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Ein Puzzlespiel der Intelligenz

Die Max-Planck-Gesellschaft will mit eigenen Exzellenz-Schulen begabte Wissenschaftler fördern. Die Internationalität ist dabei Programm. Von Manfred Ronzheimer

  • Von Manfred Ronzheimer
  • Lesedauer: 4 Min.

Kreative Köpfe sind es, die in der Spitzenforschung den höchsten Wert haben, nicht so sehr materielle Institutsgebäude und Forschungsgeräte. Im Poker um internationale Forschungstalente haben die deutschen Wissenschaftsorganisationen jetzt ein As ausgespielt: die »Max-Planck-Schools«, ein neues Instrument der Begabtenförderung, das es in dieser vernetzten Form bisher noch nicht gab.

Für Martin Stratmann, Präsident der Max-Planck-Gesellschaft (MPG) sind die neuen Stätten für eine »Graduiertenausbildung mit internationaler Strahlkraft« ein Projekt, an dem er seit seinem Amtsantritt an die Spitze der renommierten deutschen Forschungsorganisation gearbeitet hat. Es geht dabei um die »intelligente Vernetzung« von herausragenden Forschungsinstituten unter dem gemeinsamen Leitthema eines innovativen Forschungsfeldes mit den Universitäten, wo die Nachwuchswissenschaftler ihre akademischen Grade erwerben können, und dies quer durch die Republik und mit internationaler Ausstrahlung. Ein Puzzlespiel der Exzellenz.

»Deutschland hat an verschiedenen Standorten Spitzenleute in der Wissenschaft. Diese Verteilung ist gesellschaftlich und vor allem auch wirtschaftlich betrachtet von großem Vorteil«, sagte Stratmann vor wenigen Wochen bei der Vorstellung der ersten Max-Planck-Schools. »Aber wenn wir im internationalen Wettbewerb um die kreativsten Köpfe bestehen wollen, dann müssen wir diese Exzellenz bündeln, um sie sichtbarer zu machen.«

Von einer Jury, der neben Stratmann auch der Vorsitzende der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), Horst Hippler, vorstand, wurden drei School-Konzepte und ihre Netzwerke aus insgesamt acht Antragsskizzen ausgewählt. Siegreich waren die »Max Planck School of Cognition, die Max Planck School of Photonics sowie die Max Planck School on Physics, Chemistry and Construction of Life«. Wegen der Internationalität ist in ihnen die englische Sprache als »lingua franca« der Wissenschaft durchgängiger Standard. Die Schools - mit dem vollen Namensschild: »Max Planck Schools - a joint initiative between German universities and the German research organisations« - verbinden die führenden Experten in Deutschland auf den Feldern der Kognitions- und Gehirnforschung, der Photonik, Laserforschung und optischen Technologien sowie der biomolekularen Grundlagenforschung für medizinische Anwendung. Hinter den drei ausgewählten Schools stehen Mitglieder von 21 Universitäten sowie 31 Instituten der außeruniversitären Forschungsorganisationen.

2018 starten die drei ausgewählten Max Planck Schools in eine fünfjährige Pilotphase. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert diese Phase mit insgesamt 45 Millionen Euro. Für Ministerin Johanna Wanka war es eine ihrer letzten forschungspolitischen Amtshandlungen, als sie in Berlin das »neue Instrument der Spitzenforschung« vorstellte, mit dem föderal die Stärken der deutschen Wissenschaft gebündelt werden: »Eine breite Landschaft innovativer und exzellenter Grundlagenforschung, die in vielen verschiedenen Universitäten und außeruniversitären Instituten zu Hause ist«. Hierdurch entstehe in geschickter Weise »aus vielen Teilen etwas Großes mit Qualität auf Weltniveau«, erklärte die CDU-Ministerin: »So werden die Max Planck Schools die deutsche Wissenschaft international weiter voran bringen und herausragende Forscherinnen und Forscher aus dem In- und Ausland anziehen.«

HRK-Präsident Hippler sieht in dem neuen Modell auch Chancen jenseits der großen Metropolen. »Die Max Planck Schools können besonders talentierten Promotionskandidatinnen und -kandidaten aus dem Ausland den Weg gerade auch zu kleineren Standorten weisen, wo herausragende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler arbeiten, aber beispielsweise kein eigenes Graduiertenkolleg aufbauen können«, sagt der Sprecher der Hochschulen. Mit diesem Ansatz böten die Schools auch die »Chance, die verteilte Forschungsexzellenz als Stärke des deutschen Wissenschaftssystems international sichtbar zu machen«.

Nach der jetzigen Entscheidung werden die Konzepte der drei Pilot-Schools nun für die Umsetzung weiter ausgearbeitet und dienen dann als Basis für die Verträge zwischen den Partnern: Instituten, Hochschulen und Mittelgebern. Erst danach startet die Ausschreibung für die Graduiertenstellen in internationalen Fachmagazinen. Ausgegangen wird von einer durchschnittlichen Größe von mehr als hundert Studierenden und Promovierenden in einer School.

Knifflig wird die praktische Organisation des vernetzten School-Betriebs. Die Max-Planck-Gesellschaft hat bereits Erfahrungen durch ihre bestehenden 66 »International Max Planck Research Schools« (IMPRS), in denen rund 4500 Doktoranden forschen. Diese sind aber an ein einziges Institut angebunden. Die neuen Schools müssen bundesweit operieren.

MPG-Vizepräsident Ferdi Schüth hat die Vorstellung, »dass Studierende je nach School zunächst Blockunterrichtsphasen durchlaufen könnten«. In vielen Naturwissenschaften falle die Entscheidung für eine Promotion bereits nach dem Bachelor. »Um den jungen Menschen ein Gruppengefühl zu vermitteln und angesichts der unterschiedlichen Vorbildung eine gemeinsame Basis zu legen, wäre ein dreimonatiger Aufenthalt an einem zentralen Ort sinnvoll«, erklärt Schüth. Dies könne das Harnack-Haus in Berlin sein, oder ein Standort an einer Universität, an dem mehrere Wissenschaftler wirken, die in der School aktiv sind. »Das könnte auch das Gebäude des Max-Planck-Instituts für Physik in München sein, aus dem die Kollegen in ein paar Jahren ausziehen.«

Die Anlaufphase der neuen Schools wird auf jeden Fall auch ein Experiment in Logistik und Organisation sein. So lernen die jungen Spitzenforscher schon früh: Wer exzellent sein will, muss auch flexibel und mobil sein. »Das Ganze wächst bottom-up aus der Wissenschaft heraus, es wird nicht als Programm verordnet«, bemerkt MPG-Vize Schüth. »Deshalb bin ich guter Dinge, dass die Schools ihre Dynamik entfalten«.

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