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Bizarrer Bartstreit

Rechte Dänische Volkspartei will Vollbärte im Gesundheitswesen verbieten, die aus »religiösen Motiven« getragen werden

  • Von Bengt Arvidsson, Stockholm
  • Lesedauer: 3 Min.
Soll nach Auffassung der rechten Volkspartei in Dänemarks Krankenhäusern verboten werden: der Vollbart aus
Soll nach Auffassung der rechten Volkspartei in Dänemarks Krankenhäusern verboten werden: der Vollbart aus "religiösen Motiven".

Die erfolgsverwöhnte rechte Dänische Volkspartei (DF) ruht sich nicht auf Teilsiegen aus. Sie ist immer ein Stück voraus, setzt die Agenda, die Parteien der Mitte trotten ihr nach. Bei den vergangenen Parlamentswahlen ist sie mit 21,1 Prozent erstmals vor den Konservativen zweitstärkste Partei geworden und hat jüngst sowohl Sozialdemokraten als auch bürgerliche Kräfte für ein landesweites Verbot von Burka und Nikab begeistern können.

Auf der Suche nach neuen Verboten ist in der vergangenen Woche eher zufällig ein besonders einflussreiches Parteimitglied fündig geworden. Der 71-jährige Henrik Thorup ist Ehemann der früheren DF-Parteichefin Pia Kjærsgaard und Spitzenkandidat bei den anstehenden Kommunalwahlen für das Gesundheitswesen in der Hauptstadtregion. Beim Besuch einer Rettungsstelle in einem Kopenhagener Krankenhaus wurde ausgerechnet er von einem südländisch aussehenden Arzt mit einem unübersehbaren Vollbart behandelt. Vermutlich war der Arzt Moslem. Oder er trug den Vollbart, weil derzeit bei Trendbewussten nach dem früher angesagten Dreitagebart nun der Vollbart Mode ist.

Nach dem Arztbesuch forderte Thorup ein Vollbartverbot im Gesundheitswesen. »Der Arzt markiert ja: Ich bin Moslem. Kein Däne geht als Arzt mit einem solchen Bart herum«, behauptete Thorup gegenüber der Tageszeitung »Berlingske«. »Wer einen solchen Bart in dieser Größe trägt, gehört einer gewissen Religion an. Und das gefällt mir nicht«, sagte er und sprach vor dem »Kniefall Dänemarks vor muslimischen Traditionen«.

Der Fraktionschef der Dänischen Volkspartei im Parlament, Peter Skaarup, unterstütze das geforderte Verbot sofort und brachte das Thema so auf nationale Ebene. Da er etwas jünger ist als Thorup und keine trendbewussten Wähler vergraulen will, schränkte er aber gleich ein: Seine Fraktion befürworte ein Verbot von Vollbärten, die aus »religiösen Motiven« getragen werden. »Moderne Vollbärte« seien dagegen Privatsache, stellte er klar. Kopenhagen ist schließlich eine Modemetropole, in den Trendcafés und Bars tummelten sich viele vollbärtige Besucher.

Ob man denn den Unterschied der verschiedenen Bärte sehen könne, fragte der Reporter der Zeitung »Berlingske«. »Ja das kann man ganz klar«, unterstrich Skaarup. Während einige dem Vorstoß recht gaben, weil religiöse Symbole (mit Ausnahme einer Kapelle) nicht in dänische Krankenhäuser gehörten, machten andere Witze über den Vorschlag.

Ausgerechnet der legendäre dänische National- und Sagenheld Holger Danske (»Holger, der Däne«), Jesus, aber auch der Weihnachtsmann hätten schließlich Vollbärte, unken sie im Internet, teils vielleicht aus religiösen Motiven. Der Druck auf Thorup vor den Kommunalwahlen wurde letztlich zu groß. Er werde, sollte er gewählt werden, erstmal nicht versuchen, ein Bartverbot in Kopenhagens Krankenhäusern einzuführen, gab er zu verstehen. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Er finde weiterhin, dass solche Bärte eine »Unsitte sind und etwas, das Verunsicherung« bei Patienten schaffe.

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