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  • Protest beim Internet-Versandhandel

Amazon bringt Gewerkschaft und radikale Linke zusammen

Bei den Aktionen für gute Löhne und Arbeitsbedingungen entstehen neue Allianzen

  • Von Christopher Wimmer
  • Lesedauer: 3 Min.
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In einem Monat ist Weihnachten, und wer mit den Geschenken doch wieder bis zuletzt wartet, wird häufig auf den Internet-Versandhandel Amazon zurückgreifen. Der US-Konzern, der bundesweit rund 16 000 Mitarbeiter beschäftigt, garantiert seinen Kunden schnelle Lieferungen zu günstigen Preisen. In Berlin ist eine Zustellung innerhalb von zwei Stunden möglich. Amazon ist stilprägend für ein neues Produktionsmodell, in dem Informationstechnologie, Automatisierung und Echtzeiterfassung genutzt werden, um die Produktivität zu steigern.

Dies alles spielt sich jedoch auf dem Rücken der Beschäftigten ab: Gängelung am Arbeitsplatz, die maschinelle Menschensteuerung durch Überwachung und Verdatung stehen exemplarisch für die Beschäftigungsverhältnisse in der heutigen Arbeitswelt. Darunter leidet die Gesundheit - Körper wie Psyche. Durch seine Monopolstellung kann Amazon jedoch die Arbeitsstandards diktieren.

Seit fast vier Jahren nun kämpfen Beschäftigte für bessere Arbeitsbedingungen. Im Mai 2013 begannen Streiks am größten deutschen Standort in Bad Hersfeld sowie in Leipzig. Längst geht es nicht mehr nur um einige Euro mehr, sondern um krank machende Arbeitsbedingungen, entwürdigende Kontrolle und Respektlosigkeit des Managements. Die Gewerkschaft ver.di hat mit einer neuen Streikwelle im Weihnachtsgeschäft gedroht. »Wir werden unsere Aktionen in den kommenden Wochen ausweiten und haben noch einiges vor«, so Thomas Voß, der bei der Gewerkschaft für den Versand- und Onlinehandel zuständig ist. Mittlerweile seien 35 Prozent der Beschäftigten Mitglied bei ver.di. Vor einem Jahr seien es erst 30 Prozent gewesen.

Ver.di kämpft für Mitbestimmung und einen Tarifvertrag bei Amazon. Über alldem steht die Frage, die für den Handel der Zukunft von entscheidender Bedeutung sein dürfte: Ist der Branchen-Primus Amazon nun ein Einzelhandelsunternehmen? Und müssen Amazon und andere Online-Händler dementsprechend besser bezahlen als reine Logistiker?

Unterstützung erhält die Gewerkschaft vom linksradikalen Bündnis »Make Amazon Pay«. Das autonome »Ums-Ganze«-Bündnis veranstaltet derzeit eine Aktionswoche im gesamten Bundesgebiet. Höhepunkt sollen zwei Aktionen am Freitag in Berlin und Leipzig sein. Dann will Amazon mit dem Schnäppchentag »Black Friday« das Geschäft ankurbeln.

Unter dem Motto »Block Black Friday« sollen in Berlin die Zugänge zum Innenstadtversandlager im Kudamm-Karree blockiert werden. Darüber hinaus ist eine Kundgebung geplant. Maria Reschka, Sprecherin der Kampagne, erklärt, dass die Aktivisten »mithilfe kreativer Aktionsmaterialien« die Auslieferung der Waren blockieren wollen. In Leipzig wird am selben Tag zum Streik gerufen. Bündnisvertreter wollen die Streikenden vor Ort besuchen und durch diverse Aktionen unterstützen. Die polnische Gewerkschaft Arbeiterintiative, die Hunderte Amazon-Mitarbeiter organisiert, hat ihre Unterstützung angekündigt.

Im Vorfeld der Aktionswoche hat nach Aussage der Initiative »ein reger Austausch mit Belegschaften an verschiedenen Standorten« stattgefunden. In Leipzig ist der Streikbesuch mit den kämpfenden Beschäftigten abgesprochen und ausdrücklich erwünscht. Reschka betont aber, dass ihre Kampagne unabhängig ist und mit ihrer Kritik am »Modell Amazon« und der Zukunftsvision des Unternehmens einen eigenen Punkt setzen will. Eine Annäherung oder gar ein Schulterschluss zwischen Gewerkschaft und radikaler Linke wäre wohl das Beste, was das System Amazon hervorgebracht hätte.

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