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Neokolonial, aber offenkundig hilfreich

Die Sahel-Zone steht im Zentrum der Jubiläums-Ausgabe von »Afrikamera«

  • Von Caroline M. Buck
  • Lesedauer: 3 Min.

Zum zehnten Mal richtet der gemeinnützige Verein toucouleur e.V. in diesem Jahr sein Festival afrikanischer Filme in Berlin aus. »Afrikamera« ist eine Vitrine für die Probleme eines Kontinents, aber auch für die Darstellung seines Alltags, seiner Kulturen, seiner Vielfältigkeit. Afrikanisches Kino ist keine Marginalie der internationalen Filmgeschichte mehr, und auch nicht mehr ausschließlich von Europa aus initiiert, gefördert und finanziert. Aufschwung also, einerseits. Dass andererseits aber auch die Probleme nicht geringer werden, macht das diesjährige Schwerpunktthema deutlich. Die Sahel-Zone war schon Krisenherd, Ziel wohltätiger Spendenaktionen und Synonym für alles Elend der Welt lange bevor Afrikamera startete. Dürren, Hungersnöte, katastrophale Überschwemmungen, dazu in den letzten Jahren die Verheerungen, die der religiöse Fanatismus schlug - der schmale Gürtel quer durch den Kontinent war selten aus Schlagzeilen und Nachrichtensendungen verschwunden.

Mali stellt ein erhebliches Kontingent der Filme, beginnend mit dem Eröffnungsfilm. »Wùlu«, von »Variety«, dem Branchenblatt der US-Filmindustrie, anerkennend mit dem Gangsterfilmklassiker »Scarface« verglichen, musste im Senegal gedreht werden, weil die Sicherheitslage in Mali zu unsicher wurde. Dass »Variety« die Ästhetik amerikanischen Genrekinos in »Wùlu« entdeckte, hat Gründe: Daouda Coulibaly, in Marseilles geboren und mit malischen Wurzeln, begann seine Karriere mit Mitteln aus einem Kurzfilm-Fördertopf einer US-Produktionsfirma. Neokolonial, wenn man so will, aber offenkundig hilfreich für die Karriere einer Reihe junger Filmemacher.

Über Timbuktu und die Folgen der islamistischen Machtübernahme in Mali hält das »Afrikamera«-Programm noch zwei weitere Filme bereit: den Dokumentarfilm »Devoir de mémoire« (Erinnerungspflicht) von Mamadou Cissé über inner-malischen Widerstand gegen die physische und ideologische Besetzung, und die französische Fernsehdoku »Sur la piste des manuscripts de Tombouctou« (Auf den Spuren der Manuskripte von Timbuktu) von Jean Crépu. Der Film über die gefahrenreiche Rettung der Schätze wurde von der Pariser Bibliothèque Nationale ko-produziert - die Manuskripte, heute im Exil, gehören zum Weltkulturerbe. Mit »Ceddo« von Ousmane Sembène ist dazu ein früher afrikanischer Film im Programm, der die sozio-religiösen Hintergründe mancher heutiger Probleme beleuchtet: wäre der Kontinent weder christianisiert noch islamisiert worden, wie anders könnten die Verhältnisse wohl sein?

Eine Sonderveranstaltung in der Heinrich-Böll-Stiftung widmet sich den Geschlechterverhältnissen im Niger, ausgehend vom Spielfilm »Zin’naarya - L’alliance d’or« (Der Ehering) der nigrischen Regisseurin Ramatou Keïta. Regisseurin und Hauptdarstellerin werden anwesend sein. Und aus Libyen stammt ein Programm mit Kurzfilmen zum unbeständigen Zustand des Landes, zu dem ebenfalls Gäste erwartet werden: »Libya in Motion«.

13. bis 19. November, Kino Arsenal, Potsdamer Straße 2, Mitte; www.afrikamera.de

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