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Einer der Mächtigsten von Europa

Sonderausstellung in Goslar über Heinrich III. und die Kaiserbibel

  • Von Hubert Thielicke
  • Lesedauer: 4 Min.

Das Mittelalter hat in diesem Jahr offenbar Konjunktur. In Speyer beschäftigt sich eine große Sonderausstellung mit dem Mythos des englischen Königs Richard Löwenherz, in Bonn geht es um die Zisterzienser, den »Konzern der weißen Mönche«, in Mannheim gar um »Die Päpste und die Einheit der lateinischen Welt«. Einem deutschen Kaiser, der im Hochmittelalter mitunter etwas willkürlich mit den Päpsten umsprang, ist eine kleine, aber feine Ausstellung im Harzstädtchen Goslar gewidmet.

Heinrich III. (1017 - 1056) gilt als einer der mächtigsten Herrscher in Europa seit Karl dem Großen. Er sah sich selbst als »vicarius Christi«, als Vertreter Christi auf Erden. Ein Rang, den eigentlich die Päpste in Rom beanspruchten. Er setzte nicht nur Bischöfe ein - das »Investiturrecht«, sondern entfernte auch Päpste aus dem Amt und ließ neue wählen. Erst seine Nachfolger verloren diese Macht im »Investiturstreit«, während die Päpste das Recht behielten, durch Salbung und Krönung in Rom die Kaiserwürde zu verleihen. Bekannter noch als Heinrich III. ist sein Sohn Heinrich IV. (1050 - 1106), der noch mehr als sein Vater im Streit mit Fürsten und dem »Heiligen Vater« in Rom lag und schließlich 1077 durch den »Gang nach Canossa« sprichwörtliche Berühmtheit erlangte.

Umstritten ist das Geburtsjahr Heinrichs III. Während die Mehrheit der Historiker von 1017 ausgeht, meinen einige, es wäre 1016 gewesen. Damals waren die Quellen nicht immer eindeutig. So ist das Geburtsjahr seines Vaters Konrad II. völlig unsicher. Wie auch immer, Goslar entschied sich: Der Kaiser hätte halt in 2017 seinen 1000. Geburtstag gefeiert. Warum nun aber Goslar?

Hier, am Rande des silberreichen Rammelsberges, ließ Heinrich eine Pfalz errichten, die sich rasch zur zentralen des römisch-deutschen Reiches entwickelte und als Lieblingspfalz des Kaisers galt. Eine Hauptstadt gab es im damaligen Reiche nicht; die Herrscher zogen von Pfalz zu Pfalz. Wenn dort die Vorratskammern leer waren, ging es weiter. Klöster, Bischöfe und Fürsten waren wohl nicht sehr angetan, wenn der Tross des Hofstaates sich näherte, immerhin um die 1000 Leute, und gerade keine Pfalz in der Nähe war.

Ihre Machtbasis hatte die Salierdynastie, deren zweiter Vertreter Heinrich war, in Speyer, wo die Kaiser mit dem Dom die größte Kirche der abendländischen Christenheit errichteten, während im östlichen Goslar mit der Pfalz der größte Profanbau der salischen Zeit entstand. Sie bildet einen geeigneten Rahmen für die Ausstellung, wenn sie auch im 19. Jahrhundert etwas willkürlich restauriert wurde. Die Ausstellung selbst informiert in den Räumen des Unterbaus über Heinrich III. und seine Zeit. Ihr Herzstück ist der »Codex Caesareus Goslariensis«, ein einmaliges Prachtexemplar mittelalterlicher Buchkunst. Das Evangeliar wurde um 1050 von den für ihre Kunstfertigkeit berühmten Mönchen des Klosters Echternach (Luxemburg) geschrieben und mit herrlichem Bildwerk geschmückt. In den Wirren des Dreißigjährigen Krieges verschwand das Buch aus Goslar - die Stadt war längere Zeit von schwedischen Truppen besetzt - und tauchte später in Schweden wieder auf, wo es schließlich in den Bestand der Universitätsbibliothek Uppsala überging. Akribisch zeichnen die Ausstellungsmacher den Weg der Prachthandschrift nach, die sie für ein halbes Jahr nach Goslar holen konnten.

Die Ausstellung ist eingebettet in die alten Räume der Pfalz. So kann der Besucher in einen freigelegten Kanal der 1000-jährigen Heizungsanlage blicken, welche die Temperatur im damaligen »Wintersaal« innerhalb einer Stunde von null auf 15 Grad brachte. In den Räumen des Lapidariums geben Architekturfragmente und Reste von Bauzier einen Eindruck von mittelalterlicher Baukunst. Sehenswert auch die achteckige romanische Ulrichskapelle mit dem Grabmal Heinrichs III., das eine Kapsel mit seinem Herz enthält. Der obere Große Saal wurde Ende des 19. Jahrhunderts mit riesigen romantisch verklärten Wandgemälden zur deutschen Geschichte ausgemalt. Sie sollten, wie das zentrale Bild mit der Kaiserproklamation von Versailles von 1871 verdeutlicht, die deutsche Reichseinigung glorifizieren.

Gewiss, andere vergleichbare Ausstellungen sind größer und vielfältiger, weil mit mehr finanziellen Mitteln ausgestattet, während in Goslar Museumsverein und Stadt mit sehr bescheidenen auskommen mussten. Auf Nachfrage war aus der Stadtverwaltung zu erfahren, dass Goslar 2013 mit dem Land Niedersachsen einen »Zukunftsvertrag« schloss, womit Einschnitte und Einsparungen verbunden seien, auch hinsichtlich Kultur. Schade eigentlich.

»1000 Jahre Heinrich III. Die ›Kaiserbibel‹ zu Gast in Goslar«, bis zum 28. Februar 2018 in der Kaiserpfalz Goslar, am Kaiserbleek 6.

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