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Wer fördert das Kobalt für E-Autos?

Bei der ILO-Konferenz zu Kinderarbeit ging es auch um die Konzernlieferketten

  • Von Jürgen Vogt, Buenos Aires
  • Lesedauer: 3 Min.

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Bis 2025 soll Kinderarbeit weltweit abgeschafft werden. Das beschlossen die Teilnehmer der »Vierten Weltkonferenz zur nachhaltigen Beseitigung der Kinderarbeit« der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) in Buenos Aires. Damit bekräftigten die 193 Delegationen aber lediglich ein in der UN-Agenda 2030 längst vorgegebenes Entwicklungsziel. Maßnahmen oder Programme wurden jedoch nicht beschlossen, obwohl auf das Gaspedal gedrückt werden müsste.

Wichtiger war denn auch das Eingeständnis, dass das ursprüngliche Ziel, die schlimmsten Formen der Kinderarbeit bis 2016 abzuschaffen, verfehlt wurde. Durch die Migrationsbewegungen der letzten Jahre und die weltweit zunehmenden Krisenherde sei Kinderarbeit vielerorts gestiegen, wurde in der Abschlusserklärung eingeräumt.

Das dreitägige Treffen diente auch der Bestandsaufnahme. Noch immer müssen 152 Millionen Kinder arbeiten, 73 Millionen gar unter schlimmsten Bedingungen. 10 Millionen Kinder leben in sklavenähnlichen Verhältnissen. Kinder arbeiten zu 71 Prozent in der Landwirtschaft, es folgen Hausarbeiten und das Aufpassen auf die Geschwister oder die Pflege eines Familienmitglieds. In Afrika arbeiten 71 Millionen Kinder, in Asien sind es 62 Millionen, in den beiden Amerikas 12 Millionen, in Europa sowie Zentralasien 6 Millionen und in den arabischen Ländern eine Million.

»Wir reden hier nicht allein über Zahlen, sondern auch über Kinder, die in Brasilien Orangen ernten, auf Kokosplantagen in Ghana schuften oder in Fabriken Hosen zusammennähen, von denen sie nicht einmal träumen, sie einmal selbst zu tragen«, mahnte der indische Kinderrechtsaktivist und Friedensnobelpreisträger Kailash Sat-yarthi. »Kinder zwischen fünf und elf Jahren müssen in der Schule sein«, so sein Credo. Mit zusätzlichen Finanzmitteln von 39 Milliarden Dollar ließen sich weltweit für alle Minderjährigen der Besuch von Grund- und weiterführenden Schulen garantieren.

»Wichtig war, dass die Themen ›Lieferketten‹ und ›Verletzung von Arbeitsstandards bei Kinder- und Zwangsarbeit‹ deutlich thematisiert wurden«, zeigte sich Sabine Baun, Unterabteilungsleiterin im Bundesministerium für Arbeit und Soziales, zufrieden. Noch immer würden viele Unternehmen eine Verantwortung für die Arbeits- und Herstellungsbedingungen ihrer Zulieferfirmen von sich weisen. »Die Unternehmen hier stärker in die Verantwortung zu nehmen, ist ein wichtiger Hebel für die Ausmerzung der Kinder- und Zwangsarbeit«, so die deutsche Delegierte.

Die Bedeutung der Lieferketten war erst vor wenigen Tagen von Amnesty International erneut dokumentiert worden. In einer Untersuchung wirft die Menschrechtsorganisation 29 Konzernen, darunter auch deutschen Autobauern, vor, nicht entschlossen genug gegen Kinderarbeit vorzugehen. So würden schon Siebenjährige unter schwersten Risiken für Leib und Leben in Bergwerken im Kongo Kobalt fördern, das unter anderem für Batterien in Elektroautos gebraucht wird. Keines der Unternehmen lege offen, aus welchen Zulieferbetrieben sie den Rohstoff beziehen, heißt es in dem Bericht.

Dass in Buenos Aires neben den Vertretern von Regierungen, Gewerkschaften und Unternehmen auch die Zivilgesellschaft einige Nischen besetzen konnten, bewies die Vorstellung der Kampagne »Time To Talk«, bei der weltweit 1822 Kinderarbiter zwischen fünf und 18 Jahren befragt wurden. »Ich habe ein großes Interesse am Thema Beteiligung von Kindern und Jugendlichen wahrgenommen«, so Anne Jacob vom Verein Kindernothilfe und Projektleiterin der Kampagne »Time to Talk«. »Ein erster Erfolg wäre, wenn zur nächsten Weltkonferenz endlich arbeitende Kinder eingeladen werden.«

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