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Schlussmann

Personalie

  • Von Alexander Ludewig
  • Lesedauer: 2 Min.

Tränen lügen nicht. Seine Gefühle konnte Gianluigi Buffon am Montagabend nicht verbergen. Mit ihm weinte wohl ganz Italien. Nach 60 Jahren verpasst der viermalige Fußballweltmeister wieder eine WM. Getrauert wurde auch um Buffon selbst. Das torlose Remis gegen Schweden war sein letztes Spiel für die Squadra Azzurra.

Schon vor dem Anpfiff hatte der 39-Jährige sein Ende nahen sehen: »Je öfter du gewinnst, desto öfter machst du Fehler.« Gewonnen hat er viel: Weltmeister 2006, fünf Mal Welttorhüter des Jahres, acht Meisterschaften und drei Pokalsiege mit Juventus Turin …

Viele Patzer zwischen den Pfosten erlaubte er sich nicht. Andere Fehler ließen Zweifel am Menschen Buffon aufkommen. Als junger Schlussmann in Parma trug er die Nummer 88. »Wer ahnt denn, dass hinter der Zahl der Hitlergruß steht? Das wissen doch nur Nazis«, meinte er. Mit dem H als achten Buchstaben des Alphabets steht die doppelte 8 in der rechten Szene für »Heil Hitler«. Eigentlich wollte er die Nummer 00. Die stehe für »zwei Eier«. Der AC Parma wollte aber keinen WC-Wächter. Also nahm Buffon »vier Eier«, die 88. Negativ fiel er auch mit einem T-Shirt auf. Die Aufschrift: »Boia chi molla« (»Gehängt sei, wer aufgibt«), ein neofaschistisches Motto. Den Spruch habe er im Internat gehört. Und fand ihn cool. »Heute gibt’s das Internet, man kann alles schnell kontrollieren. Damals machte ich den Fehler.«

Gelogen? Dagegen spricht, dass der dreifache Vater mit der Journalistin Ilaria D’Amico zusammenlebt. Sie ist eine überzeugte Linke und engagierte Feministin. Einem seiner Söhne gab er den Namen seines Idols - Thomas N’Kono, Torwartlegende aus Kamerun.

Eine Legende ist Buffon längst selbst - auch wenn er nun nicht als erster Spieler zum sechsten Mal eine WM erleben wird. Zum Länderspielweltrekord des Ägypters Ahmed Hassan fehlen ihm mit 175 Einsätzen neun Partien. Darum weinte er aber nicht, es waren Tränen der Leidenschaft. »Ich habe geschworen, dich zu beschützen«, schrieb er im März 2016 in einem langen Liebesbrief an sein Tor, nachdem er 973 Minuten ohne Gegentreffer geblieben war.

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