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  • Politik
  • Inhaftierung von Deniz Yücel

»Lieber Lungenkrebs als Langeweile«

150 Menschen protestierten gegen die Inhaftierung des Journalisten Deniz Yücel und rauchten für ihn

  • Von Katharina Schwirkus
  • Lesedauer: 3 Min.

Gegen die Inhaftierung des deutsch-türkischen Journalisten Deniz Yücel in der Türkei fanden in Deutschland bereits zahlreiche Protestaktionen statt. Menschen organisierten Autokorsos, Lesungen und Demonstrationen. Seine ehemaligen KollegInnen der »taz« waren daher etwas ratlos, wie man dem 14. November begegnen sollte, dem Tag, an dem Yücel genau neun Monate inhaftiert ist. Zudem lief am 14. November auch die Frist für die Türkei ab, vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) Stellung zu Yücels Inhaftierung zu nehmen. Der EGMR hatte diese Frist auf Wunsch von Ankara jedoch kurze Zeit zuvor auf den 28. November verschoben, es war bereits die zweite Verlängerung.

In der »verboten«-Spalte der »taz« hieß es vor einigen Wochen, es sei wieder einmal Zeit für eine Zigarette mit Deniz. Kurz darauf veröffentlichte der »Spiegel«-Journalist Hasnain Kazim ein Foto, das ihn mit Deniz Yücel, beide mit Zigarette im Mund, zeigte. Darüber schrieb er: Wird Zeit, dass wir mal wieder eine rauchen. So entstand die Idee bei der »taz«, gemeinschaftlich für Deniz zu rauchen und damit gegen seine Inhaftierung zu protestieren.

»Ich muss mir erst einmal eine Zigarette anzünden«, sagte Gereon Asmuth, Leiter von taz.eins, in ein Mikrofon zur Begrüßung der etwa 150 Menschen, die sich am Dienstagabend rauchend vor dem taz-Gebäude in der Rudi-Dutscke-Straße in Berlin einfanden. Kurz darauf wurden Zitate von Yücel aus seiner »taz«-Zeit, aber auch neuere, verlesen. In einem früheren Text hat er einmal den Satz geschrieben: »Lieber Lungenkrebs als Langeweile.« In einem seiner Briefe aus dem Gefängnis, die in der Welt veröffentlicht wurden, schrieb er: »Wir machen weiter und wir haben keine Angst.«

Doris Akrap, eine enge Kollegin von Yücel, die sich seit seiner Festnahme sehr für ihn einsetzt, stellte eine Telefonverbindung zu seiner Schwester nach Flörsheim her. Sie sprach vor dem Berliner Publikum auch mit dem Bürgermeister der Kleinstadt. Und auch in Hamburg wurde für Yücel geraucht: Etwa 20 Menschen versammelten sich dort vor dem »Spiegel«-Gebäude.

»Welt«-Chefredakteur Ulf Poschardt sagte, er habe gerade für Deniz wieder mit dem Rauchen anfangen und freue sich schon darauf, aufzuhören. Den Chefredakteur der »taz«, Georg Löwisch, sah man ebenfalls rauchen, was sonst nicht jeden Tag der Fall ist.

RauchenfuerDeniz führte von 18 bis 19 Uhr die Liste der wichtigsten Hashtags des Kurznachrichtendienstes Twitter in Deutschland an. Des Weiteren gab es den Hashtag Iwill QuitWhenDenizIsFree (Englisch für: Ich höre auf, wenn Deniz frei kommt), der aufgrund seiner Länge jedoch nicht so berühmt wurde.

Einige PassivraucherInnen gesellten sich unter die Rauchenden vor dem taz-Café, zum Teil mit Schokozigaretten und Räucherstäbchen ausgestattet. Alle unterhielten sich angeregt über die aktuelle politische Situation in der Türkei. Das Rauchen war auch immer wieder Thema.

Ein türkischer Freund von Yücel erklärte auf Englisch, dass Rauchen in der Türkei ein Akt von Selbstschutz sei, weil es einem manchmal Privatsphäre gäbe, da man nicht überall rauchen könne. Er hoffe aber trotzdem, mit Deniz aufzuhören, sobald er frei käme.

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