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Leipziger Jura-Professor für »weißes Europa«

Tweets des Juristen Rauscher sorgen für Empörung / Universitätsleitung leitet Untersuchungen ein / Intervention im Hörsaal

  • Von Elsa Koester
  • Lesedauer: 3 Min.

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Thomas Rauscher, Professor an der juristischen Fakultät der Universität Leipzig, macht keinen Hehl aus seinen politischen Vorstellungen. »Islamterror in Dresden. JE SUIS PEGIDA«, twitterte er etwa im Januar 2015. Erst seine jüngsten Äußerungen brachten sowohl Studierende als auch die Universitätsleitung selbst zu einer Intervention. »Polen: Ein weißes Europa brüderlicher Nationen. Für mich ist das ein wunderbares Ziel«, twitterte er am Montag zu einem Artikel über die jüngste, von Neonazis stark dominierte Großdemonstration zum Unabhängigkeitstag mit 60.000 Teilnehmern in Polen. Am Dienstag folgte der nächste rassistische Tweet: »Wir schulden den Afrikanern und Arabern nichts. Sie haben ihre Kontinente durch Korruption, Schlendrian, ungehemmte Vermehrung und Stammes- und Religionskriege zerstört und nehmen uns nun weg, was wir mit Fleiß aufgebaut haben.«

Rauscher steht an der Universität schon lange in der Kritik. Bereits 2016 äußerte sich die Hochschule gegen sein »fremdenfeindliches Gedankengut«. Am Mittwoch folgte dann das nächste Statement. Die Universität Leipzig verurteile seine neuerlichen Äußerungen »ausdrücklich«: »Wir stehen für Weltoffenheit und Toleranz und stellen uns gegen intolerantes und fremdenfeindliches Gedankengut.« Die Universitätsleitung kündigte darin zudem an, Untersuchungen einzuleiten und dienstrechtliche Schritte gegen Rauscher zu prüfen.

Einigen Studierenden der Universität ging das nicht schnell genug. Aktivist*innen der »Interventionistischen Linken« und des SDS ergriffen am Donnerstag in einer juristischen Vorlesung des Professors das Mikrophon und projizierten einige seiner Tweets an die Wand. »Spätestens jetzt ist ein Maß erreicht, das wir als Studierendenschaft nicht mehr hinnehmen sollten«, sagte der Redner am Pult, geduldet von Rauscher, der die Intervention aufgebracht, aber zuhörend über sich ergehen ließ. Wer wie Rauscher von einem weißen Europa träume, »träumt einen Traum, der sich nur noch mit Gewalt umsetzen lassen kann«, so der Studierende, und: »Das ist die unverhohlene Ideologie einer weißen Vorherrschaft, die die Welt schon einmal ins Unheil gestürzt hat.« Der Redner wies zudem freundlich darauf hin, dass es keinen arabischen Kontinent gibt.

Rauscher attestierte dem Redner einen »Ton ZK der UdSSR« und sprach von »Hass und Wut«, die an der Universität gegen ihn laufe. Die Studierenden forderten auf Flugblättern seine Entlassung.

Kritik an Rauschers Äußerungen kamen auch aus der sächsischen Politik. Sachsens Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange (SPD) schrieb auf Twitter: »Sachsens Hochschulen sind weltoffen und international. Die ausländerfeindliche Meinung von Rauscher kritisiere ich scharf.« Auch das Ministerium prüfe Schritte gegen den Professoren.

Unterstützung hingegen findet Rauscher bei der sächsischen AfD. Der Dresdner AfD-Bundestagsabgeordnete Jens Maier twitterte: »Meinungsfreiheit musste immer erkämpft und verteidigt werden, Herr Prof. #Rauscher. Wir kämpfen für Sie!« Rauscher deaktivierte inzwischen seinen Twitter-Account. Seine Tweets sind aber noch immer im Google-Cache nachlesbar.

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