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Für Kirche und Bourgeoisie

»Die Wahrheit über Franco - Spaniens vergessene Diktatur«

  • Von Jan Freitag
  • Lesedauer: 3 Min.

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Oberflächlich betrachtet ist »Die Wahrheit über Franco - Spaniens vergessene Diktatur« (Dienstag, 20.15 Uhr, ZDFinfo) ein Porträt von General Franco. Darunter aber steckt Kritik an der westlichen Untätigkeit jener Jahre - und etwas Anschauungsmaterial für die Gegenwart.

»Faschismus!« Um Missstände von Nation und Kapital zu brandmarken, ist die Todschlagvokabel des linken Arsenals überaus gebräuchlich. Faschismus rufen ja Autonome gern, denen die Bundesrepublik als Wiedergänger des Deutschen Reichs erscheint. Faschismus wittert jedoch auch ein Putin, wann immer ihm jemand Widerstand leistet. Und von Faschismus ist auch in Katalonien gerade viel die Rede, seit ihm Spanien die Eigenständigkeit verwehrt. Kein Wunder: Nirgends wirkt die Erinnerung daran frischer als in Barcelona.

Es ist schließlich kein halbes Menschenleben her, dass ein waschechter Faschist über Spanien herrschte: Francisco Franco, Westeuropas letzter Despot im Geiste Hitlers. Bis 1975 regierte der »Generalissimo« genannte Diktator in Madrid und unterdrückte das Land ringsum noch mit eiserner Hand, als selbst die rückständigen NATO-Partner Portugal und Griechenland vom Joch der Tyrannei befreit waren. Unfassbar, könnte man meinen. Das war es auch. Und doch nur logische Konsequenz eines globalen Gefüges, in dem die rechte Gesinnung vertrauenswürdiger war als Rechtsstaatlichkeit, vor allem aber: Stabilität wichtiger als Humanität.

Das ist nicht allein wegen der katalanischen Sezessionsbemühungen virulent wie seit dem Ende des Kalten Krieges nicht mehr. Weshalb ZDFinfo mit seiner Dokumentation »Die Wahrheit über Franco - Spaniens vergessene Diktatur« äußerst zeitgemäß ist. Drei Stunden am Stück skizzieren Isabel Andres Porti und Klaus Kastenholz den Weg des galizischen Offizierssohns zu Spaniens Alleinherrscher. Dabei wird aber nicht nur der Faschist Franco porträtiert, sondern auch, wie er sich 40 Jahre lang an der Macht halten konnte.

Die Schuld trägt, was das hegemoniale Koordinatensystem auch heute justiert: Blockpolitik, Wirtschaftsinteressen, Religion. Als Francisco Paulino Hermenegildo Teódulo Franco y Bahamonde Salgado Pardo 1892 in Ferrol zur Welt kommt, wo die USA sechs Jahre später Spanien in einer finalen Seeschlacht besiegen, liegt Spaniens Gesellschaft in Trümmern: Soziale Unruhen, Sezessionstendenzen, ein schwacher König, die Kirche instabil - da kommt einer wie der kleinwüchsige, aber großspurige Franco gerade recht.

Mit Disziplin und Härte wird der blutjunge Hauptmann 1912 im Kampf um Spaniens letzte Kolonie Marokko zum Mythos der nationalkatholischen Reaktion, die er 24 Jahre später mit deutscher Hilfe im brutalen Bürgerkrieg nach oben putscht und dort eine Ewigkeit hält. Angefüttert mit Originalaufnahmen, Zeitzeugen und Comicsequenzen zeichnet ZDFinfo somit die Erfolgsstory eines opportunistischen Kommunistenhassers, der sein Volk dank kirchlicher und US-amerikanischer Hilfe auch nach dem unbeschadet überstandenen Krieg unterjochen darf.

So gesehen ist der Vierteiler ein Abgesang aufs Märchen vom moralisch überlegenen Westeuropa, das bis zuletzt fröhlich Urlaub beim Faschisten machte. Kein Wunder, dass es am Ende die Ölkrise war, der Franco zum Opfer fiel - gepaart mit dem Widerstand von Basken und Katalanen, die sich als Einzige von Beginn an gegen den Diktator gestellt hatten. Bei der filmischen Aufarbeitung dieses europäischen Schandflecks stört zwar der übliche Geigenquark unterm pathetischen Off-Kommentar. Und das TV-typische Exkulpieren, »Hitler« sei anstelle seiner Jünger in Polen einmarschiert, darf natürlich auch nicht fehlen. Dennoch ist »Die Wahrheit über Franco« ein wichtiger Beitrag zum Verständnis der Welt, wie sie leider schon fast wieder ist.

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