• Berlin
  • Hetzte gegen Flüchtlingsunterkunft

Falsche Initiative schürt Ängste

Vor Öffnung eines Flüchtlingsheims in Lichterfelde warnt Aushang vor Gefahren für Frauen

  • Von Johanna Treblin
  • Lesedauer: 3 Min.
Noch bevor Geflüchtete in das Containerdorf einziehen, taucht ein rassistischer Aushang auf.
Noch bevor Geflüchtete in das Containerdorf einziehen, taucht ein rassistischer Aushang auf.

Die Container stehen, jetzt kommen Stück für Stück auch die Möbel. Schon Ende November könnte die neue Gemeinschaftsunterkunft für rund 250 Flüchtlinge in der Finckensteinallee in Lichterfelde eröffnen. Für kommenden Freitag lädt der Betreiber, die DRK Berlin Südwest, zum Tag der offenen Tür ein.

Doch noch bevor überhaupt Menschen in die weißen Wohncontainer eingezogen sind, schürt eine vermeintliche Willkommensinitiative Ängste. Auf den Zetteln, die rund um die geplante Unterkunft gesichtet wurden, prangt das Logo »Refugees Welcome«, unterzeichnet sind sie mit »Ihre Initiative Willkommen in Lichterfelde und Zehlendorf«. Und sie fangen ganz harmlos an: »In Kürze wird in der Finckensteinallee eine temporäre Unterkunft für Flüchtlinge eröffnen, die für einen Zeitraum von maximal drei Jahren bestehen bleiben soll. Mit der Beherzigung von ein paar einfachen Regeln können wir alle dazu beitragen, dass das Zusammenleben mit unseren Gästen erfolgreich verläuft.«

Schon allein das Wort »Gäste« deutet darauf hin, dass die Verfasser des Schreibens die dort einziehenden Geflüchteten nicht als Mitglieder unserer Gesellschaft ansehen, sondern wünschen, dass sie sich bald wieder verabschieden. Noch deutlicher wird die flüchtlingsfeindliche Einstellung ab der zweiten sogenannten Regel: »Verzichten Sie als Frau oder älterer Mensch für diesen überschaubaren Zeitraum darauf, sich in der Dämmerung oder im Dunkeln alleine durch das Viertel zu bewegen, gehen Sie möglichst in männlicher Begleitung oder benutzen Sie ein Fahrzeug.« Weiter heißt es: »Frauen sollten sich grundsätzlich zurückhaltend kleiden«, Männer sollten ihre Frauen »bei der Auswahl angemessener Kleidung« unterstützen.

Aufgefallen war der Zettel Aktiven des tatsächlich existierenden »Willkommensbündnis für Flüchtlinge in Steglitz-Zehlendorf«. Wegen des ähnlich klingenden Namens wandten sich in den vergangenen Tagen mehrere Bewohner der Gegend telefonisch oder per E-Mail an das Bündnis und wollten wissen, ob es hinter dem Schreiben stecke, sagt deren Vertreter Günther Schulze dem »nd«. Er ist sich sicher: Die Verwechselung ist von den Verfassern gewollt. Die Initiative habe nun Strafanzeige erstattet.

Dass der Aushang auch mit dem »Refugees Welcome«-Logo versehen sei, findet Schulze »perfide«. »Die Verfasser stören den sozialen Frieden. Und das in unserem Bezirk, der von einer ungewöhnlich positiven Willkommenskultur geprägt ist.« Ihr Ziel sei die »Entsolidarisierung« mit Geflüchteten. »Das schaffen sie aber nicht.«

Für Schulze spricht einiges dafür, dass hinter dem Aushang die rechte Identitäre Bewegung (IB) steckt. Diese sei dafür bekannt, dass ihr vor allem Studierende angehörten. Der Text sei entsprechend fehlerfrei und die Sprache auf »gehobenem Niveau«. In Steglitz sei die Gruppe stark vertreten. Auf Anfrage sagte ein Sprecher der extrem rechten IB, die Aushänge seien ihm nicht bekannt.

Die zuständige Bezirksstadträtin für Jugend und Gesundheit von Steglitz-Zehlendorf, Carolina Böhm (SPD), war am Freitag für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Der Betreiber der künftigen Unterkunft wollte das Schreiben nicht kommentieren, »um den Verfassern kein Podium zu bieten«, hieß es auf Anfrage. Man hoffen stattdessen, mit dem für den 17. November geplanten Tag der offenen Tür mögliche Ängste und Sorgen der Anwohner abbauen zu können.

Nachbarn können an dem Tag an Führungen durch die noch leer stehenden Container teilnehmen. Stadträtin Böhm soll eine Rede halten, die Band Dabktna syrische Musik spielen.

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