Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Straßenbahnen fahren selten

Beim Bürgerforum in Alt-Hohenschönhausen kritisierten Teilnehmer den ÖPNV

»Ich fühle mich hier abgehängt«, sagt eine ältere Frau auf dem Bürgerforum der Linkspartei in Alt-Hohenschönhausen. Es geht um den öffentlichen Nahverkehr. Der besteht in diesem Teil Lichtenbergs aus Straßenbahnen. Deren Taktzeiten, kritisiert die Frau, reichen bei der steigenden Einwohnerzahl schon lange nicht mehr aus. »Da muss ich mich richtig reinquetschen. Besonders schlimm ist das an verkaufsoffenen Sonntagen. Wenn sich jeder mit seiner IKEA-Tüte in die Straßenbahn zwängt, ist das kein Vergnügen. Die Taktzeiten müssen dringend geändert werden«, so die Frau. Und auch wenn sie abends mal ins Kino oder in ein Konzert wolle, gebe es keine Angebote mehr in Wohnnähe. »Da muss man in die völlig überfüllten Nahverkehrsmittel.«

Ein Problem sei auch der Weg hin zur Straßenbahn und wieder zurück nach Hause, erzählt eine andere ältere Frau. »In meiner Straße sind die Gehwege kaputt. Wer noch schlechter sehen kann als ich, traut sich abends nicht mehr raus.«

Am Bürgerforum nimmt auch Bezirksbürgermeister Michael Grunst teil, der der LINKEN angehört. Er hört die Klagen nicht zum ersten Mal. »Ich weiß von Schülern, die morgens Straßenbahnen vorbeifahren lassen, weil sie nicht mehr reinpassen.« Berlin wachse. Auch Hohenschönhausen. »Ich fordere von der BVG, dass sich Taktzeiten ändern.« Was die kaputten Gehwege und Straßen betrifft, so ermutigte er die Betroffenen, ihm Fotos ins Rathaus zu schicken. »Dann kann ich besser mit den Fachleuten darüber sprechen. Gerade, wenn man an einer Stelle ohnehin baut, macht es Sinn, sich gleich um den Gehweg zu kümmern.«

Darüber hinaus will der Bezirk mehr Kultur in die geografischen Randlagen bringen. »Wir haben den Kulturfonds verdreifacht. Der Schwerpunkt wird auf Hohenschönhausen liegen. Kulturschaffende sind ermutigt, sich hier zu bewerben.«

Der Dialog mit dem Bürger sei ihm ein wichtiges Anliegen, sagt Michael Grunst. Dort erfahre er am besten, wo der Schuh drückt. Gekommen zum Bürgerforum waren 22 Gäste, fast alle im höheren Lebensalter und vor allem Mitglieder der Linkspartei. Politikferne Menschen schien das Forum ebenso wenig erreicht zu haben wie die jungen hippen Großstadtbewohner. Und so drehten sich die Diskussionen um den öffentlichen Nahverkehr, auf den viele Anwesende schon aus Altersgründen angewiesen sind. Themen wie fehlende Kitaplätze, Sport, Kiezkneipen, Kirchen oder Angebote in der bezirklichen Volkshochschule blieben ausgespart.

»Ich bin enttäuscht, dass nur so wenige Menschen gekommen sind«, sagt eine ältere Dame. »Hätten wir nicht mehr Anwohner erreicht, wenn wir Aushänge gemacht hätten, statt Zettel in die Briefkasten zu stecken?« Sie selbst fand die Veranstaltung interessant. Sie habe erfahren, wie es mit einigen Baustellen und Bauruinen im Kiez weitergeht.

Für Bürgermeister Michael Grunst ist die Zahl der Teilnehmer nicht ausschlaggebend. Er wäre auch gekommen, wenn nur zehn Bürger da gewesen wären, sagt er. »Jeder Bürgerhinweis ist wichtig.«

Am Samstag will sich Grunst bei einem Kiezspaziergang durch das nördliche Alt-Hohenschönhausen selbst ein Bild von der Verkehrssituation machen. Auch soziale Einrichtungen sind Ziel des Spaziergangs. Interessierte sind eingeladen, ihn zu begleiten. Treffpunkt ist um 10 Uhr an der Wartenberger Straße, Ecke Joseph-Höhn-Straße.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln