Martin Luther (1483-1546), andere dem ersten deutschen Berufsschriftsteller Philipp von Zesen (1619-1689). Der erfand für viele Fremdwörter Verdeutschungen, die Eingang in die Sprache gefunden haben. Aus dem Dialekt wurde die Mundart, aus der Passion die Leidenschaft und aus dem Universum das Weltall. Und wer selbst Wörter zusammenbauen möchte, kann das am »Fünffachen Denckring der Teutschen Sprache« von Georg Philipp Harsdörffer (1607-1658) tun - auch interaktiv. »Wortschöpfungen und Wortbildungen gab es damals schon«, sagt Sprichwortexperte Essig begeistert. »Heute spielt man eben Scrabble.«

Im Sommer wurde die Erlebniswelt Deutsche Sprache um das Thema »Übersetzen« erweitert. »Wir wollen«, sagt Seewald-Heeg, »viele Aspekte unserer Sprache präsentieren, damit der Funke richtig überspringt.« dpa/nd

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