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Einsame Wölfe in Bewegung

Auf einer Veranstaltung der Rosa-Luxemburg-Stiftung diskutierten Aktivisten aus verschiedenen Ländern über rechtsradikale Terroristen

  • Von Josephine Schulz
  • Lesedauer: 3 Min.

»Einsame Wölfe« stellen Polizei und Geheimdienste vor große Probleme. Gemeint sind Terroristen jeglicher Ideologie, die sich jenseits organisierter Gruppen radikalisieren. Solche, die im stillen Kämmerlein ihre politisch oder religiös motivierten Gewalttaten planen.

Im Rahmen einer Veranstaltung der Rosa-Luxemburg-Stiftung diskutierten am Wochenende in Berlin Menschen aus den USA, Großbritannien, Russland und Griechenland über vermeintlich »einsame Wölfe« aus dem rechtsextremen Spektrum, über rechtsterroristische Taten von einzelnen und »vernetzten Rassenkriegern«.

Matthew Collins vom britischen Recherchenetzwerk »Hope not hate« hält das Konzept des »einsamen Wolfes« für wenig zeitgemäß. Er schildert den Fall eines indischstämmigen Arztes, der in einem britischen Supermarkt mit einer Machete attackiert und schwer verletzt wurde. Der Täter, der von einer Racheaktion für den enthaupteten Soldaten Lee Rigby sprach, war in neonazistischen Internetforen sehr aktiv. »Heutzutage ist es unmöglich, nicht in Kontakt zu kommen«, meint Collins. Als wirklich »einsamer Wolf« könne deshalb eigentlich nur eine Person bezeichnet werden, die selbst im Internet keinerlei Spuren hinterlasse.

Auch Terry A. Johnson vom Chicagoer »Center for New Community« zweifelt am Erklärungswert der Idee des sozial isolierten Einzeltäters. Sie erinnert an das Massaker von 2015 in Charleston, bei dem ein Weißer in einer Kirche neun schwarze Menschen tötete. Johnson erzählt: »Später hat man festgestellt, dass sein Denken von einem echten, tief sitzenden Rassismus bestimmt wurde.«

Es mache also hinsichtlich der Ideologie nicht unbedingt einen Unterschied, ob jemand sich im Internet oder über persönliche Kontakte radikalisiere. Johnson meint: »Das zeigt für mich, dass man allein handeln und trotzdem Teil einer Bewegung sein kann.«

Das Internet spielt bei der Ausbreitung »einsamer Wölfe« eine Hauptrolle. Gleichzeitig ist es die digitale Vernetzung, die das Konzept des isolierten Einzeltäters infrage stellt. Denn wenn die soziale Welt des Internets für Menschen ebenso real oder der physischen Welt gar überlegen erscheint, wenn dort jeder seinen widerspruchsfreien Raum voller Seelenverwandter finden kann, müssen womöglich auch extremistische Gruppen ganz neu gedacht werden.

Sicherheitsbehörden versuchen dieser Herausforderung in erster Linie durch die Ausweitung von Überwachungskonzepten zu begegnen. Die Gäste der Rosa-Luxemburg-Stiftung sehen Polizei und Geheimdienste dagegen vielfach als Teil des Pro-blems. Ioanna Meitani von der Stiftung in Athen berichtet von massiven personellen Überschneidungen zwischen griechischer Polizei und der dortigen faschistischen Bewegung »Goldene Morgenröte«.

Terry Johnson sieht in den USA - vom FBI bis hin zu den Gerichten - das Bestreben, die privilegierte Position weißer Männer zu schützen. Die Aktivisten sind sich in einem Punkt auf jeden Fall einig: Mittäter und Sympathisanten im Staatsapparat sowie die gesellschaftliche Normalisierung rechter Diskurse würden dafür sorgen, dass rechtsextreme Gewalttäter immer offener agieren.

Gleichzeitig, so meint Collins, wird die Verbreitung rechtsextremen Gedankenguts als Ursache von Gewalttaten »einsamer« Wölfe gern beiseitegeschoben. Stattdessen rücken persönliche Gründe in den Vordergrund - Neurosen, Schicksalsschläge, Alkohol. Im Fall des attackierten Arztes, sei ihm der ständige Medienbezug auf den enthaupteten Soldaten Lee Rigby fast wie eine Absolution vorgekommen.

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