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Erst die Dürre, dann die Sintflut

Extremwetterereignisse treffen vor allem arme Länder

  • Von Manfred Hansen
  • Lesedauer: 3 Min.

Die Häufigkeit von Extremwetterereignissen wie Stürmen, Dürren oder Überflutungen nimmt weltweit zu. Vor allem arme Länder auf der Südhalbkugel sind von den Folgen betroffen. Das zeigt der »Klima-Risiko-Index« (KRI), der am Donnerstag von der Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch auf dem Weltklimagipfel in Bonn vorgestellt wurde. Er beruht auf Daten des Rückversicherers Munich Re und des Internationalen Währungsfonds. Die Experten erwarten, dass 2017 das Jahr mit den weltweit größten Schäden durch Extremwetter werden könnte, die jemals registriert wurden.

Laut dem Index war Haiti 2016 am meisten von Extremwetterereignissen betroffen, die im Zuge des Klimawandels stärker werden. Der Karibikstaat erlebte mit dem Wirbelsturm Matthew den stärksten Hurrikan seit über 50 Jahren.

Auch der Inselstaat Fidschi, der die Präsidentschaft der Bonner Konferenz innehat, zählte vergangenes Jahr zu den am stärksten betroffenen Ländern weltweit - er liegt auf Platz 3. »Stürme mit nie zuvor beobachteter Wucht haben Inselstaaten zuletzt verheerend getroffen«, sagte David Eckstein, Co-Autor des Germanwatch-Berichts, der diesmal in der 13. Ausgabe vorgelegt wurde. Fidschi wurde vom stärksten je dort gemessenen Wirbelsturm, »Winston«, heimgesucht.

Auffallend ist laut dem Report, dass in vielen der 2016 am stärksten von Unwetterkatastrophen betroffenen Länder den extremen Regenfällen Dürren voraus gingen. Im südafrikanischen Land Simbabwe, das Platz 2 im Risiko-Index einnimmt, führte das zu dramatischen Überschwemmungen mit circa 250 Todesopfern und Tausenden Obdachlosen.

Eckstein erklärte, dass vor allem für kleinere Staaten die Häufung der Extreme eine kaum zu bewältigende Belastung sei. Der Report zeige, wie wichtig es ist, dass arme Länder sowohl bei der Anpassung an den Klimawandel als auch beim Umgang mit schon nicht mehr zu verhindernden Schäden unterstützt werden. »Gerade auf dieser Weltklimakonferenz unter fidschianischer Präsidentschaft müssen diese Themen ganz oben auf der Tagesordnung stehen«, so Eckstein.

Im Paris-Klimavertrag haben die Industriestaaten den Entwicklungsländern zwar zugesagt, ab 2020 jährlich 100 Milliarden Dollar an Klimafinanzierung zukommen zu lassen, ob diese Summen tatsächlich erreicht werden, ist jedoch unklar.

Im Langfrist-Risiko-Index, der die vergangenen 20 Jahre betrachtet, sind Honduras, Haiti und Myanmar die am stärksten getroffenen Länder. Weltweit starben in dieser Zeit laut Germanwatch mehr als 520 000 Menschen direkt an den Folgen von über 11 000 Extremwetterereignissen. Neun der zehn von 1997 bis 2016 meistbetroffenen Staaten sind Entwicklungsländer mit niedrigem oder unterem mittleren Pro-Kopf-Einkommen. Allerdings macht sich die Häufung des Extremwetters nach den Daten auch in den Industrienationen merkbar. So liegen die USA bezogen aud das Klimarisiko mit 267 Todesopfern auf Rang 10. Deutschland ist im Langfrist-Index nach Frankreich und Portugal die am drittstärksten betroffene Industrienation (Rang 23).

Zu Buche schlagen hier vor allem die lange Hitzewelle 2003 mit mehreren Tausend vorzeitigen Todesfällen, schweren Stürme wie Orkan Kyrill 2007 und die gehäuften »Jahrhunderthochwassern« an Elbe, Donau und Oder. 2016 fielen vor allem Überflutungen und Stürme mit insgesamt 15 Toten und 3,91 Milliarden Dollar Schäden (3,4 Millionen Euro) ins Gewicht.

Effektiver Klimaschutz sei auch »im Eigeninteresse dieser Länder«, resümierte Eckstein.

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